Schlagwort: Archäologie

  • HR016 Neue Burg Update

    HR016 Neue Burg Update

     

    Nach gut zwei Jahren besuchen wir den Hamburger Archäologen Kay-Peter Suchowa auf der aktuellen Ausgrabung in der Altstadt. Wie schon in HR04 berichtet, wird hier vor allem der Wall der sogenannten „Neuen Burg“ ausgegraben. Dieser Kampagne findet in direkter Nachbarschaft der Aktivitäten von 2015 statt. Wie damals auch, sind die Erhaltungsbedingungen für Holz und andere organische Materialien hervorragend, sodass sich ein sehr gutes Bild über die Bauweise ergibt.

    Kay-Peter Suchowa vor dem Wallprofil der Neuen Burg Ausgrabung 2017

    Kay erklärt noch einmal wie es dazu kam, dass die neue Burg errichtet wurde, welche Materialien genutzt wurden, zu welcher Jahreszeit die Bautätigkeiten stattfanden. Eine Burg in Norddeutschland war meist eine Anlage, die von einem einige Meter hohen Wall aus Holz und Erde umgeben war – eine sogenannte Wallburg. Die Gebäude innerhalb der Wallanlage waren ebenfalls aus Holz gebaut.

    Blick auf das Wallprofil Richtung Osten
    Blick auf das Wallprofil Richtung Osten – der große Holzpfeiler rechts im Bild stammt aus dem 19. Jahrhundert.

     

    Nachdem die Anlage endgültig zerstört war (das genaue Ende ist nicht bekannt), wurde das Areal verfüllt und wurde von der neu gegründeten „Neustadt“ überbaut. Da im Bereich rund um den Hopfenmarkt noch weitere Bautätigkeiten anstehen werden wir hoffentlich bald wieder die Möglichkeit haben mit Kay einen Grabungsbesuch organisieren können.

    Detail des Profils mit zahlreichen kleinen Holzstämmen im Schnitt.
    Detail des Profils mit zahlreichen kleinen Holzstämmen im Schnitt und dem Rest eines vertikalen Holzpfahls aus dem 19 Jhd.

     

    Wir wünschen euch viel Spaß beim zuhören!

     

    Links zu den Themen

    Neue Burg, Hopfenmarkt, Großer BurstahDendrochronologie

     

     

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    Kay-Peter Suchowa
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    Christoph Haffner
  • HR013 Digitalität in der Archäologie

    HR013 Digitalität in der Archäologie

     

    In der dreizehnten Folge hafenradio haben wir (1 1/2 Hamburger Jungs) uns virtuell mit einem Harburger Jung getroffen und über allerhand digitales in der Archäologie gesprochen. Digitale Grabungstechnik- und Dokumentation, riesige Datenmengen und der Wert der Daten oder wie sieht digitale Archäologie 2026 aus?

    Archäologie digital - Kai-Christian Bruhn ist virtuell in Bild und vor allem Ton dabei
    Kai ist virtuell dabei

    Es geht also um einiges in diesem Podcast mit unserem Gast Kai-Christian Bruhn, Professor im Fachbereich Technik – Geoinformatik & Vermessung an der Hochschule Mainz, und Experte in Sachen digitale Methoden und Technologien in der Archäologie.

    Ahoi - Ein Kronkorken-Gruß aus Hamburg

    Eine interessante Erkenntnis des Abends ist, dass wir alle drei der Meinung sind, mitgeholfen zu haben digitale Grundlagen zu legen und jetzt muß die nächste Generation von Archäologen und Informatikern was aus den ganzen Daten machen!

     

    Experte für digitale Archäologie - Kai-Christian Bruhn
    Kai-Christian Bruhn

    Geboren in Hamburg-Harburg, an der Süderelbe aufgewachsen und im Helms-Museum archäologisch konditioniert, studierte er Klassische und andere Archäologien vor allem in Heidelberg und konnte sich dabei viel über Vermessung, CAD, GIS, Datenbanken und das www beibringen. Noch während der Promotion übertrug ihm das Schweizerische Institut für Ägyptische Bauforschung und Altertumskunde die örtliche Grabungsleitung in Syene/Assuan in Oberägypten. Fertig promoviert und nach dem Ende seiner Grabungen machte er sich selbstständig und unterstützte verschiedene internationale Institutionen im Bereich der digitalen Dokumentation. 2008 wurde er als Professor für „Interdisziplinäre Anwendungen raumbezogener Mess- und Informationstechnik“ an die Hochschule Mainz berufen. Seit 2016 ist er außerdem Honorarprofessor für Archäologie an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz und Gründungsdirektor von mainzed, dem Mainzer Zentrum für Digitalität in den Geistes- und Kulturwissenschaften. Damit digital arbeitende Archäologen wie er nicht Zufallsprodukte bleiben, engagierte er sich für die Einrichtung eines neuen Master-Studiengangs „Digitale Methodik in den Geistes- und Kulturwissenschaften“, der im Wintersemester 2016/17 startet.

     

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    mainzedSchweizerische Institut für Ägyptische Bauforschung und AltertumskundeHochschule Mainz, Open Data Hamburg, IBM Watson, Tachymeter, Theodolit, Geodäsie

     

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    Kai-Christian Bruhn
  • HR011 Wie die Skythen nach Hamburg kamen

    HR011 Wie die Skythen nach Hamburg kamen

     

    Das Hafenradio trifft im Archäologischen Museum Hamburg den ehemaligen Direktor des Hauses Dr. Ralf Busch. Das „Gold der Skythen“ – für Christoph und Michael ist es eine Reise in ihre studentische Vergangenheit, für unsere Zuhörer wird es ein besonders interessanter Ausflug in die eurasische Vergangenheit und wie es dazu kam, dass ein kleines Museum es schaffte, eine der ganz großen archäologischen Ausstellungen in Deutschland zu realisieren. Um das zu erreichen war es nötig, die Politik bis hin zum damaligen Bundeskanzler Helmut Kohl zu aktivieren.

    Katalog "Gold der Skythen" zur Ausstellung von 1993
    Das Gold der Skythen

    Dann geht die Reise weiter zurück in das Studentenleben der Nachwuchsarchäologen in den 1960er Jahren in Göttingen, Hamburg und Wien. Der Spannungsboden reicht vom so genannten „Schleswiger Kreis“ über das Römisch-Germanische-Zentralmuseum bis hin zur Zeitschrift „Mannus“. Die hoch politischen Themen jener Zeit, die bestimmt auch heute wieder sehr aktuell sind, können wir aber nur relativ kurz anreißen – somit bleibt das Thema einer immer wieder durch unterschiedliche Ideologien beeinflussten Archäologie mit einem großen Ausrufezeichen auf unserer Themenliste.

