Das hafenradio war wieder einmal unterwegs! Vor über einem Jahr haben wir mit Alfred Haffner über das Pferdchen von Freisen gesprochen. Aber es mussten einige noch offene Fragen der Erforschung des keltischen Pferdchens von Freisen vor Ort geklärt werden. So kam es zu einer spannenden, kleinen Exkursion zusammen mit der Archäologin Isabel Schormann.
Relief des Freisener Pferdchens in der Schule
Wieder eine Vater und Sohn Folge. Alfred Haffner hat sich im letzten Jahr weiter intensiv mit dem keltischen Bronzepferdchen aus dem saarländischen Freisen beschäftigt. Wir sprechen zunächst über einige neue Erkenntnisse, vor allem was die Interpretationsmöglichkeiten der vermeintlichen zwei Schwerter angeht, die dem Toten mitgegeben wurden.
Ehemaliger Sandabbau am Fundort des Pferdchens
Einige offene Fragen, die vor allem die sog. Rezeptionsgeschichte dieses besonderen Fundes angehen, konnten aber nur vor Ort geklärt werden. Deshalb haben wir uns nach Freisen und Berschweiler aufgemacht, um zu erfahren welche Rolle das Pferdchen heute dort spielt, wie sich der Fundplatz darstellt oder was aus der steinernen Grabstele geworden ist, die im Pfarrhaus verbaut sein soll. Auch die Wohn- und Wirkungsstätte des Ausgräbers Johann Carl Sohns haben wir in Berschweiler, nahe bei Freisen, gesucht. Einen Abstecher zum Weiselberg haben wir auch noch gemacht. Unterstützt hat uns bei alldem die Archäologin Isabel Schormann vom saarländischen Landesdenkmalamt. Wir haben Frau Schormann im Podcast fälschlicherweise „Krollmann“ genannt – nur wegen eines Versprechers von mir gleich am Anfang – Entschuldigung für die Verwirrung!
Isabel Schormann, Alfred Haffner und das Freisener Pferdchen
Der geplante Artikel zum Pferdchen von Freisen hat mittlerweile schon den Umfang eines kleinen Büchleins erreicht und es werden nach der kleinen Exkursion sicher noch einige Abschnitte hinzukommen. Wir werden berichten wenn das Thema abgeschlossen ist.
Kellerraum im Pfarrhaus Freisen wo die ursprüngliche Treppe war
Fünf Tage Turkmenistan – eine (Dienst-)Reise in eine andere Welt
Es gibt Reisen, die macht man wahrscheinlich nur einmal im Leben. Wenn man Archäologe ist, können solche Reisen durchaus auch an exotischere Orte führen.
Von einer solchen Reise möchte ich hier kurz berichten: Mitte März hatte ich auf Einladung des turkmenischen Kulturministeriums die Chance, nach Aşgabat, der Hauptstadt von Turkmenistan, zu reisen. Die Einladung erfolgte als Abschluss der Ausstellung „Margiana – Ein Königreich der Bronzezeit in Turkmenistan“. Hierbei handelt es sich um ein Kooperationsprojekt zwischen dem turkmenischen Kulturministerium, dem Archäologischen Museum Hamburg (AMH), dem Museum für Vor- und Frühgeschichte Berlin und dem Reiss-Engelhorn-Museen Mannheim (REM), wo die Ausstellung derzeit noch zu sehen ist. Dass die Grabungsfunde nach langen diplomatischen Verhandlungen zwischen den Museen und dem ehemaligen Sowjetstaat an drei Orten in Deutschland gezeigt werden konnte, ist etwas Besonderes, denn noch nie zuvor hat Turkmenistan die Objekte ins Ausland verliehen. Zur Nachbereitung dieser Kooperation und um über mögliche weitere Projekte zu sprechen, wurden deshalb die Vertreter der drei Museen nach Turkmenistan eingeladen.
Nachts in Aşgabat, im Hintergrund das Kopet-Dag-Gebirge.
Zusammen mit sieben Kollegen aus dem Neuen Museum Berlin und den Reiss-Engelhorn-Museen machten sich Prof. Weiss und ich am 11. März 2019 auf den Weg. Es erwartete uns für die kommenden fünf Tage ein volles und vielfältiges Programm: Wir trafen mit Direktoren der Staatlichen Museen Turkmenistans und Studenten zusammen und wohnten einem Theaterstück bei, wir besichtigten Museen in Aşgabat und besuchten zwei archäologische Fundstätten, noch einmal eine Tagesreise entfernt. Zum einen Alt-Nisa, die Hauptstadt des Parther-Reichs, die bereits von weitem noch als beindruckende Befestigungsanlage zu erkennen ist. Zum anderen besuchten wir die Reste der mittelalterlichen Stadt Köneürgenç. Sie liegt am Rande der Wüste Karakum unweitder Grenze zu Usbekistan. Die kaum erforschten Überreste dieser mittelalterlichen Metropole wurden 2005 von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt.
