Blog

  • Hören und Sehen – St. Pauli – Februar 2016

    Hören und Sehen – St. Pauli – Februar 2016

    Nachdem wir im November mit Mikrofon und Kamera durch die Hafencity gewandert sind, haben wir jetzt die Suche nach Tönen und Bildern in St. Pauli fortgesetzt. Gestartet sind wir mit etwas Musik an der U-Bahn Station Landungsbrücken, an den Anlegern der Hafenrundfahrten vorbei zur Hafenstraße. Von da weiter durch „Park Fiction“ und an der St. Pauli Kirche vorbei bis zum Hein-Kölnisch Platz. An vier Stationen sind wir fündig geworden.

     

    Straßenmusiker vor der U-Bahn Haltestelle Landungsbrücken

    U-Bahn Haltestelle Landungsbrücken

     

     

    St. Pauli Landungsbrücken

    St. Pauli Landungsbrücken

     

     

    Hot Rod City Tours Cars

    Strand-Pauli – Hafenstraße

     

     

    St. Pauli Kirche in Hamburg

    St. Pauli Kirche (… und Touristen aus Bayern)

     

    Fotos: Isabel Venjakob

  • Hören und Sehen – Hafencity – November 2015

    Hören und Sehen – Hafencity – November 2015

    Sonntag, 08. November 2015 in der Hafencity Hamburg. Wir haben uns heute in die Hafencity aufgemacht, um in Hamburgs jüngstem Stadtteil genau hinein zu schauen und zu hören. Herausgekommen sind einige Eindrücke die wir hier mit euch teilen möchten. Ob nun vertonte Bilder oder bebilderte Geräuschkulisse bleibt dem Hörer und Betrachter überlassen. Einfach hinschauen und reinhören und dann einen Kommentar schreiben was ihr davon haltet.

     

    Skater auf den Marco-Polo-Terrassen in der Hafencity Hamburg

    Marco-Polo-Terrassen

     

     

     


    Blick durch die Stahlkonstruktion der Magdeburger Brücke nach Süden

    Magdeburger Brücke

     

     

     

    Der historische Segler Catarina festgemacht im Sandtorhafen in der Hamburger Hafencity

    Sandtorhafen

     

     

     

    BMX Radfahrer auf den Magellan-Terrassen in der Hamburger Hafencity

    Magellan-Terrassen

     

    Fotos: Isabel Venjakob

     

  • Mit 100 Sachen durch Hamburg

    Mit 100 Sachen durch Hamburg

    Nachdem wir für die Harburger Binnenhafen – und Fundpunkte Apps den Praxistest geliefert haben, war es längst überfällig, das auch für die „Mit 100 Sachen durch Hamburg App“ zu machen. Zeitlich passt das ganz gut, nachdem wir uns vor Kurzem im hafenradio Podcast HR007 mit Andreas Pfeiffer unterhalten haben, der sich intensiv mit historischen Photographien  aus Hamburg und den dazugehörigen Geschichten befasst. Die 100 Sachen App wurde gemeinsam mit den Museen der Stiftung Historische Museen Hamburg als Teil des von der Kulturbehörde Hamburg geförderten Projekts „Museumswissen on Demand“ realisiert.

    Jetzt also, zum Tag der deutschen Einheit bei herrlichem Spätsommerwetter, bietet sich die Gelegenheit die App entspannt zu testen. Vorab vielleicht noch ein paar Worte zur Idee die hinter der App steckt. Die historischen Museen in Hamburg und ihre unterschiedlichen Dependancen haben einen fast unerschöpflichen Fundus an Objekten, Informationen und Geschichten, die zum Teil in den Ausstellungen präsentiert werden oder in den Magazinen und Sammlungen lagern. Allen gemeinsam ist, dass sie einen Bezug zu konkreten Orten in der Stadt haben und diese Verbindung manchmal noch erkennbar ist oder die heutige, veränderte Situation der historischen gegenüber steht. Diese Beziehung zwischen Objekt im Museum und einem Ort in der Stadt soll die 100 Sachen App besser erfahrbar machen.

    Hamburg - Mit Smartphone und 100 Sachen App unterwegs in Hamburg
    Mit Smartphone und 100 Sachen App unterwegs in Hamburg

    Natürlich konnten wir diese Beziehung nicht für alle Museumsobjekte in einer einzigen App abbilden, daher musste eine Auswahl getroffen werden. Alle Häuser, Hamburg Museum, Altonaer Museum und Museum der Arbeit, wählten insgesamt 100 Objekte aus ihren Ausstellungen und Sammlungen aus, die mit einem  interessanten Ort in der Stadt in Verbindung stehen. Der App-Nutzer kann entweder zuerst ein Museum besuchen und dann die entsprechenden Orte aufsuchen oder genau anders herum, erst eine Tour durch die Stadt machen und sich bei Interesse auf die Suche nach den Objekten in einem oder mehreren der Museen begeben. Die Auswahl umfasst durchaus bekannte Objekte und Orte wie zum Beispiel den Schädel von Klaus Störtebeker, dem Piraten der in Hamburg hingerichtet wurde, oder die Ruine der Hauptkirche St. Nicolai, die heute als Mahnmahl dient, aber auch vieles das abseits des üblichen touristischen Hamburg Programms liegt. So soll die App alle ansprechen, die sich für die Geschichte der Hansestadt interessieren, Touristen, Neu-Hamburger und Alt- Eingesessene gleichermaßen. Und wer gerade nicht in Hamburg ist, der kann sich auch alles entspannt auf dem Sofa anschauen.

    Ich habe mich für die Variante entschieden erst eine Tour durch die sonnige Stadt zu machen, mit einem Abschluss im Hamburg Museum. Auch wenn der Titel „Mit 100 Sachen durch Hamburg“ es vielleicht suggerieren mag, ich steige nicht ins Auto und gebe Gas sondern mache mich zu Fuß auf den Weg und nehme mir den ganzen Nachmittag Zeit. In der Hamburger Innenstadt ist die Objektdichte natürlich am höchsten und daher das beste Gebiet, um einen ersten Rundgang zu starten. Los geht es am Gänsemarkt, dann über den Jungfernstieg und die Bergstraße zur Petrikirche und dem Domplatz. Von hier weiter an der Hamburger Börse vorbei zum Nicolaifleet mit St. Nicolai, Alter Börse und neuer Burg. Dann wandere ich in die Speicherstadt am Brook entlang bis zum Sandtorhöft mit der Kehr-Wieder-Spitze. Die letzte Etappe wird dann das Hamburg Museum sein, das allerdings einige Kilometer entfernt ist. Also schnappe ich mir am Baumwall ein Leihfahrrad und bin nach knapp zehn Minuten am Museum angekommen.

    Hamburg - Ziehung der Lottozahlen - früher öffentlich auf dem Gänsemarkt
    Ziehung der Lottozahlen – früher öffentlich auf dem Gänsemarkt

    Beim ersten Standort, dem Gänsemarkt, geht es nicht um historische Bauten sondern um Glücksspiel. Es war die Hansestadt in der 1614 die erste staatliche Lotterie stattfand, als der Hamburger Rat 1770 das Zahlenlotto einführte. Auf dem Gänsemarkt fand dann die öffentliche Ziehung der Lottozahlen statt. Und das hat sich bekanntlich bis heute als Konzept gehalten – allerdings im 20. Jahrhundert ins Fernsehen gebracht, wo es bis heute seinen festen Platz hat – natürlich für ganz Deutschland. In Hamburg wurden die Ziehungen in Lostrommeln allerdings nach wenigen Jahren aufgrund zahlreicher Bürgerproteste wieder eingestellt. Am Gänsemarkt selbst erinnert heute nichts mehr an die Lotterieziehungen aber alte Stiche zeigen was es für ein gut besuchtes Event war.