    Dr. Ralf Busch 2016 im Archäologischen Museum Hamburg - Gold der Skythen und Studieren in den 60er Jahren
    Dr. Ralf Busch 2016 im Archäologischen Museum Hamburg

     

    Prof. Dr. Ralf Busch wurde 1942 in Berlin geboren, 1945 kam er im Zuge der Kriegsereignisse nach Celle. Er studierte von 1965 bis 1974 an der Georg-August-Universität Göttingen die Fächer Ur- und Frühgeschichte, Kunstgeschichte und Deutsche Volkskunde und Anthropologie, während dieser Zeit verbrachte er zwei Semester an der Universität Wien. 1967 wurde er ehrenamtlicher Archivar und Ortheimatpfleger in Bovenden,  1970 freier Mitarbeiter des Städtischen Museum Göttingen, wo er die Schausammlung  der Ur- und Frühgeschichte Sammlung neu aufbaute.  Im Juli 1971 wurde Busch zum Bodendenkmalpfleger des Landkreises Göttingen ernannt. Im Dezember  1973 erfolgte seine Promotion, ab Januar 1974 war er als Kustos, dann Oberkustos der Abteilung Archäologie am Braunschweiger Landesmuseum tätig. 1987 wurde Prof. Busch Direktor des Hamburger Museums für Archäologie – Helms-Museums, welches er bis 2001 geleitet hat. Anschließend übernahm Herr Busch eine leitende Funktion in der Senatskanzlei der Freien und Hansestadt Hamburg. Seit dem Eintritt  in den Ruhestand betreut Herr Prof. Busch im Bomann-Museum Celle die Gemäldesammlung sowie zeichnet verantwortlich für verschiedene Ausstellungsprojekte.

     

    Links zu den Themen

    Archäologisches Museum HamburgEremitage, St. Petersburg, Helmut Kohl, Volker RüheSkythen, Gold der Skythen, LangobardenZeitschrift Mannus

     

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    Ralf Busch
  • HR010 Ausgegraben – Ein Social Media Abend im Museum

    HR010 Ausgegraben – Ein Social Media Abend im Museum

     

    Das Hafenradio ist wieder einmal zu Besuch im Archäologischen Museum Hamburg. Ausgegraben auf der Harburger Schlossinsel im Süden der Hansestadt. Wir besuchen die zweite Social Media Veranstaltung im Museum. Mehr als 50 Twitterati und Blogger sind gekommen, um mit Bier und Brezeln von Kay-Peter Suchowa durch die Ausstellung „Ausgegraben. Harburg archäologisch“ geführt zu werden und das gesehene und gehörte direkt raus zu twittern. Wie schon in HR004 versteht Kay es spannend  zu vermitteln was Archäologie ausmacht.

    Kay Peter Suchowa startet die Führung durch die Ausstellung im Archäologischen Museum Hamburg
    Start der Führung durch die Ausstellung

    Die Führung lohnt sich obwohl – oder gerade weil – die Bilder nur im Kopf entstehen. In den hintersten Ecken der Ausstellung schwächest zwar die Funkübertragung von Kays Mikrofon, aber das Resultat lässt sich dennoch sehr gut hören. Das hervorragende Bier wurde von der Harburger Kreativbrauerei Kehrwieder bereitgestellt.

    Kronenkorken vom Kehrwidder Bier im Archäologischen Museum Hamburg
    Was vom Bier übrig bleibt.

     

    Kay-Peter Suchowa hat in den neunziger Jahren in Hamburg Ur-und Frühgeschichte und Ethnologie studiert. Nach verschiedenen archäologischen Stationen in Lübeck, Hameln und Hitzacker ist er nun wieder in seiner Heimatstadt Hamburg als Leiter verschiedener stadtarchäologischen Ausgrabungen tätig.

    Kay Peter Suchowa im Archäologischen Museum Hamburg
    Kay-Peter Suchowa

     

    Links zu den Themen

    Archäologisches Museum Hamburg, Kreativbrauerei Kehrwieder, #ausgegraben

     

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    Kay-Peter Suchowa
  • HR009 Kastel – Staadt – „Kult“- Berg an der Saar

    HR009 Kastel – Staadt – „Kult“- Berg an der Saar

    Das Hafenradio ist jetzt ein Jahr mit diversen Podcast- und Blog-Beiträgen online. Das haben wir zum Anlass genommen, einen weiteren Podcast mit Alfred Haffner aufzunehmen nachdem wir gemeinsam Ende Dezember 2014 die erste Folge produziert haben.

    Diesmal haben wir eine kleine Exkursion an einen ganz besonderen Ort an der Saar unternommen: Kastel – Staadt. Der Ort liegt auf einem Felsplateau hoch über dem Fluß und hat eine gleichermaßen spannende und besondere Geschichte vorzuweisen. Bereits in keltischer Zeit befand sich eine Befestigungsanlage auf dem durch seine landschaftlichen Besonderheiten perfekt geeignetem Berg. Die Besiedlung des Plateaus setzt sich kontinuierlich durch die Römer- und Merowingerzeit, das Mittelalter hindurch bis in die Neuzeit kontinuierlich fort.

    Blick auf das teilrekonstruierte Römische Theater am östlichen Rand des Plateaus
    Teilrekonstruiertes Römisches Theater

    In der jüngeren Geschichte hat die Klause bei Kastel am felsigen Steilhang zur Saar hin die letzte Ruhestätte des „Blinden Königs“ Johann von Böhmen beherbergt, der nach dem zweiten Weltkrieg nach Luxemburg überführt wurde.

    Aussichtsplattform mit Blick auf die Klause bei Kastei-Staat am Steilhang zur Saar.
    Klause bei Kastel-Staat

    Auch wurde hier ein Soldatenfriedhof angelegt auf dem deutsche Soldaten beerdigt wurden, die in den letzten Monaten des Krieges gefallen sind, darunter viele sehr junge Männer und Jugendliche die hier unnötig ihr Leben lassen mussten.

    Auch die alte Kirche St. Johannis von Kastel liegt auf dem Felssporn; im Ort selbst wurde nach dem zweiten Weltkrieg eine moderne Kirche errichtet. Ein weiteres besonderes Gebäude im Ort selbst ist die Schule, die nach Plänen des berühmten preußischen Baumeisters Karl Friedrich Schinkel 1840 erbaut wurde. Wie es dazu kam kann man in der nunmehr neunten Folge des Hafenradios erfahren!

    Von Karl Friedrich Schinkel entworfenes Schulgebäude in Kastel
    Schulgebäude in Kastel
    Alfred Haffner im Dezember 2015 auf dem Felsplateau bei Kastel.
    Alfred Haffner im Dezember 2015

    Alfred hat Ur- und Frühgeschichte in Hamburg, München und Saarbrücken studiert. 1966 war er als wiss. Mitarbeiter am Institut für Vor-und Frühgeschichte und Vorderasiatische Archäologie an der Universität des Saarlandes, von 1967 – 1983 als Kustos am Rheinischen Landesmuseum Trier und zuletzt von 1983 – 2003 als Professor am Institut für Ur-und Frühgeschichte der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel tätig.