Elfenbein-Rhyta, rituelle Trinkhörner, aus Alt Nisa. Im Hintergrund Prof. Weiss, Prof. Schaumburg, Frau B. Fleckenstein bei einer Führung durch das NationalmuseumRekonstruierte Lehmziegelarchitektur in Alt Nisa
Ich muss zugeben, dass mich das Land Turkmenistan sehr beeindruckt hat. Das Licht, das Klima und die Landschaft unterscheiden sich komplett von dem, was ich bisher gesehen hatte. Nie war ich so weit weg vom Meer und die Bezeichnung Zentralasien für diese Region ist gleichsam eine Beschreibung dafür, dass wir uns mitten auf der Eurasischen Platte, der größten Kontinentalplatte der Erde, befunden haben. Nie war ich aber auch in einem Land wie in Turkmenistan, dessen totalitäre Regierung sich so sehr im Stadtbild manifestiert. Der erste Eindruck, den ich bei der Ankunft in Aşgabat bekam, bestätigte sich im Laufe dieser Reise immer wieder: eine weiße, hochmoderne Architektur, sauber und aufgeräumt – aber die Stadt ist menschenleer. Ein schweres Erdbeben, das die Asgabat 1948 fast vollständig zerstörte, und ein staatlich verordneter Bauboom nach der Unabhängigkeit Turkmenistans von der Sowjetunion 1991 sind der Grund für das heutige Stadtbild. Besonders ins Auge fallen die vielen Marmorbauten, Bushaltestellen sind klimatisiert, auch die Autos in der Stadt sind weiß. Das alles strahlt eine überlegene Kühle und Monumentalität aus, die keinen Zweifel an der „Großartigkeit“ der Regierung aufkommen lässt.
Kuppel im Tura-Beg-Chanum-Mausoleum
Die Bebauung auf dem Land sieht dagegen ganz anders aus. Häuser, in traditioneller Lehmziegelbauweise erstellt und mit einfachen grünen Blechdächern versehen, prägen das ländliche Straßenbild. Vor den Häusern konnten wir sehr häufig noch fast prähistorisch anmutende Kuppelöfen aus Lehm zum Kochen und Backen von Brot beobachten – größer kann der Kontrast zur weißen Hauptstadt kaum sein.
Theaterszene
Das Fotografieren wird in Turkmenistan aus unterschiedlichen Gründen nicht gern gesehen.
Trotzdem war es mir oftmals und in Absprache mit den uns begleitenden Betreuern möglich, meine Eindrücke mit dem Smartphone festzuhalten. So sind über 200 Bilder entstanden, von denen ich hier einige zeigen möchte.
Die deutsche Delegation beim Essen in Daşoguz (v. l. ): Dr. Anton Gass (SPK-Berlin), Barbara Fleckenstein, Dr. Susanne Wiechert (REM), Prof. Matthias Wemhoff (SPK-Berlin), Dr. Michael Merkel (AMH), Prof. Rainer-Maria Weiss, Prof. Alfried Wieczorek (REM), Prof. Hanno Schaumburg und Dr. Manfred Nawroth (SPK-Berlin)
Eher durch Zufall bzw. in einem anderen musealen Zusammenhang bin ich über Instagram auf den Fotodienstleister Saal-Digital (https://www.saal-digital.de/) aufmerksam geworden und habe Kontakt mit ihm aufgenommen. So ergab es sich, dass Saal-Digital mir anbot, seine Software bei der Erstellung eines Fotobuchs zu testen. Es handelt sich dabei nicht um ein professionelles Layout-Programm und ich bin kein Grafiker. Trotzdem konnte ich mit dieser Software ein knapp 40 Seiten umfassendes, qualitativ hochwertiges Büchlein mit den wichtigsten und schönsten Fotos zusammenstellen. Es brauchte eine kleine Weile, bis ich mich in das Tool eingearbeitet hatte, aber dann klappte die Gestaltung (m)eines eigenen Fotobuchs ganz wunderbar.
