Es geht wieder um Digitales und – ja – wir haben uns Zeit für das Thema genommen. Zusammen mit Tine Nowak widmen wir uns ausgiebig der digitalen Wissensvermittlung in Museen. Was ist digitale Wissensvermittlung? Wer ist der digitale Besucher? Brauchen Museen heute noch einen Showroom? Sind Podcasting und Gamification relevante Themen für Museen? All diese Fragen und noch einiges mehr werden diskutiert.
Auch Audio ist ein Kanal der digitalen Wissensvermittlung – ob als Audioguide oder Podcast
Da Tine nicht nur eine Expertin für die Medienpädagogik ist, sondern auch viel Erfahrung in Sachen Museumspädagogik- und Kommunikation und auch als Podcasterin mitbringt, ergeben sich viele tiefe Einblicke in aktuelle Fragen der digitalen Wissensvermittlung in und durch Museen.
Wenn ihr Anmerkungen oder Fragen zur Sendung habt, dann postet am besten gleich hier euren Kommentar oder über Twitter unter @kulturhafenHH.
Tine Nowak
Tine Nowak M.A., Studium der Kunstpädagogik, Kunstgeschichte, Kulturanthropologie. Nach einem Volontariat war sie als Medienreferentin am Museum für Kommunikation Frankfurt tätig, danach als Kuratorin der Ausstellung „DIY: Die Mitmach-Revolution“ . Sie ist Lehrbeauftragte am Arbeitsbereich Medienpädagogik der TU Darmstadt und promoviert zu eigenproduzierten Mobilvideos von Jugendlichen. Im Kulturkapital-Podcast ergründet Tine Nowak mit Gästen Bildungsmöglichkeiten rund um Medien, Wissenschaft und Kultur, hierzu gab es u.a. Gespräche mit Kuratorinnen zu Ausstellungsprojekten, zur Digitalisierung von Kulturgut im Rahmen von Coding da Vinci oder einen Museumsrundgang durch das Heinz Nixdorf Museumsforum.
In der dreizehnten Folge hafenradio haben wir (1 1/2 Hamburger Jungs) uns virtuell mit einem Harburger Jung getroffen und über allerhand digitales in der Archäologie gesprochen. Digitale Grabungstechnik- und Dokumentation, riesige Datenmengen und der Wert der Daten oder wie sieht digitale Archäologie 2026 aus?
Kai ist virtuell dabei
Es geht also um einiges in diesem Podcast mit unserem Gast Kai-Christian Bruhn, Professor im Fachbereich Technik – Geoinformatik & Vermessung an der Hochschule Mainz, und Experte in Sachen digitale Methoden und Technologien in der Archäologie.
Eine interessante Erkenntnis des Abends ist, dass wir alle drei der Meinung sind, mitgeholfen zu haben digitale Grundlagen zu legen und jetzt muß die nächste Generation von Archäologen und Informatikern was aus den ganzen Daten machen!
Kai-Christian Bruhn
Geboren in Hamburg-Harburg, an der Süderelbe aufgewachsen und im Helms-Museum archäologisch konditioniert, studierte er Klassische und andere Archäologien vor allem in Heidelberg und konnte sich dabei viel über Vermessung, CAD, GIS, Datenbanken und das www beibringen. Noch während der Promotion übertrug ihm das Schweizerische Institut für Ägyptische Bauforschung und Altertumskunde die örtliche Grabungsleitung in Syene/Assuan in Oberägypten. Fertig promoviert und nach dem Ende seiner Grabungen machte er sich selbstständig und unterstützte verschiedene internationale Institutionen im Bereich der digitalen Dokumentation. 2008 wurde er als Professor für „Interdisziplinäre Anwendungen raumbezogener Mess- und Informationstechnik“ an die Hochschule Mainz berufen. Seit 2016 ist er außerdem Honorarprofessor für Archäologie an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz und Gründungsdirektor von mainzed, dem Mainzer Zentrum für Digitalität in den Geistes- und Kulturwissenschaften. Damit digital arbeitende Archäologen wie er nicht Zufallsprodukte bleiben, engagierte er sich für die Einrichtung eines neuen Master-Studiengangs „Digitale Methodik in den Geistes- und Kulturwissenschaften“, der im Wintersemester 2016/17 startet.