    Am Jungfernstieg stehen Alsterpavillion und der Anleger der Alsterschiffe auf dem Plan. Das Hamburg Museum zeigt in seiner Ausstellung ein Element vom Geländer des Alsterpavillions aus den fünfziger Jahren. Die heutige Version vor Ort erscheint dagegen sehr sachlich, und Fahrräder müssen auf Anstand bleiben.

    Hamburg - Heutiges Geländer am Alsterpavillion
    Heutiges Geländer am Alsterpavillion

    Am Schiffsanleger kann man heute noch das historische Dampfschiff St. Georg für eine Alsterrundfahrt besteigen. Von dieser Sorte Alsterdampfer fuhren im späten 19. Jahrhundert um die 30 Exemplare auf der Alster und waren das wichtigste öffentliche Verkehrsmittel. Sie wurden aber schon bald in ihrer Bedeutung von Strassenbahn und Bussen abgelöst. Aber bis heute kann man zum Einkaufsbummel ins Zentrum noch immer mit dem Alsterdampfer fahren.

    Mit Petrikirche, Dom und St. Nicolai sind drei Kirchen die nächsten Stationen meiner Route. Eine ist noch komplett erhalten und in Betrieb, die zweite völlig verschwunden und die dritte eine Ruine und Mahnmal. Die Schicksale der drei Kirchen sind eng mit der Geschichte der Stadt verbunden. Der Hamburger Dom und besonders St. Nicolai repräsentieren den eher tragischen Teil davon. So wurde die ursprüngliche Kirche St. Nicolai zum ersten Mal beim großen Brand von 1842 zerstört und wieder aufgebaut, um dann nach den Bombenangriffen von 1943 erneut in Trümmern zu liegen. Diesmal wurde sie nicht wieder aufgebaut sondern wird mit dem noch intakten, restaurierten Turm als Mahnmal gegen Krieg und Gewaltherrschaft genutzt.

    Hamburg - Anleger am Jungfernstieg, Alsterdampfer "St. Gerorg"
    Alsterdampfer „St. Gerorg“

    Den Hamburger Dom haben die Hamburger aber selbst abgerissen – sicher eher aus politischen und weniger religiösen Gründen. Die Kirche wurde 1806 abgerissen, nachdem sie in staatlichen Besitz übergegangen war. Den meisten wird der Hamburger Dom heute als Volksfest auf dem Heiligengeistfeld bekannt sein. Dieser „Dom“ hat tatsächlich seinen Ursprung im alten Mariendom, um den herum Marktleute, Gaukler und Handwerker schon im Mittelalter aktiv waren und wo sie auch vor schlechtem Wetter Schutz suchten.

    Nachdem ich mir noch einige weitere Stationen am Nicolaifleet, um die alte Börse herum angeschaut habe, gehe ich weiter in Richtung Speicherstadt. An der Brooksbrücke angekommen ist es erst einmal Zeit, um Kaffee und Sonne zu genießen und zwischen Touristen aus aller Herren Länder zu sitzen und sich selbst wie einer zu fühlen. Wenn die Sonne nicht so üppig scheint bietet sich als Alternative die nahegelegene Kaffeerösterei am Kehrwider Nr. 5 an, die selbst auch eine der 100 Stationen der App ist. Von hier kann man auch einen lohnenden Abstecher ins Speicherstadtmuseum machen, denn über diesen Teil Hamburgs lohnt es sich mehr zu erfahren als unsere App vermitteln kann.

    Hamburg - Kaffeerösterei am Kehrwider Nr. 5
    Die Kaffeerösterei am Kehrwider Nr. 5

    Die letzte Outdoor-Station meiner Tour ist die Kehr-Wieder-Spitze, an der Mitte des 19. Jahrhunderts Abendrots Dampfmühle stand, eine der ersten Dampfmaschinen in Hamburg. Von hier hat man heute einen wunderbaren Blick über das Getümmel im und am Hafen und auf die jetzt schon fast fertig aussehende Elbphilharmonie.

    Dieser Rundgang, der nur einen kleinen teil der 100 Sachen in der App ausmacht, zeigt schon eindrucksvoll, wie sehr sich das Bild der Hansestadt in den letzten 200 Jahren verändert hat. Teils durch drastische Zerstörungen, teils durch oft ebenso drastische städtebauliche Maßnahmen und wirtschaftliche Entscheidungen.

    Jetzt hat mich aber auf jeden Fall die Neugierde gepackt, auch die Originale in den Museen zu suchen. Allerdings ist nur noch Zeit für eines der Häuser. Zu meinem heutigen Rundgang passt wie geplant sehr gut das Hamburg Museum, das nur wenige Kilometer entfernt liegt und mit dem Fahrrad bequem zu erreichen ist. Alternativ kann man auch mit der U3 vom Baumwall bis St. Pauli fahren.

    Im Hamburg Museum schwenke ich direkt auf den stadtgeschichtlichen Rundgang ein, der am besten zu meinem heutigen Rundgang durch die Stadt passt. Und tatsächlich finde ich direkt viel Bekanntes wieder. Das Modell der alten Börse, Störtebekers Schädel, Das Gemälde vom großen Brand, die Decke des (nicht mehr vorhandenen) barocken Bürgerhauses Katharinenstraße 9 oder Überreste des Lettners vom Mariendom. Auch hier können die Beschreibungen in der App gut genutzt werden aber nach einiger Zeit taucht man tief in die vielen ausgestellten Objekte und Installationen ein und das Handy bleibt die meiste zeit in der Tasche.

    Hamburg - App und Modell der Alten Börse im Hamburg Museum
    Wiedererkannt – Modell der Alten Börse im Hamburg Museum

    Ist das Konzept der App nun also aufgegangen? Durch die Zuordnung der Objekte zur heutigen Erlebniswelt in der Stadt kann man sicher einen deutlich besseren Bezug herstellen als dies allein in einer Ausstellung möglich ist. Wenn man den Stadtrundgang vorab macht, trifft man in der Ausstellung auf viele „alte Bekannte“. Das hat mir einen viel Besseren Zugang zur Geschichte der Objekte ermöglicht und das wiederfinden hat auch Spass gemacht. Aus meiner Sicht funktioniert die Idee, die musealen Objekte mit Orten in der Stadt zu verbinden sehr gut. Für die App selbst sind mir viele Ideen zur Verbesserung gekommen, am wichtigsten vielleicht ein Index der Orte und Objekte, eine einfache Suche oder Tourenvorschläge. Am dringlichsten ist aber sicher die Android-Version der App, die es leider noch nicht gibt.
    Der Rundgang mit App hat auf jeden Fall viel Spaß gemacht und als nächstes stehen Altona, St. Pauli und Hafen an. Wir berichten dann natürlich hier im Hafenradio Bog.

    Vielleicht laden und nutzen einige Leser unseres Blogs ja die 100 Sachen App und probieren es selbst aus. Wir würden uns sehr über Feedback, Kritik und Verbesserungsvorschläge hier in den Kommentaren freuen! Die App kann man kostenlos im Apple App Store runterladen.

    KP-Apple-Store

     

  • Ærø – Zwei Tage wandern in der Südsee

    Ærø – Zwei Tage wandern in der Südsee

    Ærø ist eine Insel mitten in der Südsee – der dänischen Südsee, auch bekannt als Süd-Fyn’sches Inselmeer. Ærø liegt zwischen Jütland und dem kleinen Belt im Westen, der Insel Langeland im Osten und Fünen im Norden. Zwischen Ærø, Fünen und Langeland liegen zahlreiche kleine und kleinste Inseln zwischen denen vor allem im Sommer viele Segelschiffe kreuzen und in den seichten Buchten ankern.

