Schlagwort: Kelten

  • HR024 Neues vom Freisener Pferdchen

    HR024 Neues vom Freisener Pferdchen

     

    Das hafenradio war wieder einmal unterwegs! Vor über einem Jahr haben wir mit Alfred Haffner über das Pferdchen von Freisen gesprochen. Aber es mussten einige noch offene Fragen der Erforschung des keltischen Pferdchens von Freisen vor Ort geklärt werden. So kam es zu einer spannenden, kleinen Exkursion zusammen mit der Archäologin Isabel Schormann.

    Relief des Freisener Pferdchens in der Schule
    Relief des Freisener Pferdchens in der Schule

    Wieder eine Vater und Sohn Folge. Alfred Haffner hat sich im letzten Jahr weiter intensiv mit dem keltischen Bronzepferdchen aus dem saarländischen Freisen beschäftigt. Wir sprechen zunächst über einige neue Erkenntnisse, vor allem was die Interpretationsmöglichkeiten der vermeintlichen zwei Schwerter angeht, die dem Toten mitgegeben wurden.

    Ehemaliger Sandabbau am Fundort des Pferdchens
    Ehemaliger Sandabbau am Fundort des Pferdchens

    Einige offene Fragen, die vor allem die sog. Rezeptionsgeschichte dieses besonderen Fundes angehen, konnten aber nur vor Ort geklärt werden. Deshalb haben wir uns nach Freisen und Berschweiler aufgemacht, um zu erfahren welche Rolle das Pferdchen heute dort spielt, wie sich der Fundplatz darstellt oder was aus der steinernen Grabstele geworden ist, die im Pfarrhaus verbaut sein soll. Auch die Wohn- und Wirkungsstätte des Ausgräbers Johann Carl Sohns haben wir in Berschweiler, nahe bei Freisen, gesucht. Einen Abstecher zum Weiselberg haben wir auch noch gemacht. Unterstützt hat uns bei alldem die Archäologin Isabel Schormann vom saarländischen Landesdenkmalamt. Wir haben Frau Schormann im Podcast fälschlicherweise „Krollmann“ genannt – nur wegen eines Versprechers von mir gleich am Anfang – Entschuldigung für die Verwirrung!

    Isabel Schormann, Alfred Haffner und das Freiester Pferdchen
    Isabel Schormann, Alfred Haffner und das Freisener Pferdchen

    Der geplante Artikel zum Pferdchen von Freisen hat mittlerweile schon den Umfang eines kleinen Büchleins erreicht und es werden nach der kleinen Exkursion sicher noch einige Abschnitte hinzukommen.
    Wir werden berichten wenn das Thema abgeschlossen ist.

    Kellerraum im Pfarrhaus Freisen
    Kellerraum im Pfarrhaus Freisen wo die ursprüngliche Treppe war

     

     

    Links zu den Themen

    Freisen,  Kelten, Plastik des Bronzepferdchens in Freisen, Keltisches Fürstengrab Eberdingen-Hochdorf – Kleine Pferdestatuetten auf dem Joch (Web-Site von 1997), Sonderausstellung Keltenmuseum Heuneburg „Der Unlinger Reiter: Kelten, Pferde, Wagenlenker“,  Gemeinschaftsschule Freisen, Weiselberg, Berschweiler, HR020 Das Pferdchen von Freisen, Sage vom “Schuss nach der Hostie” im Heimatbuch Kreis St. Wendel Bd. 1, 1948

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    Alfred Haffner
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    Christoph Haffner
  • HR020 Das Pferdchen von Freisen

    HR020 Das Pferdchen von Freisen

     

    Christoph hat sich zusammen mit seinem Vater Alfred Haffner zu Weihnachten wieder etwas Zeit genommen, um eine neue Folge Hafenpodcast aufzunehmen.

    Diesmal steht ein kleines keltisches Bronzepferdchen aus Freisen im Saarland im Mittelpunkt. Anlass ist das Weihnachtsgeschenk für die Enkeltochter und die dahinterstehende kleine Geschichte um ein gemeinsames Spiel, bei dem eine Ausstellung ganz so wie im Museum gemacht wurde.

    Das Pferdchen aus Bronze ist der einzige bekannte Originalfund eines keltischen Wagengrabes, das in der Mitte des 19. Jahrhunderts in Freisen entdeckt und „ausgegraben“ wurde – allerdings nicht unbedingt im Sinne einer wissenschaftlichen Untersuchung. Dennoch ist ein Bericht überliefert, der einige Informationen zu den Funden und den Fundumständen enthält. Wissenschaftlich bearbeitet wurde der Fund bereits in den 30er Jahren durch Wolfgang Dehn und dann auch in der Dissertation von Alfred Haffner, allerdings konnten bislang keine genauen Aussagen zur Funktion und Bedeutung des Pferdchens gemacht werden. Nun ist aber kürzlich in Baden Württemberg ein vergleichbarer Fund aufgetaucht, der vielleicht helfen kann das Pferdchen von Freisen besser zu interpretieren. Die Geschichte bleibt also spannend!