An der heutigen sogenannten „Hunsrückhöhenstraße„, nahe der Ortschaft Wederath, liegt der Archäologiepark Belgium. Seit mehr als sechzig Jahren wird hier ein archäologisches Ensemble aus Gräberfeld und zugehöriger Siedlung ausgegraben und erforscht.
Museum des Archäologieparks Belginum
Schon in keltischer Zeit lag diese Region verkehrsgeografisch günstig an der Route zwischen Mainz und Trier. Diese Trasse hat in römischer Zeit weiter an Bedeutung gewonnen und spiegelt in den archäologischen Hinterlassenschaften von Belginum den Kulturwandel wieder, der heute als Romanisierung der indigenen keltischen Bevölkerung bezeichnet wird. Seit 2002 wird den Besuchern des Archäologieparks die über tausendjährige Geschichte dieses Ortes in einer Ausstellung und Rekonstruktionen im Freigelände vermittelt.
Christoph vom hafenradio besucht hier Rosemarie Cordie und Alfred Haffner, die ein Großteil ihrer archäologischen Arbeit mit diesem Ort verbindet.
Rosemarie Cordie und Alfred Haffner im April 2016 im Museum des Archäologieparks
Rosemarie hat Vor- und Frühgeschichte studiert. Sie ist die Leiterin des Archäologieparks Belginum bei Morbach im Hunsrück und als wissenschaftliche Mitarbeiterin im Fach Klassische Archäologie der Universität Trier tätig. Ihre Forschungsschwerpunkte sind Eisenzeit, Siedlungs- und Gräberarchäologie, Archäologie Belginums und seines Umlands, Romanisierung sowie die Vermittlung und Präsentation archäologischer Inhalte.
Nachdem wir im November mit Mikrofon und Kamera durch die Hafencity gewandert sind, haben wir jetzt die Suche nach Tönen und Bildern in St. Pauli fortgesetzt. Gestartet sind wir mit etwas Musik an der U-Bahn Station Landungsbrücken, an den Anlegern der Hafenrundfahrten vorbei zur Hafenstraße. Von da weiter durch „Park Fiction“ und an der St. Pauli Kirche vorbei bis zum Hein-Kölnisch Platz. An vier Stationen sind wir fündig geworden.
Das Hafenradio trifft im Archäologischen Museum Hamburg den ehemaligen Direktor des Hauses Dr. Ralf Busch. Das „Gold der Skythen“ – für Christoph und Michael ist es eine Reise in ihre studentische Vergangenheit, für unsere Zuhörer wird es ein besonders interessanter Ausflug in die eurasische Vergangenheit und wie es dazu kam, dass ein kleines Museum es schaffte, eine der ganz großen archäologischen Ausstellungen in Deutschland zu realisieren. Um das zu erreichen war es nötig, die Politik bis hin zum damaligen Bundeskanzler Helmut Kohl zu aktivieren.
Das Gold der Skythen
Dann geht die Reise weiter zurück in das Studentenleben der Nachwuchsarchäologen in den 1960er Jahren in Göttingen, Hamburg und Wien. Der Spannungsboden reicht vom so genannten „Schleswiger Kreis“ über das Römisch-Germanische-Zentralmuseum bis hin zur Zeitschrift „Mannus“. Die hoch politischen Themen jener Zeit, die bestimmt auch heute wieder sehr aktuell sind, können wir aber nur relativ kurz anreißen – somit bleibt das Thema einer immer wieder durch unterschiedliche Ideologien beeinflussten Archäologie mit einem großen Ausrufezeichen auf unserer Themenliste.