    [mappress mapid=“3″]

     

    Nach einem Familienurlaub auf Ærø haben wir beschlossen, direkt noch einmal zurückzukehren und auf einer zweitägigen Wanderung die Insel von Marstal im Südosten über Ærøskøbing – die Inselhauptstadt – nach Søby im Nordwesten zu durchqueren. Da die Wanderung auch verschiedene archäologische und historische Highlights zu bieten hat, muss natürlich auch hier im Hafenradio Blog davon berichtet werden!

    Ærø ist eine ruhige und entspannte Insel. Das spürt man unmittelbar nachdem man die Fähre verlassen hat. Es gibt wenig Autoverkehr und diejenigen, die mit dem Auto unterwegs sind, nehmen erfreulich viel Rücksicht auf die zahlreichen Radfahrer und Fußgänger. Hektik ist praktisch nicht zu finden. So erlebt man die wunderschöne Insel auch am intensivsten auf dem Fahrrad oder eben auf einer Wanderung.

    Man kann diese Wanderung sowohl in einen längeren Aufenthalt auf Ærø einbauen oder sich ein verlängertes Wochenende Zeit nehmen, zumindest wenn man im Norden Deutschlands lebt. In beiden Fällen ist die kostenlose Buslinie hilfreich, die stündlich zwischen Søby und Marstal verkehrt. Wir haben uns von Hamburg nach Ærø aufgemacht und insgesamt drei Tage Zeit genommen. Die Autofahrt nach Fynshav auf der Insel Als, die über Sønderborg mit dem Auto erreicht werden kann, dauert von Hamburg aus gute zwei Stunden. Von Fynshav geht im Sommer dreimal täglich eine Fähre nach Søby auf Ærø. Das Auto kann beim Fähranleger kostenfrei auf einem Parkplatz abgestellt werden. Alternativ kann man auch mit dem Zug über Flensburg und Sønderborg anreisen und dann mit dem Bus das letzte Stück zum Fähranleger zurücklegen. Wir haben die Mittagsfähre genommen, die nach 70-minütiger Überfahrt gegen 14:30 Uhr die Insel erreicht. In Søby steigen wir in den Bus, der uns kreuz und quer über die gesamte Insel in einer knappen Stunde bis nach Marstal in den äußersten Südosten bringt. Hier beziehen wir unser Zimmer im Marstaler Danhostel, einem alten Gebäude direkt am Hafen, das trotz Hochsaison fast leer zu sein scheint.

    Insel Ærø - Seefahrtsmuseum in Marstal
    Seefahrtsmuseum in Marstal

    Marstal ist eine kleine Hafenstadt mit großer Geschichte als Seefahrerstadt, die ihre Hochzeit im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert hatte. In dieser Zeit beheimatete Marstal mit zeitweise über 200 Segelschiffen die zweitgrößte Handelsflotte Dänemarks, und der größte Teil der männlichen Bevölkerung fuhr zur See. Der Roman „Wir Ertrunkenen“ von Carsten Jensen liefert hierzu eine eindrucksvolle, zum großen Teil auf historischen Begebenheiten basierende Beschreibung dieser Zeit. Im Seefahrtsmuseum wird die Schifffahrtsgeschichte der Stadt mit vielen Schiffsmodellen, Bildern und Objekten, welche von den Seeleuten aus aller Welt nach Marstal gebracht wurden, erklärt.

    Wir haben am ersten Tag genug Zeit, einen Spaziergang durch den Hafen und über die vorgelagerte Landzunge „Erikshale“ mit den für Ærø typischen bunten Strandhäuschen zu machen. Anschließend bummeln wir noch durch die Kirkestræde und gönnen uns ein kleines Abendessen in einem Pub mit schönem Biergarten – wie in Dänemark üblich, nicht wirklich günstig. Auch die Übernachtung ist mit insgesamt um 100 Euro weniger günstig als man es von einem Hostel erwartet, aber die Betten sind gut und das Frühstück reichhaltig. So können wir am nächsten Morgen frisch und gestärkt unsere Wanderung im Hafen von Marstal starten.

    Insel Ærø - Hafen von Marstal
    Hafen von Marstal

    Wir wollen dem Wanderweg „Øhavsstien“ folgen, einer insgesamt 220 Kilometer langen Route, die in sieben Abschnitten über die Inseln Fyn (Sydfyn), Tåsinge, Langeland und Ærø reicht. Der Øhavsstien auf Ærø beginnt in Marstal und führt über Ærøskøbing bis hinauf nach Søby. Die Strecke kann aber genauso gut in umgekehrter Richtung von Søby nach Marstal erwandert werden. Der etwas mehr als 38 Kilometer lange Weg ist über die gesamte Strecke ausgezeichnet markiert, sodass man sich kaum verlaufen kann. Eine Wanderkarte kann man sich schon auf der Fähre oder der Tourist-Information in Marstal kostenlos besorgen. Wer das verpasst hat, für den sind an manchen der Markierungen des Weges auch Info-Tafeln angebracht, sowie kleine Boxen, in denen man ebenfalls die Karten vorfindet.

    Insel Ærø - Markierung Wanderweg Øhavsstien
    Der Øhavsstien ist über die gesamte Strecke ausgezeichnet markiert – inclusive „Kaffeplet“

    In Marstal führt der Weg zunächst durch ein Werftgelände und weiter am Ostseeufer entlang an schönen Villen aus dem frühen 20. Jahrhundert. Dann geht es durchs Landesinnere Richtung Kløven-Bodden und der Ortschaft Kragnæs zum Gråsten Noor, einem durch Eindeichung gewonnenen Landstrich, der sich über die gesamte Breite der Insel erstreckt. Die Wegstrecke entlang am Ufer des Kløven-Bodden durchquert einige Feuchtwiesen, die auch als Pferdeweiden genutzt werden, aber für Wanderer geöffnet sind. Man trifft hier immer wieder auf die eigentlichen, in der Regel friedlichen Bewohner der Wiesen und Weiden. In der Nähe von Kragnæs erreichen wir unser erstes archäologisches Ziel, ein jungsteinzeitliches Ganggrab aus der Zeit um 3200 v. Chr. Das Ganggrab wurde in den 1970er Jahren vom Langelandmuseum ausgegraben und rekonstruiert. Es vermittelt dem Besucher heute sehr anschaulich, wie neolithische Großsteingräber dieses Typs ursprünglich angelegt waren. Wer sich traut, kann auch hineinkriechen und sich mit einer Taschenlampe die baulichen Details anschauen. Auf ganz Ærø konnte eine Vielzahl neolithischer Großsteingräber nachgewiesen werden, von denen heute noch einige zum Teil erhalten und im Gelände sichtbar sind. Im Süden der Insel wurden aber viele der Anlagen abgetragen und zum Bau der Hafenmole von Marstal verwendet. Die Hafenmole ist für die Stadt von besonderer Bedeutung. Sie wurde im 19. Jahrhundert über einen Zeitraum von fast zwanzig Jahren von den Marstaler Seeleuten in den Wintermonaten errichtet, wenn ihre Schiffe im Hafen lagen. Die Mole bot den nötigen Schutz der Schiffe vor den Winterstürmen. Da die Marstaler vom Dänischen König keine Unterstützung zum Bau der Hafenmole erhielten, organisierten sie sich selbst und errichteten das über 1200 Meter lange Bauwerk in Eigenregie aus großen Findlingen. Noch heute erinnert ein Gedenkstein im Hafen an diesen gemeinschaftlichen Kraftakt, der für den wirtschaftlichen Erfolg der Stadt von großer Bedeutung war.