    Links zu den Themen

    Kastel-Staadt, Klause KastelSaarburg, MartbergJohann von Böhmen (Der Blinde König), Karl Friedrich Schinkel, Römisches Theater, Ehrenfriedhof Kassel,

    Fotos: Isabel Venjakob
    Reinhard Schindler Zitat: Marie Venjakob

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    Christoph Haffner
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    Alfred Haffner
  • Ærø – Zwei Tage wandern in der Südsee

    Ærø – Zwei Tage wandern in der Südsee

    Ærø ist eine Insel mitten in der Südsee – der dänischen Südsee, auch bekannt als Süd-Fyn’sches Inselmeer. Ærø liegt zwischen Jütland und dem kleinen Belt im Westen, der Insel Langeland im Osten und Fünen im Norden. Zwischen Ærø, Fünen und Langeland liegen zahlreiche kleine und kleinste Inseln zwischen denen vor allem im Sommer viele Segelschiffe kreuzen und in den seichten Buchten ankern.

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    Nach einem Familienurlaub auf Ærø haben wir beschlossen, direkt noch einmal zurückzukehren und auf einer zweitägigen Wanderung die Insel von Marstal im Südosten über Ærøskøbing – die Inselhauptstadt – nach Søby im Nordwesten zu durchqueren. Da die Wanderung auch verschiedene archäologische und historische Highlights zu bieten hat, muss natürlich auch hier im Hafenradio Blog davon berichtet werden!

    Ærø ist eine ruhige und entspannte Insel. Das spürt man unmittelbar nachdem man die Fähre verlassen hat. Es gibt wenig Autoverkehr und diejenigen, die mit dem Auto unterwegs sind, nehmen erfreulich viel Rücksicht auf die zahlreichen Radfahrer und Fußgänger. Hektik ist praktisch nicht zu finden. So erlebt man die wunderschöne Insel auch am intensivsten auf dem Fahrrad oder eben auf einer Wanderung.

    Man kann diese Wanderung sowohl in einen längeren Aufenthalt auf Ærø einbauen oder sich ein verlängertes Wochenende Zeit nehmen, zumindest wenn man im Norden Deutschlands lebt. In beiden Fällen ist die kostenlose Buslinie hilfreich, die stündlich zwischen Søby und Marstal verkehrt. Wir haben uns von Hamburg nach Ærø aufgemacht und insgesamt drei Tage Zeit genommen. Die Autofahrt nach Fynshav auf der Insel Als, die über Sønderborg mit dem Auto erreicht werden kann, dauert von Hamburg aus gute zwei Stunden. Von Fynshav geht im Sommer dreimal täglich eine Fähre nach Søby auf Ærø. Das Auto kann beim Fähranleger kostenfrei auf einem Parkplatz abgestellt werden. Alternativ kann man auch mit dem Zug über Flensburg und Sønderborg anreisen und dann mit dem Bus das letzte Stück zum Fähranleger zurücklegen. Wir haben die Mittagsfähre genommen, die nach 70-minütiger Überfahrt gegen 14:30 Uhr die Insel erreicht. In Søby steigen wir in den Bus, der uns kreuz und quer über die gesamte Insel in einer knappen Stunde bis nach Marstal in den äußersten Südosten bringt. Hier beziehen wir unser Zimmer im Marstaler Danhostel, einem alten Gebäude direkt am Hafen, das trotz Hochsaison fast leer zu sein scheint.

    Insel Ærø - Seefahrtsmuseum in Marstal
    Seefahrtsmuseum in Marstal

    Marstal ist eine kleine Hafenstadt mit großer Geschichte als Seefahrerstadt, die ihre Hochzeit im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert hatte. In dieser Zeit beheimatete Marstal mit zeitweise über 200 Segelschiffen die zweitgrößte Handelsflotte Dänemarks, und der größte Teil der männlichen Bevölkerung fuhr zur See. Der Roman „Wir Ertrunkenen“ von Carsten Jensen liefert hierzu eine eindrucksvolle, zum großen Teil auf historischen Begebenheiten basierende Beschreibung dieser Zeit. Im Seefahrtsmuseum wird die Schifffahrtsgeschichte der Stadt mit vielen Schiffsmodellen, Bildern und Objekten, welche von den Seeleuten aus aller Welt nach Marstal gebracht wurden, erklärt.

    Wir haben am ersten Tag genug Zeit, einen Spaziergang durch den Hafen und über die vorgelagerte Landzunge „Erikshale“ mit den für Ærø typischen bunten Strandhäuschen zu machen. Anschließend bummeln wir noch durch die Kirkestræde und gönnen uns ein kleines Abendessen in einem Pub mit schönem Biergarten – wie in Dänemark üblich, nicht wirklich günstig. Auch die Übernachtung ist mit insgesamt um 100 Euro weniger günstig als man es von einem Hostel erwartet, aber die Betten sind gut und das Frühstück reichhaltig. So können wir am nächsten Morgen frisch und gestärkt unsere Wanderung im Hafen von Marstal starten.

    Insel Ærø - Hafen von Marstal
    Hafen von Marstal

    Wir wollen dem Wanderweg „Øhavsstien“ folgen, einer insgesamt 220 Kilometer langen Route, die in sieben Abschnitten über die Inseln Fyn (Sydfyn), Tåsinge, Langeland und Ærø reicht. Der Øhavsstien auf Ærø beginnt in Marstal und führt über Ærøskøbing bis hinauf nach Søby. Die Strecke kann aber genauso gut in umgekehrter Richtung von Søby nach Marstal erwandert werden. Der etwas mehr als 38 Kilometer lange Weg ist über die gesamte Strecke ausgezeichnet markiert, sodass man sich kaum verlaufen kann. Eine Wanderkarte kann man sich schon auf der Fähre oder der Tourist-Information in Marstal kostenlos besorgen. Wer das verpasst hat, für den sind an manchen der Markierungen des Weges auch Info-Tafeln angebracht, sowie kleine Boxen, in denen man ebenfalls die Karten vorfindet.