Dr. Ralf Busch 2016 im Archäologischen Museum Hamburg
Prof. Dr. Ralf Busch wurde 1942 in Berlin geboren, 1945 kam er im Zuge der Kriegsereignisse nach Celle. Er studierte von 1965 bis 1974 an der Georg-August-Universität Göttingen die Fächer Ur- und Frühgeschichte, Kunstgeschichte und Deutsche Volkskunde und Anthropologie, während dieser Zeit verbrachte er zwei Semester an der Universität Wien. 1967 wurde er ehrenamtlicher Archivar und Ortheimatpfleger in Bovenden, 1970 freier Mitarbeiter des Städtischen Museum Göttingen, wo er die Schausammlung der Ur- und Frühgeschichte Sammlung neu aufbaute. Im Juli 1971 wurde Busch zum Bodendenkmalpfleger des Landkreises Göttingen ernannt. Im Dezember 1973 erfolgte seine Promotion, ab Januar 1974 war er als Kustos, dann Oberkustos der Abteilung Archäologie am Braunschweiger Landesmuseum tätig. 1987 wurde Prof. Busch Direktor des Hamburger Museums für Archäologie – Helms-Museums, welches er bis 2001 geleitet hat. Anschließend übernahm Herr Busch eine leitende Funktion in der Senatskanzlei der Freien und Hansestadt Hamburg. Seit dem Eintritt in den Ruhestand betreut Herr Prof. Busch im Bomann-Museum Celle die Gemäldesammlung sowie zeichnet verantwortlich für verschiedene Ausstellungsprojekte.
Das Hafenradio ist wieder einmal zu Besuch im Archäologischen Museum Hamburg. Ausgegraben auf der Harburger Schlossinsel im Süden der Hansestadt. Wir besuchen die zweite Social Media Veranstaltung im Museum. Mehr als 50 Twitterati und Blogger sind gekommen, um mit Bier und Brezeln von Kay-Peter Suchowa durch die Ausstellung „Ausgegraben. Harburg archäologisch“ geführt zu werden und das gesehene und gehörte direkt raus zu twittern. Wie schon in HR004 versteht Kay es spannend zu vermitteln was Archäologie ausmacht.
Start der Führung durch die Ausstellung
Die Führung lohnt sich obwohl – oder gerade weil – die Bilder nur im Kopf entstehen. In den hintersten Ecken der Ausstellung schwächest zwar die Funkübertragung von Kays Mikrofon, aber das Resultat lässt sich dennoch sehr gut hören. Das hervorragende Bier wurde von der Harburger Kreativbrauerei Kehrwieder bereitgestellt.
Was vom Bier übrig bleibt.
Kay-Peter Suchowa hat in den neunziger Jahren in Hamburg Ur-und Frühgeschichte und Ethnologie studiert. Nach verschiedenen archäologischen Stationen in Lübeck, Hameln und Hitzacker ist er nun wieder in seiner Heimatstadt Hamburg als Leiter verschiedener stadtarchäologischen Ausgrabungen tätig.
Das Hafenradio ist jetzt ein Jahr mit diversen Podcast- und Blog-Beiträgen online. Das haben wir zum Anlass genommen, einen weiteren Podcast mit Alfred Haffner aufzunehmen nachdem wir gemeinsam Ende Dezember 2014 die erste Folge produziert haben.
Diesmal haben wir eine kleine Exkursion an einen ganz besonderen Ort an der Saar unternommen: Kastel – Staadt. Der Ort liegt auf einem Felsplateau hoch über dem Fluß und hat eine gleichermaßen spannende und besondere Geschichte vorzuweisen. Bereits in keltischer Zeit befand sich eine Befestigungsanlage auf dem durch seine landschaftlichen Besonderheiten perfekt geeignetem Berg. Die Besiedlung des Plateaus setzt sich kontinuierlich durch die Römer- und Merowingerzeit, das Mittelalter hindurch bis in die Neuzeit kontinuierlich fort.