    Insel Ærø - Das Ganggrab von Kragnæs
    Das Ganggrab von Kragnæs

    An der Stelle, wo der Wanderweg am Gråsten Noor seinen südlichsten Punkt erreicht hat und nach Westen abbiegt, kann man ihn verlassen und einen Abstecher zu den nur wenige Kilometer entfernten Dolmen von Lindsbjerg Dysse machen. Man wird mit einer teilweise restaurierten Großsteingräbergruppe, einem sog. Langbett sowie der Aussicht über einen Großteil der Insel belohnt.

    Macht man diesen Umweg nicht, dann führt der Øhavsstien vom flachen Gråsten Noor einige Kilometer weit in das sanft hügelige Inselinnere zur kleinen Ortschaft Lille Rise, dann weiter durch bewaldete Abschnitte und vorbei an Wiesen und Feldern. Nahe Stokkeby steigen wir Richtung Norden hinauf auf einen Höhenzug der durch eiszeitliche Moränen geprägten Landschaft. Von dort hat man einen weiten Blick über den südöstlichen Teil der Insel und bis nach Ærøskøbing. Jetzt geht es wieder hinunter zur Küste und nach wenigen Kilometern erreichen wir die ersten Häuser von Ærøskøbing, dem Ziel dieses  Tages. Mit ca. 16 Kilometern ist diese Etappe leicht an einem Tag zu bewältigen und es bleibt genügend Zeit, um uns an den Vesterstrand in der Revi-Krog-Bucht zu legen und im flachen Wasser zu baden. Hier hat man an warmen wolkenlosen Hochsommertagen das Gefühl, am weißem Strand und im türkisfarbenen Wasser der Südsee zu sein. Das besondere sind, wie auch in Marstal, die kleinen bunten Strandhäuser, die ursprünglich in den 1920er Jahren errichtet wurden. In der Bucht ankern zahlreiche Segelboote. Alles zusammen ergibt mit der entspannten Stimmung der Insel das besondere Gefühl eines skandinavischen Inselsommers.

    Insel Ærø - Strandhäuser am Vesterstrand in der Revi-Krog in Ærøskøbing
    Strandhäuser am Vesterstrand in der Revi-Krog in Ærøskøbing

    Ærøskøbing ist bis heute die Inselhauptstadt und beherbergt Institutionen wie das Krankenhaus der Insel oder das Standesamt, in dem sich auffallend viele Deutsche das Ja-Wort geben. Es gibt eine stündliche  Fährverbindung nach Svendborg auf Fünen. Das besondere an Ærøskøbing ist, dass das Stadtbild des 18. und 19. Jahrhunderts zum größten Teil bis heute erhalten ist und der Besucher sich um 200 Jahre zurück versetzt fühlt. Allein die modernen Autos kratzen hier und da an der Illusion. Dieses historische Stadtbild hat Ærøskøbing auch den treffenden Beinamen „Märchenstadt“ eingetragen. Entsprechend dem besonderen Flair der Stadt wollen wir auch übernachten. Dafür haben wir uns im „Badehotel Ærø“ direkt am Hafen ein einfaches Zimmer gebucht; Toiletten und Dusche auf dem Gang. Besonders die Duschen erinnern an eine Freibad-Duschkabine aus den 20er Jahren. Der bröckelnde Putz und abblätternde Lack passen zum Gesamtgefühl vom Urlaubs- und Badespass längst vergangener Zeiten. Die alten, im ganzen Hotel aufgehängten Photographien mit Badeszenen früherer Epochen lassen diese Zeiten lebendig werden. Der Übernachtungspreis ist ähnlich wie im Hostel in Marstal, und entsprechend geschrumpft ist auch das Budget für das Abendessen. Direkt am Hafen gibt es eine kleine Räucherei, wo man sehr guten, frisch geräucherten Fisch für einen ebenso guten Preis bekommt. Dazu sollte man das hervorragende, auf der Insel gebraute Ærø-Øl trinken. Hier kann draussen beim Essen die Abendsonne genossen, und der nächste Tag geplant werden.

    Nach einem sehr guten Frühstück mit selbstgebackenen Rosinenbrötchen beginnen wir die zweite Etappe unserer Inselwanderung. Vor uns liegen knapp 22 Kilometer entlang der nordöstlichen Küste, weiter durch das Inselinnere im nördlichen Teil, ein Abstecher zur Westküste und schließlich das Ziel Søby. Von hier wollen wir zum Abschluss mit der Fähre gegen fünf Uhr nachmittags nach Fynshav übersetzen.

    Zunächst gehen wir direkt am Hafen entlang in Richtung Versterstrand. Ein besonderes Gebäude im Hafen ist das so genannte „Kochhaus“. Da in dänischen Häfen ab dem späten 18. Jahrhundert der Gebrauch von offenem Feuer auf Schiffen untersagt war, wurden Kochhäuser errichtet, in denen die Schiffsbesatzungen ihre Mahlzeiten  zubereiten konnten. Heute ist das Gebäude als Grillhaus für Segler eingerichtet.

    Insel Ærø - Das Kochhaus im Hafen von Ærøskøbing
    Das Kochhaus im Hafen von Ærøskøbing

    Nachdem man die Strandhäuser von Versterstrand hinter sich gelassen hat, geht es nahe der Küste Richtung Stokkeby Noor, einem weiteren, bereits 1856 trockengelegten Bodden. Nahe des Deiches, im nordöstlichen Teil des Noors, erkennt man eine Erhebung, die vormals als kleine Insel aus dem Bodden herausragte. Auf der Erhebung befinden sich die Reste einer mittelalterlichen Burganlage, der Kongens Bakker. Das Gelände ist heute weitgehend unzugänglich und am besten vom Deich aus zu sehen. Wir lassen das Stokkeby Noor hinter uns und wandern weiter in nordwestlicher Richtung entlang der Steilküste, die immer wieder den Blick über die Süd-Fyn’sche Inselwelt eröffnet. Nach weiteren drei Kilometern erreichen wir einen schönen Sand- und Kieselstrand, der sich in einem langen Bogen erstreckt. Hier liegen die Reste einer alten Schiffsbrücke, an der früher Ziegelsteine und Kohle zum Brennen der Steine verladen wurden. Am Strand finden sich noch immer vom Meer rundgeschliffene Reste der Ziegelsteine. Diese Gelegenheit sollte man unbedingt für ein weiteres Bad in der Ostsee nutzen, oder sich zumindest die Füße im Wasser kühlen.

    Dann verlässt der Øhavsstien die Küste und führt landeinwärts in den Ærø Naturpark, einem Gebiet, in dem keine moderne Bebauung stattfindet und viele Bereiche renaturiert werden. Es geht durch die hügelige Moränenlandschaft hinauf zu einem Rastplatz in einer kleinen Aufforstung, der nochmals einen weiten Blick über das Meer und zurück bis nach Ærøskøbing bietet.

    Das nächste archäologische Ziel ist Søbygaard, ein befestigter Gutshof aus dem 16. Jahrhundert, der über viele Jahre hinweg restauriert wurde und heute für Veranstaltungen und Kunstausstellungen genutzt wird. Das noch komplett erhaltene Herrenhaus stammt aus dem 18. Jahrhundert und wurde auf den Grundmauern und dem Keller des Vorgängerbaues errichtet. Unmittelbar neben dem Gut erheben sich die imposanten Überreste einer Befestigungsanlage aus dem 12. Jahrhundert, die zum Schutz gegen die Überfälle der Wenden angelegt wurde.