Das Fernsehen war immer dabei! Hier wird Dr. Wiechert zum Interview gebeten.Brandschutz im Museum von Köneürgenç
Für die Fotografen unter Euch: Die Fotos wurden mit einem iPhone X und der Lightroom CC APP im DNG-Format aufgenommen. Die Weiterverarbeitung erfolgte anschließend mit Ligthroom Classic CC, für den nötigen Feinschliff sorgten das wunderbare Classic Preset K14 von André Duhme.
Links zu den Themen
Wer eine Reise nach Turkmenistan vorhat, dem empfehle ich übrigens diese zwei Blogs zur Vorbereitung:
Die Hinweise zur Fotografie in Turkmenistan auf dem Lilportal haben mich überzeugt die „große“ Kamera zu Hause zu lassen. Und sehr lesenswert sind die Reiseberichte der Autoren von Reisendepeschen
Der digitale Wandel findet in Kulturinstitutionen wie Museen genauso statt wie in Industrie und Unternehmen. Es sind am Ende die gleichen Chancen, Herausforderungen und Probleme – auch in der Kulturdigitalisierung. Aber gerade die archäologische Sicht auf die Welt zeigt, dass der Wandel durch Innovation schon immer die treibende Kraft ist, welche die Entwicklung der Menschen befeuert. Nils Löwe, Gründer und Geschäftsführer von „Lionizers“, einer Software- und Digital-Agentur ansässig in Hamburg-Harburg, diskutiert mit Michael und Christoph die Digitalisierung der Kultur.
Lionizers Löwenportal in Harburg
Der digitale Wandel ist ein Prozess der schon einige Jahrzehnte andauert und in der Gegenwart zunehmend and Fahrt aufnimmt und nahezu alle Bereiche des Lebens betrifft: Wirtschaft, Forschung, Gesellschaft, Kunst und Kultur. Im Zentrum dieses Wandels stehen Menschen aus unterschiedlichen Generationen, die alle diesen Wandel unterschiedlich wahrnehmen – mal enthusiastisch, mal skeptisch oder ängstlich.
Nils Löwe
Aber am Ende bleiben Innovation und Schaffenskraft die Kraft, die Technologie und Kultur voranbringen. Wir müssen allerdings feststellen, dass offensichtlich für jeden der Zeitpunkt kommt, bei dem man nicht mehr jeden technologischen Schritt mitgehen muss.
Das hafenradio besucht das Museum Elbinsel Wilhelmsburg (eV). Nach einer kleinen (mehrmonatigen) Pause gehen wir endlich wieder auf Sendung und sind zu Gast bei Jürgen Drygas, Helmut Pohndorf und Claus-Peter Rathjen im Museum Elbinsel Wilhelmsburg. Wir sprechen über die Insel, alte Uhrwerke und Knasttüren, ein Jagdzimmer, das dann doch keines wurde, einen Café-Erlass, Digitalisierung und die bunte Elbinsel mit Migrationshintergrund.
Aussteuerkiste mit hoher KanteDie Gefängnistür
Am Schluß machen wir noch einen Ausflug in die Ausstellung in der es eine alte Gefängnistür zu sehen gibt – aus Holz und jeder Häftling scheint sich mit seinen Initialen verewigt zu haben. Und dann gibt’s noch einen Wilhelmsburg Deichbruch.
Christoph hat sich zusammen mit seinem Vater Alfred Haffner zu Weihnachten wieder etwas Zeit genommen, um eine neue Folge Hafenpodcast aufzunehmen.
Diesmal steht ein kleines keltisches Bronzepferdchen aus Freisen im Saarland im Mittelpunkt. Anlass ist das Weihnachtsgeschenk für die Enkeltochter und die dahinterstehende kleine Geschichte um ein gemeinsames Spiel, bei dem eine Ausstellung ganz so wie im Museum gemacht wurde.
Das Pferdchen aus Bronze ist der einzige bekannte Originalfund eines keltischen Wagengrabes, das in der Mitte des 19. Jahrhunderts in Freisen entdeckt und „ausgegraben“ wurde – allerdings nicht unbedingt im Sinne einer wissenschaftlichen Untersuchung. Dennoch ist ein Bericht überliefert, der einige Informationen zu den Funden und den Fundumständen enthält. Wissenschaftlich bearbeitet wurde der Fund bereits in den 30er Jahren durch Wolfgang Dehn und dann auch in der Dissertation von Alfred Haffner, allerdings konnten bislang keine genauen Aussagen zur Funktion und Bedeutung des Pferdchens gemacht werden. Nun ist aber kürzlich in Baden Württemberg ein vergleichbarer Fund aufgetaucht, der vielleicht helfen kann das Pferdchen von Freisen besser zu interpretieren. Die Geschichte bleibt also spannend!