Teilrekonstruiertes Römisches Theater
In der jüngeren Geschichte hat die Klause bei Kastel am felsigen Steilhang zur Saar hin die letzte Ruhestätte des „Blinden Königs“ Johann von Böhmen beherbergt, der nach dem zweiten Weltkrieg nach Luxemburg überführt wurde.
Klause bei Kastel-Staat
Auch wurde hier ein Soldatenfriedhof angelegt auf dem deutsche Soldaten beerdigt wurden, die in den letzten Monaten des Krieges gefallen sind, darunter viele sehr junge Männer und Jugendliche die hier unnötig ihr Leben lassen mussten.
Auch die alte Kirche St. Johannis von Kastel liegt auf dem Felssporn; im Ort selbst wurde nach dem zweiten Weltkrieg eine moderne Kirche errichtet. Ein weiteres besonderes Gebäude im Ort selbst ist die Schule, die nach Plänen des berühmten preußischen Baumeisters Karl Friedrich Schinkel 1840 erbaut wurde. Wie es dazu kam kann man in der nunmehr neunten Folge des Hafenradios erfahren!
Schulgebäude in KastelAlfred Haffner im Dezember 2015
Sonntag, 08. November 2015 in der Hafencity Hamburg. Wir haben uns heute in die Hafencity aufgemacht, um in Hamburgs jüngstem Stadtteil genau hinein zu schauen und zu hören. Herausgekommen sind einige Eindrücke die wir hier mit euch teilen möchten. Ob nun vertonte Bilder oder bebilderte Geräuschkulisse bleibt dem Hörer und Betrachter überlassen. Einfach hinschauen und reinhören und dann einen Kommentar schreiben was ihr davon haltet.
Hafenradio zu Gast bei dem Hamburger Start Up audioguideMe. Wir sprechen mit Paul Bekedorf und Hannes Wirtz über die Hamburger Start Up-Szene und was sie von Berlin als Startup-City unterscheidet, die audioguideMe Plattform und Audio als Medium im Internet in all seinen Facetten. Paul und Hannes sind zwei der drei Gründer von audioguideMe – sie sind keine Tontechniker aber offensichtlich echte Fans vom gesprochenem Wort, Geschichten, Sound und Tönen aller Art. Also ein Thema, das für uns als Podcast „Betreiber“ extrem interessant ist. Welche Rolle Spielt Audio heute im Internet, was ist das Besondere an diesem Medium und wo geht die Reise hin? Paul und Hannes sind auf jeden Fall mit extrem viel Begeisterung dabei und arbeiten daran, Audio im Internet auf eine nächste Stufe zu hieven.
Zu Besuch bei audioguideMe in Hamburg Borgfelde
Hannes:
Nach einem Studium der Medienwirtschaft an der Hochschule Fresenius in Köln hat Hannes zwei Jahre als Projektleiter in einer Agentur für mobile Anwendungen gearbeitet und war freiberuflich im Bereich Suchmaschinenoptimierung tätig.
Paul:
Paul studierte Angewandte Kulturwissenschaften und Wirtschaftspsychologie an der Leuphana Universität in Lüneburg, hat ein SAE Diploma in Digital Media Production. Der dritte audioguideMe Gründer ist Christoph Tank. Er ist beruflich in der Werbung groß geworden und arbeitete als Projektmanager für Agenturen wie Springer & Jacoby, Serviceplan und BBDO. Studiert hat er Angewandte Kulturwissenschaften und BWL (B.A.).