    Insel Ærø - Der Gutshof von Søbygaard
    Der Gutshof von Søbygaard

     

    Insel Ærø - Die Mittelalterliche Burganlage von Søbygaard
    Die Mittelalterliche Burganlage von Søbygaard

    Es handelt sich um eine Doppelbefestigung auf einem Hügel, die noch sehr gut erkennbar und begehbar ist. Die gesamte Anlage lag ursprünglich nah am Ufer eines schiffbaren Boddens, der ab dem späten 18. Jahrhundert trockengelegt wurde und heute das Vitsø Noor bildet. Im Gegensatz zu den anderen Nooren der Insel ist dieses durch große Wasserflächen geprägt und bietet vielen Vogelarten und Pflanzen ein Refugium. Ein eigener Wanderweg führt um das Vitsø Noor, der nochmal 2-3 zusätzliche Kilometer erfordert. Hier muss man allerdings auf die Zeit achten, da die Nachmittagsfähre die letzte Verbindung zum Festland für den Tag ist. Auch kann man noch einen Abstecher an die Nordküste hinter dem Noordeich machen, einen Geröllstrand der nicht unbedingt zum Baden einlädt. Aber mit etwas Glück können hier, oder später von der Fähre aus, Schweinswale beobachtet werden, die im kleinen Belt noch zahlreich vorkommen.

    Auf den letzten drei Kilometern der Wanderung überquert man noch einmal einen eiszeitlichen Moränenrücken und erreicht Søby, die jüngste der drei Städte auf Ærø. Søby ist heute als Hafen- und Fischereistadt mit der größten Werft, neben Landwirtschaft und Tourismus, der wichtigste Wirtschaftsfaktor der Insel. Wir erreichen den Hafen eine halbe Stunde vor Abfahrt der Fähre, die sich dann aber um eine weitere halbe Stunde verspätet. So bleibt genug Zeit, um noch etwas von der warmen Nachmittagssonne zu genießen, bevor es zurück nach Fynshav geht.

    Insel Ærø - Fähre im Hafen von Søby
    Fähre im Hafen von Søby

    Gegen halb neun Uhr abends sind wir wieder zurück in Hamburg – aber es kommt uns vor, als ob wir gerade von einem weit entfernten Ort in der Südsee heimgekehrt sind.

    Fotos: Isabel Venjakob

  • Wandern und Archäologie in Hamburg

    Wandern und Archäologie in Hamburg

    Eine Tour zum  archäologischen Wanderpfad und durch die Fischbeker Heide im Südwesten Hamburgs.

    Eine archäologische Wanderung in Hamburg – geht das? Zugegeben, ganz einfach ist es nicht, aber doch möglich und sogar in Verbindung mit einem für Hamburg besonderen Naturerlebnis! Ich habe in den 1990er Jahren mit Schulklassen häufig einige Stationen des Wanderpfades besucht, an denen vor allem bronzezeitliche Grabanlagen rekonstruiert wurden. Zwei der Kinder wurden immer mit bronzezeitlicher Kleidung ausgestattet und bekamen dazu entsprechenden Schmuck und Bewaffnung. Diese wurden im Original tatsächlich von Menschen im heutigen Dänemark zu ihrer Bestattung getragen und haben sich durch besondere Fundumstände bis heute erhalten. Erst kürzlich wurde in einem Artikel auf Spiegel Online über neue Forschungsergebnisse berichtet, die belegen sollen, dass eine Frau aus dem Schwarzwaldgebiet in Süddeutschland stammte und nach Dänemark gekommen war – hier aber schon bald starb.

    [mappress mapid=“2″]

     

    Ausgestattet mit vielen schönen Erinnerungen und einer einigermaßen akkuraten Karte fahren wir mit dem Auto bis an den Parkplatz an der Wendeschleife der Buslinie 240 am Falkenbergsweg. Wer also nicht mit dem Auto kommt, kann mit der S-Bahn bis nach Hamburg Neugraben fahren und dann weiter mit dem Bus bis zur Station Waldfrieden an der Wendeschleife. Von hier folgen wir der Beschilderung zum archäologischen Wanderpfad  bergauf, entlang einer Wiese in den Wald. Nach etwas mehr als einem Kilometer erreichen wir schon die Gruppe rekonstruierter Grabhügel aus der Bronzezeit, die ein lebendiges Bild vermitteln, wie Menschen damals bestattet, und somit der Toten gedacht wurde. Besonders die Rekonstruktion des Grabhügels von Lüllau zeigt mit welchem Aufwand die Grabanlagen zum Teil errichtet, und der oder die Tote in einem wuchtigen Baumsarg bestattet wurde.

    Hamburg - Archäologischer Wanderpfad: Rekonstruktion des bronzezeitlichen Baumsarges
    Archäologischer Wanderpfad: Rekonstruktion des bronzezeitlichen Baumsarges

    Wir haben Glück mit dem Wetter. Es ist erst Mitte März, aber nicht kalt und wunderbar sonnig. So sind auch die Lichtverhältnisse im Wald sehr gut zum fotografieren. Wir verlassen die Grabhügelgruppe und folgen dem Wanderpfad noch über ca. ein- bis zwei Kilometer entlang verschiedener Stationen, wo teilweise noch Reste von   originalen Grabhügeln zu sehen sind. An anderen Stellen sind die Überreste heute zerstört. Dies gilt vor allem für die jungsteinzeitlichen Großsteingräber, die häufig noch sehr imposant zeigen, wie schon zu dieser Zeit aufwendig bestattet wurde. Die an jeder Station angebrachten Infotafeln erklären aber kurz und knackig die archäologischen Hintergründe. Allerdings wäre eine Renovierung von vielen der Tafeln sehr nötig. Zuletzt wurde der Wanderpfad, der vom Archäologischen Museum Hamburg betreut wird, 2002 komplett renoviert.

    Am vermeintlichen Ende des archäologischen Wanderpfades wollen wir auf einen Weg abbiegen, der uns direkt in die Fischbeker Heide führen soll. Ähnlich wie die Lüneburger Heide, ist auch die Fischbeker Heide keine natürlich entstandene Landschaft, sondern wurde durch Aktivitäten des Menschen geprägt. Sie ist mit 773 ha Fläche eines der größten Naturschutzgebiete der Hansestadt. Allerdings verpassen wir den richtigen Weg und gehen zunächst weiter nach Südwesten, bis wir die kleine Ortschaft mit dem schönen Namen „Tempelberg“ erreichen. Wir ahnen, dass wir auf dem falschen Weg sind, gehen aber erst einmal weiter und hoffen auf Wegweiser, die aber ausbleiben.

    Hamburg - Waldweg von Tempelberg Richtung Fischbeker Heide
    Waldweg von Tempelberg Richtung Fischbeker Heide

    Wir lassen also Tempelberg erst einmal hinter uns und treffen auf der Straße einen anderen Wanderer, den wir nach dem Weg fragen. Allerdings ist auch er auf der Suche nach der Fischbeker Heide und hat sich genauso verlaufen wie wir. Trotzdem versuchen wir es in unterschiedlichen Richtungen. Er geht nach Tempelberg und weiter zurück Richtung Wanderpfad, wir dagegen nehmen den nächsten Waldweg in nördlicher Richtung und hoffen, dass wir irgendwann in der Heide landen. Dieser Weg führt uns ca. zwei Kilometer durch einen wunderschönen, sonnendurchfluteten Mischwald im Vorfrühling und später tatsächlich an das südwestliche Ende der Fischbeker Heide im Fischbektal. Hier breitet sich als Kontrast zum Wald eine weite, typische Heidelandschaft vor uns aus. Und siehe da – der Wanderer von Tempelberg kommt just in diesem Moment über einen anderen Weg direkt auf uns zu.