    Insel Ærø - Markierung Wanderweg Øhavsstien
    Der Øhavsstien ist über die gesamte Strecke ausgezeichnet markiert – inclusive „Kaffeplet“

    In Marstal führt der Weg zunächst durch ein Werftgelände und weiter am Ostseeufer entlang an schönen Villen aus dem frühen 20. Jahrhundert. Dann geht es durchs Landesinnere Richtung Kløven-Bodden und der Ortschaft Kragnæs zum Gråsten Noor, einem durch Eindeichung gewonnenen Landstrich, der sich über die gesamte Breite der Insel erstreckt. Die Wegstrecke entlang am Ufer des Kløven-Bodden durchquert einige Feuchtwiesen, die auch als Pferdeweiden genutzt werden, aber für Wanderer geöffnet sind. Man trifft hier immer wieder auf die eigentlichen, in der Regel friedlichen Bewohner der Wiesen und Weiden. In der Nähe von Kragnæs erreichen wir unser erstes archäologisches Ziel, ein jungsteinzeitliches Ganggrab aus der Zeit um 3200 v. Chr. Das Ganggrab wurde in den 1970er Jahren vom Langelandmuseum ausgegraben und rekonstruiert. Es vermittelt dem Besucher heute sehr anschaulich, wie neolithische Großsteingräber dieses Typs ursprünglich angelegt waren. Wer sich traut, kann auch hineinkriechen und sich mit einer Taschenlampe die baulichen Details anschauen. Auf ganz Ærø konnte eine Vielzahl neolithischer Großsteingräber nachgewiesen werden, von denen heute noch einige zum Teil erhalten und im Gelände sichtbar sind. Im Süden der Insel wurden aber viele der Anlagen abgetragen und zum Bau der Hafenmole von Marstal verwendet. Die Hafenmole ist für die Stadt von besonderer Bedeutung. Sie wurde im 19. Jahrhundert über einen Zeitraum von fast zwanzig Jahren von den Marstaler Seeleuten in den Wintermonaten errichtet, wenn ihre Schiffe im Hafen lagen. Die Mole bot den nötigen Schutz der Schiffe vor den Winterstürmen. Da die Marstaler vom Dänischen König keine Unterstützung zum Bau der Hafenmole erhielten, organisierten sie sich selbst und errichteten das über 1200 Meter lange Bauwerk in Eigenregie aus großen Findlingen. Noch heute erinnert ein Gedenkstein im Hafen an diesen gemeinschaftlichen Kraftakt, der für den wirtschaftlichen Erfolg der Stadt von großer Bedeutung war.

    Insel Ærø - Das Ganggrab von Kragnæs
    Das Ganggrab von Kragnæs

    An der Stelle, wo der Wanderweg am Gråsten Noor seinen südlichsten Punkt erreicht hat und nach Westen abbiegt, kann man ihn verlassen und einen Abstecher zu den nur wenige Kilometer entfernten Dolmen von Lindsbjerg Dysse machen. Man wird mit einer teilweise restaurierten Großsteingräbergruppe, einem sog. Langbett sowie der Aussicht über einen Großteil der Insel belohnt.

    Macht man diesen Umweg nicht, dann führt der Øhavsstien vom flachen Gråsten Noor einige Kilometer weit in das sanft hügelige Inselinnere zur kleinen Ortschaft Lille Rise, dann weiter durch bewaldete Abschnitte und vorbei an Wiesen und Feldern. Nahe Stokkeby steigen wir Richtung Norden hinauf auf einen Höhenzug der durch eiszeitliche Moränen geprägten Landschaft. Von dort hat man einen weiten Blick über den südöstlichen Teil der Insel und bis nach Ærøskøbing. Jetzt geht es wieder hinunter zur Küste und nach wenigen Kilometern erreichen wir die ersten Häuser von Ærøskøbing, dem Ziel dieses  Tages. Mit ca. 16 Kilometern ist diese Etappe leicht an einem Tag zu bewältigen und es bleibt genügend Zeit, um uns an den Vesterstrand in der Revi-Krog-Bucht zu legen und im flachen Wasser zu baden. Hier hat man an warmen wolkenlosen Hochsommertagen das Gefühl, am weißem Strand und im türkisfarbenen Wasser der Südsee zu sein. Das besondere sind, wie auch in Marstal, die kleinen bunten Strandhäuser, die ursprünglich in den 1920er Jahren errichtet wurden. In der Bucht ankern zahlreiche Segelboote. Alles zusammen ergibt mit der entspannten Stimmung der Insel das besondere Gefühl eines skandinavischen Inselsommers.

    Insel Ærø - Strandhäuser am Vesterstrand in der Revi-Krog in Ærøskøbing
    Strandhäuser am Vesterstrand in der Revi-Krog in Ærøskøbing

    Ærøskøbing ist bis heute die Inselhauptstadt und beherbergt Institutionen wie das Krankenhaus der Insel oder das Standesamt, in dem sich auffallend viele Deutsche das Ja-Wort geben. Es gibt eine stündliche  Fährverbindung nach Svendborg auf Fünen. Das besondere an Ærøskøbing ist, dass das Stadtbild des 18. und 19. Jahrhunderts zum größten Teil bis heute erhalten ist und der Besucher sich um 200 Jahre zurück versetzt fühlt. Allein die modernen Autos kratzen hier und da an der Illusion. Dieses historische Stadtbild hat Ærøskøbing auch den treffenden Beinamen „Märchenstadt“ eingetragen. Entsprechend dem besonderen Flair der Stadt wollen wir auch übernachten. Dafür haben wir uns im „Badehotel Ærø“ direkt am Hafen ein einfaches Zimmer gebucht; Toiletten und Dusche auf dem Gang. Besonders die Duschen erinnern an eine Freibad-Duschkabine aus den 20er Jahren. Der bröckelnde Putz und abblätternde Lack passen zum Gesamtgefühl vom Urlaubs- und Badespass längst vergangener Zeiten. Die alten, im ganzen Hotel aufgehängten Photographien mit Badeszenen früherer Epochen lassen diese Zeiten lebendig werden. Der Übernachtungspreis ist ähnlich wie im Hostel in Marstal, und entsprechend geschrumpft ist auch das Budget für das Abendessen. Direkt am Hafen gibt es eine kleine Räucherei, wo man sehr guten, frisch geräucherten Fisch für einen ebenso guten Preis bekommt. Dazu sollte man das hervorragende, auf der Insel gebraute Ærø-Øl trinken. Hier kann draussen beim Essen die Abendsonne genossen, und der nächste Tag geplant werden.

    Nach einem sehr guten Frühstück mit selbstgebackenen Rosinenbrötchen beginnen wir die zweite Etappe unserer Inselwanderung. Vor uns liegen knapp 22 Kilometer entlang der nordöstlichen Küste, weiter durch das Inselinnere im nördlichen Teil, ein Abstecher zur Westküste und schließlich das Ziel Søby. Von hier wollen wir zum Abschluss mit der Fähre gegen fünf Uhr nachmittags nach Fynshav übersetzen.