Nachdem wir für die Harburger Binnenhafen – und Fundpunkte Apps den Praxistest geliefert haben, war es längst überfällig, das auch für die „Mit 100 Sachen durch Hamburg App“ zu machen. Zeitlich passt das ganz gut, nachdem wir uns vor Kurzem im hafenradio Podcast HR007 mit Andreas Pfeiffer unterhalten haben, der sich intensiv mit historischen Photographien aus Hamburg und den dazugehörigen Geschichten befasst. Die 100 Sachen App wurde gemeinsam mit den Museen der Stiftung Historische Museen Hamburg als Teil des von der Kulturbehörde Hamburg geförderten Projekts „Museumswissen on Demand“ realisiert.
Jetzt also, zum Tag der deutschen Einheit bei herrlichem Spätsommerwetter, bietet sich die Gelegenheit die App entspannt zu testen. Vorab vielleicht noch ein paar Worte zur Idee die hinter der App steckt. Die historischen Museen in Hamburg und ihre unterschiedlichen Dependancen haben einen fast unerschöpflichen Fundus an Objekten, Informationen und Geschichten, die zum Teil in den Ausstellungen präsentiert werden oder in den Magazinen und Sammlungen lagern. Allen gemeinsam ist, dass sie einen Bezug zu konkreten Orten in der Stadt haben und diese Verbindung manchmal noch erkennbar ist oder die heutige, veränderte Situation der historischen gegenüber steht. Diese Beziehung zwischen Objekt im Museum und einem Ort in der Stadt soll die 100 Sachen App besser erfahrbar machen.
Mit Smartphone und 100 Sachen App unterwegs in Hamburg
Natürlich konnten wir diese Beziehung nicht für alle Museumsobjekte in einer einzigen App abbilden, daher musste eine Auswahl getroffen werden. Alle Häuser, Hamburg Museum, Altonaer Museum und Museum der Arbeit, wählten insgesamt 100 Objekte aus ihren Ausstellungen und Sammlungen aus, die mit einem interessanten Ort in der Stadt in Verbindung stehen. Der App-Nutzer kann entweder zuerst ein Museum besuchen und dann die entsprechenden Orte aufsuchen oder genau anders herum, erst eine Tour durch die Stadt machen und sich bei Interesse auf die Suche nach den Objekten in einem oder mehreren der Museen begeben. Die Auswahl umfasst durchaus bekannte Objekte und Orte wie zum Beispiel den Schädel von Klaus Störtebeker, dem Piraten der in Hamburg hingerichtet wurde, oder die Ruine der Hauptkirche St. Nicolai, die heute als Mahnmahl dient, aber auch vieles das abseits des üblichen touristischen Hamburg Programms liegt. So soll die App alle ansprechen, die sich für die Geschichte der Hansestadt interessieren, Touristen, Neu-Hamburger und Alt- Eingesessene gleichermaßen. Und wer gerade nicht in Hamburg ist, der kann sich auch alles entspannt auf dem Sofa anschauen.
Ich habe mich für die Variante entschieden erst eine Tour durch die sonnige Stadt zu machen, mit einem Abschluss im Hamburg Museum. Auch wenn der Titel „Mit 100 Sachen durch Hamburg“ es vielleicht suggerieren mag, ich steige nicht ins Auto und gebe Gas sondern mache mich zu Fuß auf den Weg und nehme mir den ganzen Nachmittag Zeit. In der Hamburger Innenstadt ist die Objektdichte natürlich am höchsten und daher das beste Gebiet, um einen ersten Rundgang zu starten. Los geht es am Gänsemarkt, dann über den Jungfernstieg und die Bergstraße zur Petrikirche und dem Domplatz. Von hier weiter an der Hamburger Börse vorbei zum Nicolaifleet mit St. Nicolai, Alter Börse und neuer Burg. Dann wandere ich in die Speicherstadt am Brook entlang bis zum Sandtorhöft mit der Kehr-Wieder-Spitze. Die letzte Etappe wird dann das Hamburg Museum sein, das allerdings einige Kilometer entfernt ist. Also schnappe ich mir am Baumwall ein Leihfahrrad und bin nach knapp zehn Minuten am Museum angekommen.