    Hamburg - Fischbeker Heide im März 2015
    Fischbeker Heide

    Gemeinsam wandern wir auf einer Strecke von etwa zwei Kilometern bis ans andere Ende der Heidelandschaft. Hier trennen sich unserer Wege wieder und wir nehmen den Weg zurück in Angriff. Jetzt aber am Rand der Heide entlang, über eine langgezogene Hügelkette, wieder in den Wald hinein und vorbei am Informationszentrum in einem alten Schafstall und an der Freiluftschule Neuengraben in Richtung Parkplatz. Alles in Allem haben wir eine Wanderung von ungefähr zehn Kilometern hinter uns. Also perfekt, um sich einen halben Tag oder etwas länger mit Archäologie und Heidelandschaft zu beschäftigen und einen ganz besonderen Ort in der Großstadt zu genießen.

    Fotos: Isabel Venjakob

  • Vier keltische Ringwälle und ein römischer Grabhügel in zwei Tagen

    Vier keltische Ringwälle und ein römischer Grabhügel in zwei Tagen

    1995 bin ich mit meinem Vater und meinem Bruder zwei Tage durch den Hunsrück gewandert, von Otzenhausen über einen Höhenzug bis nach Kempfeld. Die Idee war, an diesen zwei Tagen insgesamt vier keltische Befestigungsanlagen, sogenannte Ringwälle, und einen rekonstruierten, römischen Grabhügel zu besuchen. Diese kleine Wandertour ist mir als eine wunderbare Kombination aus Naturerlebnis und archäologischen Denkmälern in Erinnerung geblieben, ganz abgesehen davon, dass es ein sehr schönes und, wie so oft, zu seltenes, intensives Verbringen gemeinsamer Zeit war.

    Im Mai 2015, gute zwanzig Jahre später, haben meine Frau und ich beschlossen, diese Wanderung zu wiederholen und zwei Tage lang den Hunsrück zu genießen. Die spannende archäologische Geschichte zu den Ringwällen und deren Erforschung habe ich in einem Gespräch mit meinem Vater im HR005 Podcast festgehalten – so kann sich jeder, der sich für keltische Kultur, Wallanlagen und Oppida interessiert, oder diese Route ebenfalls wandern möchte, mit umfangreichem Hintergrundwissen aus erster Hand versorgen.

    [mappress mapid=“1″]

     

    Wie 1995 beginnen wir unsere Tour am Parkplatz des Hunnenrings von Otzenhausen, der im äußersten Nordosten des Saarlandes liegt. Von dort geht es über einen Höhenweg weiter Richtung Vorkastell bei Börfink. Der Höhenweg folgt einem alten Grenzweg und ist heute Teil der sehr schönen Saar-Hunsrück-Stieg Wanderroute. Vom Vorkastell geht es weiter nach Allenbach, wo wir im Hotel Steuer übernachten. Am zweiten Tag steigen wir auf zur dritten Burganlage auf dem Ringskopf nahe Allenbach und von dort hinunter Richtung Siesbach, wo wir einen rekonstruierten, römischen Grabhügel besuchen. Die letze Etappe führt dann über Kirschweiler und das tief eingeschnittene Tal des Idarbaches, durch eindrucksvolle Geröllfelder – im Volksmund „Steinrauschen“ genannt – hinauf zur Wildenburg bei Kempfeld, dem Ziel unserer Wanderung. Wenn man sich einen dritten Tag Zeit nimmt, kann man noch eine weitere keltische Befestigungsanlage einbeziehen, die Altburg bei Bundenbach.

    Hunsrück - Abschnittswall Hunnenring bei Otzenhausen
    Abschnittswall Hunnenring bei Otzenhausen

    Die Befestigungsanlagen liegen allesamt auf einem Höhenzug, der dem höheren und größeren Bergrücken des Hunsrücks, bestehend aus dem Hochwald und dem Idarwald, südöstlich vorgelagert ist. Auf diesem Höhenzug finden sich also nicht die höchsten Erhebungen mit dem Erbeskopf (816 m) und Idarkopf (745 m), aber er ist weit aus mehr zergliedert und weist immer wieder exponierte Kuppen und Gipfel auf. Diese eignen sich wegen meist mehrerer steil abfallender Hänge hervorragend für die Anlage einer Befestigung. Somit gestaltet sich die Wanderung auch in vielen Abschnitten sehr abwechslungsreich und lediglich zwischen dem Vorkastell und dem Ringskopf bei Allenbach galt es einige monotonere Abschnitte auf schnurgeraden Forstwegen zu überwinden.

    Der Hunnenring von Otzenhausen ist bestimmt die beeindruckenste Anlage, vor allem der noch heute über zehn Meter hohe Abschnittswall lässt die Größe der Befestigung erahnen. Am Fuße des Berges wird derzeit ein Freilichtmuseum aufgebaut, das einen guten und lebendigen Eindruck vermitteln soll, wie eine keltische Siedlung der späten Eisenzeit ausgesehen und funktioniert hat. Die ca. 17ha große Innenfläche wurde nach Süden, Westen und Osten durch ein doppeltes Mauersystem gesichert, nach Norden durch den noch heute mehr als 10m hohen Abschnittswall. Auf dem Hunnenring konnte eine spätkeltische Bebauung aus dem 2. und 1. Jahrhundert v. Chr. nachgewiesen werden. Aufgegeben wurde die Anlage um 50 v. Chr., etwa  zeitgleich mit dem Auftauchen eines römischen Militärlagers, das einige Kilometer entfernt mit einer Sichtverbindung errichtet wurde. Der Hunnenring kann wahrscheinlich als ein relativ kleines, sogenanntes Oppidum interpretiert werden. Oppida waren soziale, wirtschaftliche, religiöse und militärische Zentren in einer keltischen Stammesregion.

    Vom Hunnenring geht es über einen Höhenweg weiter über den Dollberg, den mit über 694m höchsten Berg des Saarlandes, in Richtung Vorkastell bei Börfink. Wir folgen hier einem alten Grenzweg, der heute ein Teil des Saar-Hunsrück-Stieg Wanderweges ist. Diesen verlassen wir bei Muhl, um von dort weiter nach Börfink zu kommen. Hier steigen wir in einem weiten Bogen hinauf zum Vorkastell auf dem über 620m hohen Buhlenberg. Diese Befestigungsanlage ist wilder und weniger erschlossen als der Hunnenring. Die Anlage wurde bis heute nicht systematisch archäologisch untersucht, konnte aber anhand von Einzel- und Streufunden in die Eisenzeit datiert werden. Von einem unbewaldeten Steilhang, an dem ein großes Geröllfeld aus der abgerutschten Befestigungsmauer entstanden ist, hat man einen großartigen Ausblick über das Trauntal.

    Hunsrück - Blick vom Vorkastell über das Trauntal
    Blick vom Vorkastell über das Trauntal

    Wir lassen das Vorkastell hinter uns und machen uns auf in Richtung Allenbach, dem Ziel des ersten Tages. Die Route führt hier weiter über den Höhenzug entlang langer, gerader Forstwege. Um etwas Abwechslung in die Strecke zu bringen, beschließen wir zunächst in das Tal zwischen den beiden Hunsrück-Höhenzügen abzubiegen. Das ist auch erst einmal die richtige Entscheidung, allerdings folgt dann ein über mehrere Kilometer schnurgerades Stück entlang einer kleinen Straße, die bis nach Hüttgeswasen ständig bergauf geht. Man sollte besser dem Höhenweg folgen, um dann später nach Norden abzubiegen, Richtung Allenbach.