    Zunächst gehen wir direkt am Hafen entlang in Richtung Versterstrand. Ein besonderes Gebäude im Hafen ist das so genannte „Kochhaus“. Da in dänischen Häfen ab dem späten 18. Jahrhundert der Gebrauch von offenem Feuer auf Schiffen untersagt war, wurden Kochhäuser errichtet, in denen die Schiffsbesatzungen ihre Mahlzeiten  zubereiten konnten. Heute ist das Gebäude als Grillhaus für Segler eingerichtet.

    Insel Ærø - Das Kochhaus im Hafen von Ærøskøbing
    Das Kochhaus im Hafen von Ærøskøbing

    Nachdem man die Strandhäuser von Versterstrand hinter sich gelassen hat, geht es nahe der Küste Richtung Stokkeby Noor, einem weiteren, bereits 1856 trockengelegten Bodden. Nahe des Deiches, im nordöstlichen Teil des Noors, erkennt man eine Erhebung, die vormals als kleine Insel aus dem Bodden herausragte. Auf der Erhebung befinden sich die Reste einer mittelalterlichen Burganlage, der Kongens Bakker. Das Gelände ist heute weitgehend unzugänglich und am besten vom Deich aus zu sehen. Wir lassen das Stokkeby Noor hinter uns und wandern weiter in nordwestlicher Richtung entlang der Steilküste, die immer wieder den Blick über die Süd-Fyn’sche Inselwelt eröffnet. Nach weiteren drei Kilometern erreichen wir einen schönen Sand- und Kieselstrand, der sich in einem langen Bogen erstreckt. Hier liegen die Reste einer alten Schiffsbrücke, an der früher Ziegelsteine und Kohle zum Brennen der Steine verladen wurden. Am Strand finden sich noch immer vom Meer rundgeschliffene Reste der Ziegelsteine. Diese Gelegenheit sollte man unbedingt für ein weiteres Bad in der Ostsee nutzen, oder sich zumindest die Füße im Wasser kühlen.

    Dann verlässt der Øhavsstien die Küste und führt landeinwärts in den Ærø Naturpark, einem Gebiet, in dem keine moderne Bebauung stattfindet und viele Bereiche renaturiert werden. Es geht durch die hügelige Moränenlandschaft hinauf zu einem Rastplatz in einer kleinen Aufforstung, der nochmals einen weiten Blick über das Meer und zurück bis nach Ærøskøbing bietet.

    Das nächste archäologische Ziel ist Søbygaard, ein befestigter Gutshof aus dem 16. Jahrhundert, der über viele Jahre hinweg restauriert wurde und heute für Veranstaltungen und Kunstausstellungen genutzt wird. Das noch komplett erhaltene Herrenhaus stammt aus dem 18. Jahrhundert und wurde auf den Grundmauern und dem Keller des Vorgängerbaues errichtet. Unmittelbar neben dem Gut erheben sich die imposanten Überreste einer Befestigungsanlage aus dem 12. Jahrhundert, die zum Schutz gegen die Überfälle der Wenden angelegt wurde.

    Insel Ærø - Der Gutshof von Søbygaard
    Der Gutshof von Søbygaard

     

    Insel Ærø - Die Mittelalterliche Burganlage von Søbygaard
    Die Mittelalterliche Burganlage von Søbygaard

    Es handelt sich um eine Doppelbefestigung auf einem Hügel, die noch sehr gut erkennbar und begehbar ist. Die gesamte Anlage lag ursprünglich nah am Ufer eines schiffbaren Boddens, der ab dem späten 18. Jahrhundert trockengelegt wurde und heute das Vitsø Noor bildet. Im Gegensatz zu den anderen Nooren der Insel ist dieses durch große Wasserflächen geprägt und bietet vielen Vogelarten und Pflanzen ein Refugium. Ein eigener Wanderweg führt um das Vitsø Noor, der nochmal 2-3 zusätzliche Kilometer erfordert. Hier muss man allerdings auf die Zeit achten, da die Nachmittagsfähre die letzte Verbindung zum Festland für den Tag ist. Auch kann man noch einen Abstecher an die Nordküste hinter dem Noordeich machen, einen Geröllstrand der nicht unbedingt zum Baden einlädt. Aber mit etwas Glück können hier, oder später von der Fähre aus, Schweinswale beobachtet werden, die im kleinen Belt noch zahlreich vorkommen.

    Auf den letzten drei Kilometern der Wanderung überquert man noch einmal einen eiszeitlichen Moränenrücken und erreicht Søby, die jüngste der drei Städte auf Ærø. Søby ist heute als Hafen- und Fischereistadt mit der größten Werft, neben Landwirtschaft und Tourismus, der wichtigste Wirtschaftsfaktor der Insel. Wir erreichen den Hafen eine halbe Stunde vor Abfahrt der Fähre, die sich dann aber um eine weitere halbe Stunde verspätet. So bleibt genug Zeit, um noch etwas von der warmen Nachmittagssonne zu genießen, bevor es zurück nach Fynshav geht.

    Insel Ærø - Fähre im Hafen von Søby
    Fähre im Hafen von Søby

    Gegen halb neun Uhr abends sind wir wieder zurück in Hamburg – aber es kommt uns vor, als ob wir gerade von einem weit entfernten Ort in der Südsee heimgekehrt sind.

    Fotos: Isabel Venjakob

  • Wandern und Archäologie in Hamburg

    Wandern und Archäologie in Hamburg

    Eine Tour zum  archäologischen Wanderpfad und durch die Fischbeker Heide im Südwesten Hamburgs.

    Eine archäologische Wanderung in Hamburg – geht das? Zugegeben, ganz einfach ist es nicht, aber doch möglich und sogar in Verbindung mit einem für Hamburg besonderen Naturerlebnis! Ich habe in den 1990er Jahren mit Schulklassen häufig einige Stationen des Wanderpfades besucht, an denen vor allem bronzezeitliche Grabanlagen rekonstruiert wurden. Zwei der Kinder wurden immer mit bronzezeitlicher Kleidung ausgestattet und bekamen dazu entsprechenden Schmuck und Bewaffnung. Diese wurden im Original tatsächlich von Menschen im heutigen Dänemark zu ihrer Bestattung getragen und haben sich durch besondere Fundumstände bis heute erhalten. Erst kürzlich wurde in einem Artikel auf Spiegel Online über neue Forschungsergebnisse berichtet, die belegen sollen, dass eine Frau aus dem Schwarzwaldgebiet in Süddeutschland stammte und nach Dänemark gekommen war – hier aber schon bald starb.