Ziehung der Lottozahlen – früher öffentlich auf dem Gänsemarkt
Beim ersten Standort, dem Gänsemarkt, geht es nicht um historische Bauten sondern um Glücksspiel. Es war die Hansestadt in der 1614 die erste staatliche Lotterie stattfand, als der Hamburger Rat 1770 das Zahlenlotto einführte. Auf dem Gänsemarkt fand dann die öffentliche Ziehung der Lottozahlen statt. Und das hat sich bekanntlich bis heute als Konzept gehalten – allerdings im 20. Jahrhundert ins Fernsehen gebracht, wo es bis heute seinen festen Platz hat – natürlich für ganz Deutschland. In Hamburg wurden die Ziehungen in Lostrommeln allerdings nach wenigen Jahren aufgrund zahlreicher Bürgerproteste wieder eingestellt. Am Gänsemarkt selbst erinnert heute nichts mehr an die Lotterieziehungen aber alte Stiche zeigen was es für ein gut besuchtes Event war.
Am Jungfernstieg stehen Alsterpavillion und der Anleger der Alsterschiffe auf dem Plan. Das Hamburg Museum zeigt in seiner Ausstellung ein Element vom Geländer des Alsterpavillions aus den fünfziger Jahren. Die heutige Version vor Ort erscheint dagegen sehr sachlich, und Fahrräder müssen auf Anstand bleiben.
Heutiges Geländer am Alsterpavillion
Am Schiffsanleger kann man heute noch das historische Dampfschiff St. Georg für eine Alsterrundfahrt besteigen. Von dieser Sorte Alsterdampfer fuhren im späten 19. Jahrhundert um die 30 Exemplare auf der Alster und waren das wichtigste öffentliche Verkehrsmittel. Sie wurden aber schon bald in ihrer Bedeutung von Strassenbahn und Bussen abgelöst. Aber bis heute kann man zum Einkaufsbummel ins Zentrum noch immer mit dem Alsterdampfer fahren.
Mit Petrikirche, Dom und St. Nicolai sind drei Kirchen die nächsten Stationen meiner Route. Eine ist noch komplett erhalten und in Betrieb, die zweite völlig verschwunden und die dritte eine Ruine und Mahnmal. Die Schicksale der drei Kirchen sind eng mit der Geschichte der Stadt verbunden. Der Hamburger Dom und besonders St. Nicolai repräsentieren den eher tragischen Teil davon. So wurde die ursprüngliche Kirche St. Nicolai zum ersten Mal beim großen Brand von 1842 zerstört und wieder aufgebaut, um dann nach den Bombenangriffen von 1943 erneut in Trümmern zu liegen. Diesmal wurde sie nicht wieder aufgebaut sondern wird mit dem noch intakten, restaurierten Turm als Mahnmal gegen Krieg und Gewaltherrschaft genutzt.
Alsterdampfer „St. Gerorg“
Den Hamburger Dom haben die Hamburger aber selbst abgerissen – sicher eher aus politischen und weniger religiösen Gründen. Die Kirche wurde 1806 abgerissen, nachdem sie in staatlichen Besitz übergegangen war. Den meisten wird der Hamburger Dom heute als Volksfest auf dem Heiligengeistfeld bekannt sein. Dieser „Dom“ hat tatsächlich seinen Ursprung im alten Mariendom, um den herum Marktleute, Gaukler und Handwerker schon im Mittelalter aktiv waren und wo sie auch vor schlechtem Wetter Schutz suchten.
Nachdem ich mir noch einige weitere Stationen am Nicolaifleet, um die alte Börse herum angeschaut habe, gehe ich weiter in Richtung Speicherstadt. An der Brooksbrücke angekommen ist es erst einmal Zeit, um Kaffee und Sonne zu genießen und zwischen Touristen aus aller Herren Länder zu sitzen und sich selbst wie einer zu fühlen. Wenn die Sonne nicht so üppig scheint bietet sich als Alternative die nahegelegene Kaffeerösterei am Kehrwider Nr. 5 an, die selbst auch eine der 100 Stationen der App ist. Von hier kann man auch einen lohnenden Abstecher ins Speicherstadtmuseum machen, denn über diesen Teil Hamburgs lohnt es sich mehr zu erfahren als unsere App vermitteln kann.