    Replik des Bronzepferdchens von Freisen
    Replik des Bronzepferdchens von Freisen

    Herausgekommen ist eine sehr persönliche Hafenpodcast-Episode.

     

    Abbildung des Originalfundes in der Zeitschrift "Germania" von 1936
    Abbildung des Originalfundes in der Zeitschrift „Germania“ von 1936

     

     

    Alfred Haffner in den 1960er Jahren
    Alfred Haffner in den 1960er Jahren

    Alfred hat Ur- und Frühgeschichte in Hamburg, München und Saarbrücken studiert. 1966 war er als wiss. Mitarbeiter am Institut für Vor-und Frühgeschichte und Vorderasiatische Archäologie an der Universität des Saarlandes, von 1967 – 1983 als Kustos am Rheinischen Landesmuseum Trier und zuletzt von 1983 – 2003 als Professor am Institut für Ur-und Frühgeschichte der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel tätig.

     

     

     

     

    Links zu den Themen

    Freisen,  Kelten, Germania (Archäologische Zeitschrift), Plastik des Bronzepferdchens in Freisen, Keltisches Fürstengrab Eberdingen-Hochdorf – Kleine Pferdestatuetten auf dem Joch (Web-Site von 1997), Sonderausstellung Keltenmuseum Heuneburg „Der Unlinger Reiter: Kelten, Pferde, Wagenlenker“, Dr. Dirk Krause, Landesarchäologe von Baden-Württemberg

     

     

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    Christoph Haffner
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    Alfred Haffner
  • HR018 Pracht und Herrlichkeit

    HR018 Pracht und Herrlichkeit

     

    Wieder eine „Update“ Folge. Der Hafenpodcast ist ein zweites mal zu Besuch im Archäologiepark Wederath Belginum. Rosemarie Cordie und Alfred Haffner führen durch die Ausstellung „Pracht und Herrlichkeit. Bewaffnung und Bekleidung keltischer Männer im Hunsrück.“ Es gibt viele Geschichten und Hintergründe zur Ausstellung und den gezeigten Objekten zu hören.

    Ausstellungsraum - Alles zur Pracht und Herrlichkeit keltischer Männer.
    Ausstellungsraum – Pracht und Herrlichkeit in Wederath Belginum

    Es geht in der Ausstellung tatsächlich nur um Männer – keltische Männer und wie sie sich im Leben und im Tod ausgestattet haben. Schwerter, Schilde, Messer, Gürtelschnallen, Fibeln, Schmuckscheiben, Trinkhorn, Kleidung… auch ein Toilettenbesteck damit die Ohren sauber, und die Fingernägel ordentlich geschnitten sind.

    Rekonstruktion des Keltisches Schwertes aus Siebbach
    Rekonstruktion des Keltisches Schwertes aus Siebbach

    Das Leitmotiv der Ausstellung ist die Gegenüberstellung archäologischer Funde und deren Rekonstruktion. So wird dem Besucher vor Augen geführt, wie die Ausstattung eines keltischen Mannes wirkte und welche handwerkliche Fähigkeiten zur Herstellung notwendig waren.

    Die Ausstellung im Archäologiepark Wederath Belginum ist noch bis zum 5. November 2017 zu sehen und es gibt eine Begleitpublikation zum Preis von 19,90 Euro.

    Rosemarie Cordie und Alfred Haffner
    Rosemarie Cordie und Alfred Haffner

    Rosemarie hat Vor- und Frühgeschichte studiert. Sie ist die Leiterin des Archäologieparks Belginum bei Morbach im Hunsrück und als wissenschaftliche Mitarbeiterin im Fach Klassische Archäologie der Universität Trier tätig. Ihre Forschungsschwerpunkte sind Eisenzeit, Siedlungs- und Gräberarchäologie, Archäologie Belginums und seines Umlands, Romanisierung sowie die Vermittlung und Präsentation archäologischer Inhalte.

    Alfred hat Ur- und Frühgeschichte in Hamburg, München und Saarbrücken studiert. 1966 war er als wiss. Mitarbeiter am Institut für Vor-und Frühgeschichte und Vorderasiatische Archäologie an der Universität des Saarlandes, von 1967 – 1983 als Kustos am Rheinischen Landesmuseum Trier und zuletzt von 1983 – 2003 als Professor am Institut für Ur-und Frühgeschichte der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel tätig.

     

    Links zu den Themen

    Archäologiepark Belginum, WederathKelten, Sonderausstellung „Pracht und Herrlichkeit“, Hochscheid, Siebbach

     

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    Christoph Haffner
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    Rosemarie Cordie
  • HR012 Kelten und Römer in Belginum

    HR012 Kelten und Römer in Belginum

     

    An der heutigen sogenannten „Hunsrückhöhenstraße„, nahe der Ortschaft Wederath, liegt der Archäologiepark Belgium. Seit mehr als sechzig Jahren wird hier ein archäologisches Ensemble aus Gräberfeld und zugehöriger Siedlung ausgegraben und erforscht.