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    Ausgestattet mit vielen schönen Erinnerungen und einer einigermaßen akkuraten Karte fahren wir mit dem Auto bis an den Parkplatz an der Wendeschleife der Buslinie 240 am Falkenbergsweg. Wer also nicht mit dem Auto kommt, kann mit der S-Bahn bis nach Hamburg Neugraben fahren und dann weiter mit dem Bus bis zur Station Waldfrieden an der Wendeschleife. Von hier folgen wir der Beschilderung zum archäologischen Wanderpfad  bergauf, entlang einer Wiese in den Wald. Nach etwas mehr als einem Kilometer erreichen wir schon die Gruppe rekonstruierter Grabhügel aus der Bronzezeit, die ein lebendiges Bild vermitteln, wie Menschen damals bestattet, und somit der Toten gedacht wurde. Besonders die Rekonstruktion des Grabhügels von Lüllau zeigt mit welchem Aufwand die Grabanlagen zum Teil errichtet, und der oder die Tote in einem wuchtigen Baumsarg bestattet wurde.

    Hamburg - Archäologischer Wanderpfad: Rekonstruktion des bronzezeitlichen Baumsarges
    Archäologischer Wanderpfad: Rekonstruktion des bronzezeitlichen Baumsarges

    Wir haben Glück mit dem Wetter. Es ist erst Mitte März, aber nicht kalt und wunderbar sonnig. So sind auch die Lichtverhältnisse im Wald sehr gut zum fotografieren. Wir verlassen die Grabhügelgruppe und folgen dem Wanderpfad noch über ca. ein- bis zwei Kilometer entlang verschiedener Stationen, wo teilweise noch Reste von   originalen Grabhügeln zu sehen sind. An anderen Stellen sind die Überreste heute zerstört. Dies gilt vor allem für die jungsteinzeitlichen Großsteingräber, die häufig noch sehr imposant zeigen, wie schon zu dieser Zeit aufwendig bestattet wurde. Die an jeder Station angebrachten Infotafeln erklären aber kurz und knackig die archäologischen Hintergründe. Allerdings wäre eine Renovierung von vielen der Tafeln sehr nötig. Zuletzt wurde der Wanderpfad, der vom Archäologischen Museum Hamburg betreut wird, 2002 komplett renoviert.

    Am vermeintlichen Ende des archäologischen Wanderpfades wollen wir auf einen Weg abbiegen, der uns direkt in die Fischbeker Heide führen soll. Ähnlich wie die Lüneburger Heide, ist auch die Fischbeker Heide keine natürlich entstandene Landschaft, sondern wurde durch Aktivitäten des Menschen geprägt. Sie ist mit 773 ha Fläche eines der größten Naturschutzgebiete der Hansestadt. Allerdings verpassen wir den richtigen Weg und gehen zunächst weiter nach Südwesten, bis wir die kleine Ortschaft mit dem schönen Namen „Tempelberg“ erreichen. Wir ahnen, dass wir auf dem falschen Weg sind, gehen aber erst einmal weiter und hoffen auf Wegweiser, die aber ausbleiben.

    Hamburg - Waldweg von Tempelberg Richtung Fischbeker Heide
    Waldweg von Tempelberg Richtung Fischbeker Heide

    Wir lassen also Tempelberg erst einmal hinter uns und treffen auf der Straße einen anderen Wanderer, den wir nach dem Weg fragen. Allerdings ist auch er auf der Suche nach der Fischbeker Heide und hat sich genauso verlaufen wie wir. Trotzdem versuchen wir es in unterschiedlichen Richtungen. Er geht nach Tempelberg und weiter zurück Richtung Wanderpfad, wir dagegen nehmen den nächsten Waldweg in nördlicher Richtung und hoffen, dass wir irgendwann in der Heide landen. Dieser Weg führt uns ca. zwei Kilometer durch einen wunderschönen, sonnendurchfluteten Mischwald im Vorfrühling und später tatsächlich an das südwestliche Ende der Fischbeker Heide im Fischbektal. Hier breitet sich als Kontrast zum Wald eine weite, typische Heidelandschaft vor uns aus. Und siehe da – der Wanderer von Tempelberg kommt just in diesem Moment über einen anderen Weg direkt auf uns zu.

    Hamburg - Fischbeker Heide im März 2015
    Fischbeker Heide

    Gemeinsam wandern wir auf einer Strecke von etwa zwei Kilometern bis ans andere Ende der Heidelandschaft. Hier trennen sich unserer Wege wieder und wir nehmen den Weg zurück in Angriff. Jetzt aber am Rand der Heide entlang, über eine langgezogene Hügelkette, wieder in den Wald hinein und vorbei am Informationszentrum in einem alten Schafstall und an der Freiluftschule Neuengraben in Richtung Parkplatz. Alles in Allem haben wir eine Wanderung von ungefähr zehn Kilometern hinter uns. Also perfekt, um sich einen halben Tag oder etwas länger mit Archäologie und Heidelandschaft zu beschäftigen und einen ganz besonderen Ort in der Großstadt zu genießen.

    Fotos: Isabel Venjakob

  • Vier keltische Ringwälle und ein römischer Grabhügel in zwei Tagen

    Vier keltische Ringwälle und ein römischer Grabhügel in zwei Tagen

    1995 bin ich mit meinem Vater und meinem Bruder zwei Tage durch den Hunsrück gewandert, von Otzenhausen über einen Höhenzug bis nach Kempfeld. Die Idee war, an diesen zwei Tagen insgesamt vier keltische Befestigungsanlagen, sogenannte Ringwälle, und einen rekonstruierten, römischen Grabhügel zu besuchen. Diese kleine Wandertour ist mir als eine wunderbare Kombination aus Naturerlebnis und archäologischen Denkmälern in Erinnerung geblieben, ganz abgesehen davon, dass es ein sehr schönes und, wie so oft, zu seltenes, intensives Verbringen gemeinsamer Zeit war.

    Im Mai 2015, gute zwanzig Jahre später, haben meine Frau und ich beschlossen, diese Wanderung zu wiederholen und zwei Tage lang den Hunsrück zu genießen. Die spannende archäologische Geschichte zu den Ringwällen und deren Erforschung habe ich in einem Gespräch mit meinem Vater im HR005 Podcast festgehalten – so kann sich jeder, der sich für keltische Kultur, Wallanlagen und Oppida interessiert, oder diese Route ebenfalls wandern möchte, mit umfangreichem Hintergrundwissen aus erster Hand versorgen.

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    Wie 1995 beginnen wir unsere Tour am Parkplatz des Hunnenrings von Otzenhausen, der im äußersten Nordosten des Saarlandes liegt. Von dort geht es über einen Höhenweg weiter Richtung Vorkastell bei Börfink. Der Höhenweg folgt einem alten Grenzweg und ist heute Teil der sehr schönen Saar-Hunsrück-Stieg Wanderroute. Vom Vorkastell geht es weiter nach Allenbach, wo wir im Hotel Steuer übernachten. Am zweiten Tag steigen wir auf zur dritten Burganlage auf dem Ringskopf nahe Allenbach und von dort hinunter Richtung Siesbach, wo wir einen rekonstruierten, römischen Grabhügel besuchen. Die letze Etappe führt dann über Kirschweiler und das tief eingeschnittene Tal des Idarbaches, durch eindrucksvolle Geröllfelder – im Volksmund „Steinrauschen“ genannt – hinauf zur Wildenburg bei Kempfeld, dem Ziel unserer Wanderung. Wenn man sich einen dritten Tag Zeit nimmt, kann man noch eine weitere keltische Befestigungsanlage einbeziehen, die Altburg bei Bundenbach.