Replik des Bronzepferdchens von Freisen
Herausgekommen ist eine sehr persönliche Hafenpodcast-Episode.
Abbildung des Originalfundes in der Zeitschrift „Germania“ von 1936
Der Hafenpodcast sendet live und ohne Gast aus Hamburg. Michael und Christoph nehmen die vom Archäologischen Museum Hamburg und der Kulturbloggerin Tanja Praske initiierte Blogparade #KultBlick ins Visier. #KultBlick möchte, dass die teilnehmenden Blogger über ihren ganz persönlichen Blick auf Kultur schreiben, was denn auch 82 (!) Teilnehmer (Stand 30.10.2017) gemacht haben. 82 ganz völlig unterschiedliche Geschichten die sich alle lohnen gelesen oder gehört zu werden.
Für Archäologen ist Müll ganz klar Kultur
Es wird somit sehr viel über Kultur geredet und Michael muss einige Fragen beantworten, und zwar dieselben, die den Bloggern für #KultBlick gestellt wurden. So ergibt sich eine weitere, zum Teil sehr archäologisch geprägte Sicht auf Kultur – und das obwohl sich die Protagonisten eher in vieler Hinsicht als Kulturbanausen verstehen. Es geht auch um Hochkultur(en), Müll als Kulturanzeiger, Kulturpolitik, Kulturerlebnisse, die Stones und andere Musik… und natürlich Essen und Trinken!
Migration gehört zur Kultur
Am Ende muss auch noch darüber gesprochen werden, dass Migration seit Jahrtausenden und permanent in Europa stattfindet und die Kultur prägt. Da kommen dann Begriffe wie Leitkultur ins Spiel, die ja derzeit wieder populär zu sein scheinen und vor allem von Rechten „Vordenkern“ gerne genutzt werden. Wir können feststellen, dass sich die Archäologen zu wenig an der Debatte beteiligen, vor allem vor dem Hintergrund der Flüchtlingsthemen. Wer wenn nicht die Archäologen können hier nachweisen, dass Migration einer der Pfeiler der europäischen Kultur ist. (Dazu passt das Bild aus dem Archäologischen Museum Hamburg sehr schön!)
Viel Spaß beim hören und wir freuen uns sehr über Feedback oder Diskussionsbeiträge (da passiert derzeit noch zu wenig 🙂 )!
Wieder eine „Update“ Folge. Der Hafenpodcast ist ein zweites mal zu Besuch im Archäologiepark Wederath Belginum. Rosemarie Cordie und Alfred Haffner führen durch die Ausstellung „Pracht und Herrlichkeit. Bewaffnung und Bekleidung keltischer Männer im Hunsrück.“ Es gibt viele Geschichten und Hintergründe zur Ausstellung und den gezeigten Objekten zu hören.
Ausstellungsraum – Pracht und Herrlichkeit in Wederath Belginum
Es geht in der Ausstellung tatsächlich nur um Männer – keltische Männer und wie sie sich im Leben und im Tod ausgestattet haben. Schwerter, Schilde, Messer, Gürtelschnallen, Fibeln, Schmuckscheiben, Trinkhorn, Kleidung… auch ein Toilettenbesteck damit die Ohren sauber, und die Fingernägel ordentlich geschnitten sind.
Rekonstruktion des Keltisches Schwertes aus Siebbach
Das Leitmotiv der Ausstellung ist die Gegenüberstellung archäologischer Funde und deren Rekonstruktion. So wird dem Besucher vor Augen geführt, wie die Ausstattung eines keltischen Mannes wirkte und welche handwerkliche Fähigkeiten zur Herstellung notwendig waren.
Die Ausstellung im Archäologiepark Wederath Belginum ist noch bis zum 5. November 2017 zu sehen und es gibt eine Begleitpublikation zum Preis von 19,90 Euro.
Rosemarie Cordie und Alfred Haffner
Rosemarie hat Vor- und Frühgeschichte studiert. Sie ist die Leiterin des Archäologieparks Belginum bei Morbach im Hunsrück und als wissenschaftliche Mitarbeiterin im Fach Klassische Archäologie der Universität Trier tätig. Ihre Forschungsschwerpunkte sind Eisenzeit, Siedlungs- und Gräberarchäologie, Archäologie Belginums und seines Umlands, Romanisierung sowie die Vermittlung und Präsentation archäologischer Inhalte.