Die Kaffeerösterei am Kehrwider Nr. 5
Die letzte Outdoor-Station meiner Tour ist die Kehr-Wieder-Spitze, an der Mitte des 19. Jahrhunderts Abendrots Dampfmühle stand, eine der ersten Dampfmaschinen in Hamburg. Von hier hat man heute einen wunderbaren Blick über das Getümmel im und am Hafen und auf die jetzt schon fast fertig aussehende Elbphilharmonie.
Dieser Rundgang, der nur einen kleinen teil der 100 Sachen in der App ausmacht, zeigt schon eindrucksvoll, wie sehr sich das Bild der Hansestadt in den letzten 200 Jahren verändert hat. Teils durch drastische Zerstörungen, teils durch oft ebenso drastische städtebauliche Maßnahmen und wirtschaftliche Entscheidungen.
Jetzt hat mich aber auf jeden Fall die Neugierde gepackt, auch die Originale in den Museen zu suchen. Allerdings ist nur noch Zeit für eines der Häuser. Zu meinem heutigen Rundgang passt wie geplant sehr gut das Hamburg Museum, das nur wenige Kilometer entfernt liegt und mit dem Fahrrad bequem zu erreichen ist. Alternativ kann man auch mit der U3 vom Baumwall bis St. Pauli fahren.
Im Hamburg Museum schwenke ich direkt auf den stadtgeschichtlichen Rundgang ein, der am besten zu meinem heutigen Rundgang durch die Stadt passt. Und tatsächlich finde ich direkt viel Bekanntes wieder. Das Modell der alten Börse, Störtebekers Schädel, Das Gemälde vom großen Brand, die Decke des (nicht mehr vorhandenen) barocken Bürgerhauses Katharinenstraße 9 oder Überreste des Lettners vom Mariendom. Auch hier können die Beschreibungen in der App gut genutzt werden aber nach einiger Zeit taucht man tief in die vielen ausgestellten Objekte und Installationen ein und das Handy bleibt die meiste zeit in der Tasche.
Wiedererkannt – Modell der Alten Börse im Hamburg Museum
Ist das Konzept der App nun also aufgegangen? Durch die Zuordnung der Objekte zur heutigen Erlebniswelt in der Stadt kann man sicher einen deutlich besseren Bezug herstellen als dies allein in einer Ausstellung möglich ist. Wenn man den Stadtrundgang vorab macht, trifft man in der Ausstellung auf viele „alte Bekannte“. Das hat mir einen viel Besseren Zugang zur Geschichte der Objekte ermöglicht und das wiederfinden hat auch Spass gemacht. Aus meiner Sicht funktioniert die Idee, die musealen Objekte mit Orten in der Stadt zu verbinden sehr gut. Für die App selbst sind mir viele Ideen zur Verbesserung gekommen, am wichtigsten vielleicht ein Index der Orte und Objekte, eine einfache Suche oder Tourenvorschläge. Am dringlichsten ist aber sicher die Android-Version der App, die es leider noch nicht gibt.
Der Rundgang mit App hat auf jeden Fall viel Spaß gemacht und als nächstes stehen Altona, St. Pauli und Hafen an. Wir berichten dann natürlich hier im Hafenradio Bog.
Vielleicht laden und nutzen einige Leser unseres Blogs ja die 100 Sachen App und probieren es selbst aus. Wir würden uns sehr über Feedback, Kritik und Verbesserungsvorschläge hier in den Kommentaren freuen! Die App kann man kostenlos im Apple App Store runterladen.
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