    Hunsrück - Abschnittswall Hunnenring bei Otzenhausen
    Abschnittswall Hunnenring bei Otzenhausen

    Die Befestigungsanlagen liegen allesamt auf einem Höhenzug, der dem höheren und größeren Bergrücken des Hunsrücks, bestehend aus dem Hochwald und dem Idarwald, südöstlich vorgelagert ist. Auf diesem Höhenzug finden sich also nicht die höchsten Erhebungen mit dem Erbeskopf (816 m) und Idarkopf (745 m), aber er ist weit aus mehr zergliedert und weist immer wieder exponierte Kuppen und Gipfel auf. Diese eignen sich wegen meist mehrerer steil abfallender Hänge hervorragend für die Anlage einer Befestigung. Somit gestaltet sich die Wanderung auch in vielen Abschnitten sehr abwechslungsreich und lediglich zwischen dem Vorkastell und dem Ringskopf bei Allenbach galt es einige monotonere Abschnitte auf schnurgeraden Forstwegen zu überwinden.

    Der Hunnenring von Otzenhausen ist bestimmt die beeindruckenste Anlage, vor allem der noch heute über zehn Meter hohe Abschnittswall lässt die Größe der Befestigung erahnen. Am Fuße des Berges wird derzeit ein Freilichtmuseum aufgebaut, das einen guten und lebendigen Eindruck vermitteln soll, wie eine keltische Siedlung der späten Eisenzeit ausgesehen und funktioniert hat. Die ca. 17ha große Innenfläche wurde nach Süden, Westen und Osten durch ein doppeltes Mauersystem gesichert, nach Norden durch den noch heute mehr als 10m hohen Abschnittswall. Auf dem Hunnenring konnte eine spätkeltische Bebauung aus dem 2. und 1. Jahrhundert v. Chr. nachgewiesen werden. Aufgegeben wurde die Anlage um 50 v. Chr., etwa  zeitgleich mit dem Auftauchen eines römischen Militärlagers, das einige Kilometer entfernt mit einer Sichtverbindung errichtet wurde. Der Hunnenring kann wahrscheinlich als ein relativ kleines, sogenanntes Oppidum interpretiert werden. Oppida waren soziale, wirtschaftliche, religiöse und militärische Zentren in einer keltischen Stammesregion.

    Vom Hunnenring geht es über einen Höhenweg weiter über den Dollberg, den mit über 694m höchsten Berg des Saarlandes, in Richtung Vorkastell bei Börfink. Wir folgen hier einem alten Grenzweg, der heute ein Teil des Saar-Hunsrück-Stieg Wanderweges ist. Diesen verlassen wir bei Muhl, um von dort weiter nach Börfink zu kommen. Hier steigen wir in einem weiten Bogen hinauf zum Vorkastell auf dem über 620m hohen Buhlenberg. Diese Befestigungsanlage ist wilder und weniger erschlossen als der Hunnenring. Die Anlage wurde bis heute nicht systematisch archäologisch untersucht, konnte aber anhand von Einzel- und Streufunden in die Eisenzeit datiert werden. Von einem unbewaldeten Steilhang, an dem ein großes Geröllfeld aus der abgerutschten Befestigungsmauer entstanden ist, hat man einen großartigen Ausblick über das Trauntal.

    Hunsrück - Blick vom Vorkastell über das Trauntal
    Blick vom Vorkastell über das Trauntal

    Wir lassen das Vorkastell hinter uns und machen uns auf in Richtung Allenbach, dem Ziel des ersten Tages. Die Route führt hier weiter über den Höhenzug entlang langer, gerader Forstwege. Um etwas Abwechslung in die Strecke zu bringen, beschließen wir zunächst in das Tal zwischen den beiden Hunsrück-Höhenzügen abzubiegen. Das ist auch erst einmal die richtige Entscheidung, allerdings folgt dann ein über mehrere Kilometer schnurgerades Stück entlang einer kleinen Straße, die bis nach Hüttgeswasen ständig bergauf geht. Man sollte besser dem Höhenweg folgen, um dann später nach Norden abzubiegen, Richtung Allenbach.

    Nach insgesamt über 27 Kilometern erreichen wir am frühen Abend das Hotel Steuer in Allenbach, wo uns ein gutes Abendessen und ein gutes Bett erwarten. Am nächsten Morgen lassen wir Allenbach hinter uns und steigen auf zum Ringskopf, der dritten keltischen Befestigungsanlage auf unserer Route. Der Ringskopf wurde bereits Mitte der 1930er Jahre intensiv ausgegraben und wird in das 5/4 Jh. v. Chr. datiert. Noch heute gut sichtbar sind neben den typischen Steinwällen die Reste der Kammertoranlage, die bei den Ausgrabungen 1935/36 freigelegt wurde.

    Hunsrück: Zeichnung der Toranlage des Ringskopf bei Allenbach nach W. Dehn, H. Eiden, W. Kimmig 1937
    Toranlage des Ringskopf bei Allenbach nach W. Dehn, H. Eiden, W. Kimmig 1937

    Wie auch das Vorkastell ist der Ringskopf eine beeindruckende Mischung aus Natur- und Kulturdenkmal mit steinernen Überresten der keltischen Kultur im Hunsrück und wildem, sich weitestgehend selbst überlassenem Wald. Vom sogenannten Felsenturm, der in die Befestigung integriert war, hat man einen wunderbaren Ausblick über Allenbach hinweg auf den nördlichen Höhenzug des Hunsrück mit Hoch- und Idarwald.

    Hunsrück - Der Felsenturm auf dem Ringskopf bei Allenbach
    Der Felsenturm auf dem Ringskopf bei Allenbach

    Von hier geht es wieder hinunter in Richtung Siesbach, wo wir uns den rekonstruierten römischen Grabhügel „Kipp“ aus dem 2. Jh. n. Chr. anschauen möchten, der uns eindrucksvoll vor Augen führt, wie die keltische Bevölkerung der Treverer im Hunsrück römische Sitten, Gebräuche und Kultur adaptierte. Diesen Prozess bezeichnet man auch als Romanisierung der keltischen Bevölkerung.