Drei sitzen an der Elbe in Hamburg und Wittenberg und sprechen über Podcasting in der Archäologie, die „Nationale Sonderausstellung Luther! 95 Schätze – 95 Menschen“ und die Skeptiker Bewegung. Im Hafenpodcast zu Gast ist Mirko Gutjahr, vielen auch bekannt als der „Buddler“ und Macher vom „angegraben“ Podcast und dem „Geheimen Kabinett“.
Da wir einen echten Pionier in Sachen Archäologie-Podcast zu Gast haben, beginnen wir natürlich mit dem Lieblingsthema Podcasting und welches Potential diesem Medium innewohnt, gerade wenn es um Wissenschaftskommunikation geht. Auch die Relevanz für kleine Zielgruppen macht das Podcasten so spannend. Und die Tatsache, dass sich der ganze Aufwand schon dann lohnt, wenn man einen Hörer damit glücklich machen kann, ist sehr sympatisch!
Mirko Gutjahr (ganz rechts) und KollegInnen bei der Arbeit – Mirko ist Kurator der Ausstellung „Luther! 95 Schätze – 95 Menschen“. Foto Thomas Bruns
Thema Nummer zwei hat uns in Hamburg in diesem Jahr einen zusätzlichen Feiertag beschert! Das Lutherjahr 2017. In Wittenberg kann man bis zum 5. November die von Mirko kuratierte Ausstellung „Luther! 95 Schätze – 95 Menschen“ besuchen. Die Ausstellung ist eine im „Dreiklang“ sogenannter „Nationaler Sonderausstellungen“ zum Lutherjahr. Neben der Ausstellung in Wittenberg präsentiert das Deutsche Historische Museum in Berlin im Martin-Gropius-Bau die Schau „Der Lu- thereffekt“ (12. April bis 5. November 2017) und auf der Wartburg in Thüringen ist die Ausstellung „Luther und die Deutschen“ (4. Mai bis 5. November 2017) zu sehen.
Mysteriös? Luthers Hund? Der blaue Hund aus der Luther Ausstellung in Wittenberg
In unserem Themendreiklang widmen wir uns dann schließlich noch den „Skeptikern“ und der Situation der Wissenschaft in Zeiten postfaktischer, ignoranter oder extrem-religiöser Verschiebungen in der Gesellschaft. Michael und Christoph lernen, dass es sich bei den Skeptikern, bzw. der „Skeptiker Bewegung“ nicht um Verschwörungstheoretiker und Alu-Hüte handelt sondern vor allem um die wissenschaftliche Untersuchung von Parawissenschaften – laut Wikipedia Erkenntnisansprüche, die sich am Rande oder außerhalb der akademischen Wissenschaften befinden. Am Ende liegt die Vermutung nahe, dass das Zeitalter der Aufklärung noch lange nicht vorbei ist.
Nach gut zwei Jahren besuchen wir den Hamburger Archäologen Kay-Peter Suchowa auf der aktuellen Ausgrabung in der Altstadt. Wie schon in HR04 berichtet, wird hier vor allem der Wall der sogenannten „Neuen Burg“ ausgegraben. Dieser Kampagne findet in direkter Nachbarschaft der Aktivitäten von 2015 statt. Wie damals auch, sind die Erhaltungsbedingungen für Holz und andere organische Materialien hervorragend, sodass sich ein sehr gutes Bild über die Bauweise ergibt.
Kay-Peter Suchowa vor dem Wallprofil der Neuen Burg Ausgrabung 2017
Kay erklärt noch einmal wie es dazu kam, dass die neue Burg errichtet wurde, welche Materialien genutzt wurden, zu welcher Jahreszeit die Bautätigkeiten stattfanden. Eine Burg in Norddeutschland war meist eine Anlage, die von einem einige Meter hohen Wall aus Holz und Erde umgeben war – eine sogenannte Wallburg. Die Gebäude innerhalb der Wallanlage waren ebenfalls aus Holz gebaut.
Blick auf das Wallprofil Richtung Osten – der große Holzpfeiler rechts im Bild stammt aus dem 19. Jahrhundert.
Nachdem die Anlage endgültig zerstört war (das genaue Ende ist nicht bekannt), wurde das Areal verfüllt und wurde von der neu gegründeten „Neustadt“ überbaut. Da im Bereich rund um den Hopfenmarkt noch weitere Bautätigkeiten anstehen werden wir hoffentlich bald wieder die Möglichkeit haben mit Kay einen Grabungsbesuch organisieren können.