    Nach insgesamt über 27 Kilometern erreichen wir am frühen Abend das Hotel Steuer in Allenbach, wo uns ein gutes Abendessen und ein gutes Bett erwarten. Am nächsten Morgen lassen wir Allenbach hinter uns und steigen auf zum Ringskopf, der dritten keltischen Befestigungsanlage auf unserer Route. Der Ringskopf wurde bereits Mitte der 1930er Jahre intensiv ausgegraben und wird in das 5/4 Jh. v. Chr. datiert. Noch heute gut sichtbar sind neben den typischen Steinwällen die Reste der Kammertoranlage, die bei den Ausgrabungen 1935/36 freigelegt wurde.

    Hunsrück: Zeichnung der Toranlage des Ringskopf bei Allenbach nach W. Dehn, H. Eiden, W. Kimmig 1937
    Toranlage des Ringskopf bei Allenbach nach W. Dehn, H. Eiden, W. Kimmig 1937

    Wie auch das Vorkastell ist der Ringskopf eine beeindruckende Mischung aus Natur- und Kulturdenkmal mit steinernen Überresten der keltischen Kultur im Hunsrück und wildem, sich weitestgehend selbst überlassenem Wald. Vom sogenannten Felsenturm, der in die Befestigung integriert war, hat man einen wunderbaren Ausblick über Allenbach hinweg auf den nördlichen Höhenzug des Hunsrück mit Hoch- und Idarwald.

    Hunsrück - Der Felsenturm auf dem Ringskopf bei Allenbach
    Der Felsenturm auf dem Ringskopf bei Allenbach

    Von hier geht es wieder hinunter in Richtung Siesbach, wo wir uns den rekonstruierten römischen Grabhügel „Kipp“ aus dem 2. Jh. n. Chr. anschauen möchten, der uns eindrucksvoll vor Augen führt, wie die keltische Bevölkerung der Treverer im Hunsrück römische Sitten, Gebräuche und Kultur adaptierte. Diesen Prozess bezeichnet man auch als Romanisierung der keltischen Bevölkerung.

    Hunsrück - Römischer Grabhügel "Kipp" bei Siesbach
    Römischer Grabhügel „Kipp“ bei Siesbach

    Weiter geht es über eine alte Straße entlang an Misch- und Nadelwald, Feldern und einem Golfplatz nach Kirschweiler. Hier kommen wir wieder auf den Saar-Hunsrück-Stieg, der uns hinunter in das tief eingeschnittene Tal des Idarbaches führt und dann in Serpentinen durch große Geröllfelder, so genannte Steinrauschen, hinauf zur Wildenburg bei Kempfeld. Die Wildenburg ist wie das Vorkastell und der Ringskopf wahrscheinlich vor allem als Fluchtburg zum Schutz vor Feinden genutzt worden, und konnte durch archäologische Ausgrabungen in die Eisenzeit datiert werden. Befunde aus spätrömischer Zeit zeigen, dass während der Zeit der Germaneneinfälle die Anlage für Schutzsuchende wieder reaktiviert wurde. Im Mittelalter wurde hier eine kleine Burg errichtet, deren Name auf die Erbauer, die Wildgrafen von Kyrburg, zurückgeht. Hier wurde in jüngerer Zeit ein mittelalterlich anmutender Aussichtsturm errichtet, von dem aus man nahezu den gesamten Hunsrück überblicken kann. Innerhalb der Anlage konnten keltische Siedlungsreste aus dem 3. und 1. Jh. v. Chr. nachgewiesen werden.

    Hunsrück - Rekonstruierter "Murus Gallicus" auf der Wildenburg
    Rekonstruierter „Murus Gallicus“ auf der Wildenburg

    Zum Schluß besichtigen wir noch die rekonstruierten Befestigungsmauern, eine so genannte Pfostenschlitzmauer und ein Murus Gallicus, wie er von Julius Caesar beschrieben wurde. Diese Rekonstruktionen vermitteln am Ende der Wanderung noch einmal sehr plastisch, wie keltische Befestigungsmauern ursprünglich ausgesehen und funktioniert haben.
    In der Gaststätte in der unteren Burg kann man die Wanderung dann bei einem Bier und einem Abendessen in Ruhe ausklingen lassen, oder die mögliche, dritte Etappe zur Altburg planen.

    Fotos: Isabel Venjakob

  • Eine Tour durch den Harburger Binnenhafen

    Eine Tour durch den Harburger Binnenhafen

    Nachdem wir vor einer Woche unsere Fundpunkte App einem eingehenden „Feldtest“ unterzogen haben, war heute die Binnenhafen App dran, und zwar die Android-Version. Um es gleich vorweg zu nehmen, das Konzept hat gut funktioniert – und technisch gab es auch keinerlei Aussetzer.

    Aber die positive Überraschung des Tages war nicht die App sondern der Harburger Binnenhafen. Bekanntermaßen zieht es ja nicht gerade viele Hamburger, die nördlich der Elbe leben, nach Harburg, ganz einfach weil Harburg der Ruf vorauseilt das dort nichts weiter los ist und es auch nix spannendes zu sehen und zu erleben gibt… ausserdem ist der Weg dorthin relativ lang und umständlich. Das mögen schnöde Vorurteile sein, Ignoranz oder vielleicht sogar ein Stück weit die Wahrheit… aber das Gebiet um den Hamburger Binnenhafen ist ganz sicher einen Besuch Wert – und langweilig ist es auf keinen Fall!

    Der Harburger Binnenhafen ist eines der Hafenareale Hamburgs, die durch den zunehmenden Rückgang hafengebundener Industriebetriebe einen tiefgreifenden, geplanten Strukturwandel durchleben. Bekanntestes Beispiel ist natürlich die Hafencity. Aber im Gegensatz zur Hafencity wurde nicht das gesamte Areal in relativ kurzer Zeit nahezu komplett abgerissen und neu bebaut. Im Harburger Binnenhafen vollzieht sich der Wandel vom Hafen- und Industriestandort hin zu einem Wohn- und Geschäftsviertel bereits seit den neunziger Jahren, und ist noch lange nicht abgeschlossen. Und genau das macht den Binnenhafen momentan zu einem Stadtviertel, wie man es sonst wohl nirgends in Hamburg findet. Die Kontraste könnten größer nicht sein. Moderne Gebäude und sanierter Altbestand wechseln sich mit großen Brachflächen, leerstehenden und verfallenen Gebäuden ab.

    Binnenhafen Harburg: App im Praxistest   
    Binnenhafen Harburg: Hilke Spirituosen LikörfabrikSpirituosen und Likörfabrik Hilke – steht seit den 80er Jahren leer.

    Dazwischen findet man noch aktive Industrie- und Hafenbetriebe. Insgesamt ein mit viel Geschichte geladener Spannungsbogen zwischen einer zu Ende gehenden Epoche und der Zukunft – und zwischendrin immer wieder historische Orte und Gebäude, deren Geschichte zum Teil bis zu den Anfängen Harburgs zurückreicht. Alles hier wird durch die Kanäle und Hafenbecken – also Wasser –  zusammengehalten. Auf dem Wasser sieht es ebenfalls ganz anders aus als in der Hafencity. Auch hier liegen die Kontraste nah beieinander. Man sieht liebevoll restaurierte, historische Segler neben Sportbooten und alten Nußschalen, denen eine Generalüberholung oder Restaurierung noch bevorstehen. Aber auch „Arbeitsschiffe“, wie zum Beispiel Saugbagger oder Lastkähne, findet man noch in Betrieb.