    Hunsrück - Römischer Grabhügel "Kipp" bei Siesbach
    Römischer Grabhügel „Kipp“ bei Siesbach

    Weiter geht es über eine alte Straße entlang an Misch- und Nadelwald, Feldern und einem Golfplatz nach Kirschweiler. Hier kommen wir wieder auf den Saar-Hunsrück-Stieg, der uns hinunter in das tief eingeschnittene Tal des Idarbaches führt und dann in Serpentinen durch große Geröllfelder, so genannte Steinrauschen, hinauf zur Wildenburg bei Kempfeld. Die Wildenburg ist wie das Vorkastell und der Ringskopf wahrscheinlich vor allem als Fluchtburg zum Schutz vor Feinden genutzt worden, und konnte durch archäologische Ausgrabungen in die Eisenzeit datiert werden. Befunde aus spätrömischer Zeit zeigen, dass während der Zeit der Germaneneinfälle die Anlage für Schutzsuchende wieder reaktiviert wurde. Im Mittelalter wurde hier eine kleine Burg errichtet, deren Name auf die Erbauer, die Wildgrafen von Kyrburg, zurückgeht. Hier wurde in jüngerer Zeit ein mittelalterlich anmutender Aussichtsturm errichtet, von dem aus man nahezu den gesamten Hunsrück überblicken kann. Innerhalb der Anlage konnten keltische Siedlungsreste aus dem 3. und 1. Jh. v. Chr. nachgewiesen werden.

    Hunsrück - Rekonstruierter "Murus Gallicus" auf der Wildenburg
    Rekonstruierter „Murus Gallicus“ auf der Wildenburg

    Zum Schluß besichtigen wir noch die rekonstruierten Befestigungsmauern, eine so genannte Pfostenschlitzmauer und ein Murus Gallicus, wie er von Julius Caesar beschrieben wurde. Diese Rekonstruktionen vermitteln am Ende der Wanderung noch einmal sehr plastisch, wie keltische Befestigungsmauern ursprünglich ausgesehen und funktioniert haben.
    In der Gaststätte in der unteren Burg kann man die Wanderung dann bei einem Bier und einem Abendessen in Ruhe ausklingen lassen, oder die mögliche, dritte Etappe zur Altburg planen.

    Fotos: Isabel Venjakob

  • HR005 Keltische Ringwälle im Hunsrück

    HR005 Keltische Ringwälle im Hunsrück

    Plan des Ringskopf bei Allenbachim Hunsrück
    Plan des Ringskopf bei Allenbachim Hunsrück

    Wie im HR001 unterhalte ich mich in Folge 5 wieder mit meinem Vater Alfred Haffner in Pulwig – Thema sind diesmal keltische Ringwälle, von denen es im Hunsrück einige gibt, die sich sehr schön in nur zwei Tagen „erwandern“ lassen. Über die Wanderung gibt es einen eigenen Blog-Beitrag im hafenradio. In dieser Folge des Hafenradios gibt es aber vorab schon viel spannendes, archäologisches Wissen zur Erforschung der keltischen Ringwälle „Hunnenring“ von Otzenhausen, „Vorkastell“ bei Börfink, dem Ringkopf bei Allenbach und der „Wildenburg“ bei Kempfeld, von den 1930er Jahren bis heute.

    Alfred Haffner in den 1960er Jahren
    Alfred Haffner in den 1960er Jahren

    Alfred hat Ur- und Frühgeschichte in Hamburg, München und Saarbrücken studiert. 1966 war er als wiss. Mitarbeiter am Institut für Vor-und Frühgeschichte und Vorderasiatische Archäologie an der Universität des Saarlandes, von 1967 – 1983 als Kustos am Rheinischen Landesmuseum Trier und zuletzt von 1983 – 2003 als Professor am Institut für Ur-und Frühgeschichte der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel tätig.

    Links zu den Themen

    Hunsrück, KeltenHunnenring Otzenhausen, Ringskopf Allenbach, Vorkastell Börfink, Römerlager bei Hermeskeil, Latènezeit

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    Christoph Haffner
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    Alfred Haffner
  • HR004 Mit der Nase im Dreck und in den Augen den Glanz der Vergangenheit

     

    … oder wie ein Donut die Geschichte Hamburgs erklärt!

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    Holz aus einem Jahrtausend

    Hafenradio war wieder unterwegs, diesmal mit dem Ziel die Geschichte unter unseren Füßen zu erkunden: es geht auf eine archäologische Ausgrabung am Hopfenmarkt in der Hamburger Innenstadt. Das Gebiet rund um den Hopfenmarkt birgt ein für Hamburg einzigartiges Bodendenkmalensemble. Hier begann vor über 900 Jahren die Entwicklung Hamburgs von der Burg zur Stadt. Auf dem 360 m² großen Grabungsfeld sind archäologische Funde der um 1061 errichteten Ringwallbefestigung der „Neuen Burg“ und der 1195 erstmals schriftlich erwähnten Hauptkirche St. Nikolai im Erdreich erhalten. Das Gebiet der Neuen Burg gilt als die Keimzelle der 1188 gegründeten Hamburger Neustadt, die durch Kaiser Friedrich Barbarossa besondere Privilegien erhielt. Mit ihr begann der Aufstieg Hamburgs als Hansestadt.

    (Video: Henning Tietz)

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    Ein Donat erklärt die Geschichte Hamburgs

    Wir treffen uns mit Kay-Peter Suchowa, dem Leiter der Ausgrabung, und befragen ihn nicht nur zur Ausgrabung; uns interessiert natürlich auch wie er zur Archäologie gekommen ist und was ihn daran so fasziniert.
    Herausgekommen ist ein tolles Gespräch mit einem Archäologen, der für seinen Job lebt und vor allem liebt. Wir können zudem Befunde sehen, die für Hamburg einmalig sind! Bauhölzer eines Walls, die heute noch so aussehen, als wenn sie eben erst im Wald geschlagen wurden.

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    Holzbefunde

    Das Archäologische Museum Hamburg bietet übrigens jeden Donnerstag von 14 bis 15 Uhr kostenlose Führungen zum aktuellen Stand der Ausgrabungen an. Da die Teilnehmerzahl begrenzt ist, ist eine verbindliche telefonische Anmeldung erforderlich. Kontakt: Dienstag bis Sonntag 10-17 Uhr unter 040 42871-2497.

     

     

     

     

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    Kay-Peter Suchowa

    Kay-Peter Suchowa hat in den neunziger Jahren in Hamburg Ur-und Frühgeschichte und Ethnologie studiert. Nach verschiedenen archäologischen Stationen in Lübeck, Hameln und Hitzacker ist er nun wieder in seiner Heimatstadt Hamburg als Leiter der stadtarchäologischen Ausgrabung am Hopfenmarkt tätig.

     

     

    Links zu den Themen

    Projekt Hopfenmarkt / Hamburg, Neue BurgOchsenweg, Slawen, Archäologischer Befund, Ringwall, Dendrochronologie, Donut

     

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    Kay-Peter Suchowa