Detail des Profils mit zahlreichen kleinen Holzstämmen im Schnitt und dem Rest eines vertikalen Holzpfahls aus dem 19 Jhd.
Bier aus Hamburg! Was noch vor einigen Jahren mit nur an die drei verbliebenen Braustätten nach einem Entwicklungsland in Sachen Bierproduktion aussah, war vor über 500 Jahren der ultimative Hotspot des Bierbrauens und des Handels mit dem wohl wichtigsten Nahrungs- und Rauschmittels des Mittelalters überhaupt. Das „Brauhaus der Hanse“ wurde Hamburg genannt und mit seinen mehr als 500 Brauereien bei nur ca. 10.000 Einwohnern im 14. Jahrhundert versteht man warum.
Bierbrauen in Hamburg
Heute entwickelt sich wieder eine aufregende Kreativ- und Craft-Bierszene in der Hansestadt die durch Vielfalt in Sorten, Geschmack und Etikettendesign sowie hervorragende Qualität glänzt! Es tut sich also seit einiger Zeit wieder was in Sachen Brauwesen in Hamburg und ganz Deutschland. Hamburg und Berlin fallen aktuell als kreative Brauorte auf, insbesondere weil hier an viele lokale, regionale und auch internationale Biertraditionen angeknüpft wird: Indian Pale Ale, Berliner Weiße, Stout oder Porter sind nur einige der Sorten die neben dem Pils wieder in den Regalen zu finden sind.
Ralf Wiechmann und Olli Wesseloh in der Kehrwieder Kreativbrauerei
Zeit also, dass sich das hafenradio ausgiebig dem Thema Bier in Hamburg widmet. Wir haben uns in Hamburg Sinstorf in den Räumen der Kehrwieder Kreativbrauerei mit dem Brauer und Inhaber Olli Wesseloh und dem bierkundigen Historiker und Archäologen Ralf Wiechmann vom Museum für Hamburgische Geschichte getroffen, um über Bier zu sprechen.
Ralf Wiechmann
Dr. Ralf Wiechmann hat Ur- und Frühgeschichte, Kunstgeschichte und Volkskunde in Kiel und München studiert. 1994 erhielt er den Preis der Landeshauptstadt Kiel zur Förderung der Wissenschaft. Seit 1994 ist Ralf wissenschaftlicher Abteilungsleiter am Museum für Hamburgische Geschichte für die Bereiche Mittelalter und Numismatik. Seit 2007 ist er stellvertretender Direktor des Museums. Von 1994 an ist Ralf Vertreter Hamburgs in der Numismatischen Kommission der Länder in der Bundesrepublik Deutschland. Forschungsschwerpunkte sind: Stadtgeschichte Hamburgs sowie Münz- und Geldgeschichte Norddeutschlands und Skandinaviens.
Als Appetitanreger hier ein kurzer Auszug aus dem Pressetext: „Im Rahmen der Ausstellung soll an Originalobjekten, schriftlichen Quellen, Modellen sowie inszenatorischen Elementen die Entwicklung des Bierbrauens in Hamburg nachgezeichnet werden. Ausgehend von den ersten Hopfenfunden in der Wikingersiedlung Haithabu wird die Bedeutung des Bieres als Grundnahrungsmittel der mittelalterlichen Bevölkerung deutlich gemacht, um dann einen Ausblick in die Moderne mit ihren industriellen Produktionsweisen und in die Gegenwart zu werfen.“
Ein Besuch der Ausstellung wird sicherlich spannend! Und wer weiß, vielleicht wird es im Rahmen der Ausstellung auch die Chance geben, das eine oder andere Craft-Bier zu verköstigen.
Olli Wesseloh
Oliver Wesseloh ist Dipl.Ing für Brauwesen, Biersommelier und Brauereiberater. Er war viel unterwegs – in der Karibik, dann in Süd-, später in Nordamerika. Er „sah das Licht“ als er in den USA mit den kleinen, unabhängigen Brauereien zusammengearbeitet hat. Die Kreativität und Geschmacksvielfalt der amerikanischen Craft Brewer hat ihn nachhaltig beeindruckt. Seit dem Frühjahr 2012 ist er Diplom-Biersommelier und kehrte im Sommer 2012 mit seiner Familie zurück nach Deutschland wo er mit dem Aufbau der Kehrwieder Kreativbrauerei begann. Im September 2013 hat er die Weltmeisterschaft der Sommeliers für Bier gewonnen.
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