    Binnenhafen Harburg - Baggerschiff   Binnenhafen Harburg: Schaufeln für Baggerschiffe
    Baggerschiff und große Baggerschaufeln

    Das Zentrum des Binnenhafens bildet die Schlossinsel, auf der noch ein Teil des alten Harburger Schlosses als Mietshaus steht, aber auch neue und sicher teure Wohnanlagen entstehen hier. Fast alles im Harburger Binnenhafen scheint noch unfertig und im Wandel.

    Binnenhafen Harburg: Binnenschiffe   Binnenhafen Harburg: Hafen-Trinkhalle
    Museums(reife) Schiffe und die Trinkhalle

    In dieser Gemengelage soll die Binnenhafen-App dem interessierten Besucher nun etwas Orientierung und Hintergrundinformation geben. Die App zeigt insgesamt 31, für die Geschichte des Harburger Binnenhafen wichtige Orte, die alle in der heutigen Topografie noch sichtbar oder erkennbar sind. Historische Gebäude, Kanäle und Hafenbecken, Brücken und Plätze. Um dem Benutzer die Erkundung des Viertels zu erleichtern, haben wir die interessantesten Orte in zwei Touren kombiniert – einer roten und einer blauen Tour. Ich habe mich heute für die blaue Tour entschieden, nicht zuletzt weil sie mich auch zum Harburger Schloss führt, das ich bis dato noch nicht gesehen habe. Ich starte die Tour am „Silo“ am Schellerdamm 16.

    Binnenhafen Harburg: App im Praxistest   Binnenhafen Harburg: Umgebautes Silo
    Das ehemalige Getreidesilo der Firma Andreas Hansen

    Das alte Getreidesilo wurde in ein 14-stöckiges Bürogebäude umgewandelt und ist neben dem Channel Tower und dem Kaispeicher eines der hohen Gebäude, die die Skyline des Binnenhafens dominieren. Die Tour führt dann weiter über den Kanalplatz an 16 Stationen entlang durch den westlichen Teil des Binnenhafens zur Schlossinsel bis zum „Wohnquartier „Marina auf der Schlossinsel“. Insgesamt bin ich über eine Stunde unterwegs.

    Binnenhafen Harburg: Harburger Schloß   Binnenhafen Harburg: Harburger Schloss
    Erhaltener Flügel des alten harburger Schlosses

    Was mir gefehlt hat ist ein einleitender Artikel, der die Geschichte des Binnenhafens kurz zusammenfasst – gewissermaßen als Startschuss für die Tour. Aber die Beschreibungen und historischen Bilder lassen den Benutzer tief in die Geschichte und Entwicklung dieses absolut spannenden Viertels schauen. Trotzdem – es gibt noch Verbesserungen für die Version 1.1!

    Ein Besuch des Harburger Binnenhafens lohnt sich also allemal – mit oder ohne App. Und für alle die den Besuch lieber mit App machen wollen: Die Binnenhafen App wird noch im Februar kostenlos im Apple App Store und bei Google Play zum Download bereitstehen – es dauert also nicht mehr lange!  Wir haben diese App gemeinsam mit dem Archäologischen Museum Hamburg – Stadtmuseum Harburg für das Bezirksamt Harburg entwickelt.

     

     

  • Streetart in Hamburg mit  der Fundpunkte App – Finaler „Reality Check“

    Streetart in Hamburg mit der Fundpunkte App – Finaler „Reality Check“

    Unsere App „Fundpunkte“ hat es jetzt endlich in den Apple-Approval Prozess geschafft – es gab da in der Tat einige Verzögerungen. Aber jetzt sind die Inhalte komplett, alle Fehler und Unklarheiten beseitigt und den ein oder anderen Fundpunkt in Hamburg habe ich auch schon vorab besucht.

    Jetzt war es aber an der Zeit vor dem ersten Fundpunkte Release einen umfangreicheren Test zu machen, ob die App auch hält was sie verspricht, nämlich dem Benutzer besondere Orte in Hamburg zu zeigen. Orte, die abseits der üblichen Touristenrouten liegen – Orte, die viel über die Stadt erzählen.
    Wir haben uns also zu zweit am Sonntag Mittag aufgemacht, um mehr über Hamburgs Streetart zu erfahren – mit dem Ziel Schanzenviertel und St. Pauli. Nicht wirklich überraschend, das sich hier die Streetart Punkte häufen.

    Wir starten beim alten Schlachthof und wollen zuerst ein sogenanntes „Paste-Up“ des Berliners Streetart Künstlers El Bocho finden, von dem es in Hamburg einige seiner „Großstadtmädchen“ und „Little Lucys“ geben soll. Nebenbei bemerkt, weder ich noch meine Frau würden uns als Streetart-Kenner bezeichnen – eher als absolute Laien, was die Sache aber umso spannender macht.

    Schon in der Susannenstraße begegnet uns El Bocho an unterschiedlichen Ecken, und in der Rosenhofstraße finden wir dann auch das tolle Pasteup eines seiner Großstadtmädchen. Es funktioniert tatsächlich sehr gut. Das was wir in so kurzer Zeit gelernt haben, hat schnell den Blick sensibilisiert und wir finden noch mehr Little Lucys.

    Sternfahrt Hamburg - "Großstadtmädchen" von El-Bocho    
    Sternfahrt Hamburg - "Großstadtmädchen" von El-Bocho„Großstadtmädchen“ von El-Bocho

    Wir ziehen weiter zum Schulterblatt, wo uns die App eine „Styrodur-Rakete“ von der Zipper Crew verspricht. Wir finden sie direkt neben der Roten Flora. Jetzt weiter in die Lippmannstraße wo uns in einem Hinterhof ein riesiges Mural von Innerfields erwartet, das real weitaus beeindruckender ist als auf dem Foto in der App. Dank der sehr guten Beschreibungen und Bilder von Sebastian Hartmann, der uns freundlicherweise den Streetart-Content zur Verfügung gestellt hat, ist man schnell mit den Begriffen vertraut und versteht sofort was hier überall an den Häuserwänden zu finden ist.

    Sternfahrt Hamburg - "Styrodur-Raketen" von der Zipper Crew   
    Sternfahrt Hamburg - "Styrodur-Raketen" von der Zipper Crew„Styrodur-Raketen“ von der Zipper Crew

    Von hier aus geht es jetzt weiter in Richtung Wohlwillstraße und auf dem Weg finden wir eine weitere Zipper-Rakete an der Ecke Thadenstraße, die nicht in der App verzeichnet ist. Es ist ein großer Spass, wenn sich hinter jeder Straßenecke etwas neues zu verstecken scheint – eine echte Entdeckungstour.

    Die nächste Station ist ein weiteres Mural in der Otzenstraße von Björn Holzweg in Kooperation mit Viva con Agua. Hier reicht der Handy-Akku gerade noch für ein Foto einer speziellen „Zufallsinstallation“ mit Müllsäcken und dann ist der Bildschirm schwarz – das handy mausetot. Manchmal hat Papier doch noch ein paar Vorteile.

    Sternfahrt Hamburg - Mural in der Otzenstraße / Björn Holzweg        Sternfahrt Hamburg - "Zufallsinstallation" Porzellanengel liegt auf Müllsäcken
    Mural in der Otzenstraße / Björn Holzweg & „Zufallsinstallation“

    In der Summe hat die App aber den ersten Einsatz unter realen Bedingungen gut bestanden. Jetzt hoffen wir das wir sie bald zum Download bereitstehen haben und sind gespannt auf Feedback!