    Museum des Archäologieparks Belgium bei Wederath
    Museum des Archäologieparks Belginum

    Schon in keltischer Zeit lag diese Region verkehrsgeografisch günstig an der Route zwischen Mainz und Trier. Diese Trasse hat in römischer Zeit weiter an Bedeutung gewonnen und spiegelt in den archäologischen Hinterlassenschaften von Belginum den Kulturwandel wieder, der heute als Romanisierung der indigenen keltischen Bevölkerung bezeichnet wird. Seit 2002 wird den Besuchern des Archäologieparks die über tausendjährige Geschichte dieses  Ortes in einer Ausstellung und Rekonstruktionen im Freigelände vermittelt.

    Christoph vom hafenradio besucht hier Rosemarie Cordie und Alfred Haffner, die ein Großteil ihrer archäologischen Arbeit mit diesem Ort verbindet.

    Rosemarie Cordie und Alfred Haffner im Museum des Archäologieparks vor einer großen Übersichtskarte
    Rosemarie Cordie und Alfred Haffner im April 2016 im Museum des Archäologieparks

    Rosemarie hat Vor- und Frühgeschichte studiert. Sie ist die Leiterin des Archäologieparks Belginum bei Morbach im Hunsrück und als wissenschaftliche Mitarbeiterin im Fach Klassische Archäologie der Universität Trier tätig. Ihre Forschungsschwerpunkte sind Eisenzeit, Siedlungs- und Gräberarchäologie, Archäologie Belginums und seines Umlands, Romanisierung sowie die Vermittlung und Präsentation archäologischer Inhalte.

    Alfred hat Ur- und Frühgeschichte in Hamburg, München und Saarbrücken studiert. 1966 war er als wiss. Mitarbeiter am Institut für Vor-und Frühgeschichte und Vorderasiatische Archäologie an der Universität des Saarlandes, von 1967 – 1983 als Kustos am Rheinischen Landesmuseum Trier und zuletzt von 1983 – 2003 als Professor am Institut für Ur-und Frühgeschichte der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel tätig.

     

    Links zu den Themen

    Archäologiepark Belginum, Wederath, Vicus, Kelten, Römer, RomanisierungTabula Peutingeriana, Ausonius, HunsrückSWR2 Radiobeitrag 2015 – Interview mit Rosemarie zu Belgium

     

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    Rosemarie Cordie
  • HR009 Kastel – Staadt – „Kult“- Berg an der Saar

    HR009 Kastel – Staadt – „Kult“- Berg an der Saar

    Das Hafenradio ist jetzt ein Jahr mit diversen Podcast- und Blog-Beiträgen online. Das haben wir zum Anlass genommen, einen weiteren Podcast mit Alfred Haffner aufzunehmen nachdem wir gemeinsam Ende Dezember 2014 die erste Folge produziert haben.

    Diesmal haben wir eine kleine Exkursion an einen ganz besonderen Ort an der Saar unternommen: Kastel – Staadt. Der Ort liegt auf einem Felsplateau hoch über dem Fluß und hat eine gleichermaßen spannende und besondere Geschichte vorzuweisen. Bereits in keltischer Zeit befand sich eine Befestigungsanlage auf dem durch seine landschaftlichen Besonderheiten perfekt geeignetem Berg. Die Besiedlung des Plateaus setzt sich kontinuierlich durch die Römer- und Merowingerzeit, das Mittelalter hindurch bis in die Neuzeit kontinuierlich fort.

    Blick auf das teilrekonstruierte Römische Theater am östlichen Rand des Plateaus
    Teilrekonstruiertes Römisches Theater

    In der jüngeren Geschichte hat die Klause bei Kastel am felsigen Steilhang zur Saar hin die letzte Ruhestätte des „Blinden Königs“ Johann von Böhmen beherbergt, der nach dem zweiten Weltkrieg nach Luxemburg überführt wurde.

    Aussichtsplattform mit Blick auf die Klause bei Kastei-Staat am Steilhang zur Saar.
    Klause bei Kastel-Staat

    Auch wurde hier ein Soldatenfriedhof angelegt auf dem deutsche Soldaten beerdigt wurden, die in den letzten Monaten des Krieges gefallen sind, darunter viele sehr junge Männer und Jugendliche die hier unnötig ihr Leben lassen mussten.

    Auch die alte Kirche St. Johannis von Kastel liegt auf dem Felssporn; im Ort selbst wurde nach dem zweiten Weltkrieg eine moderne Kirche errichtet. Ein weiteres besonderes Gebäude im Ort selbst ist die Schule, die nach Plänen des berühmten preußischen Baumeisters Karl Friedrich Schinkel 1840 erbaut wurde. Wie es dazu kam kann man in der nunmehr neunten Folge des Hafenradios erfahren!

    Von Karl Friedrich Schinkel entworfenes Schulgebäude in Kastel
    Schulgebäude in Kastel
    Alfred Haffner im Dezember 2015 auf dem Felsplateau bei Kastel.
    Alfred Haffner im Dezember 2015

    Alfred hat Ur- und Frühgeschichte in Hamburg, München und Saarbrücken studiert. 1966 war er als wiss. Mitarbeiter am Institut für Vor-und Frühgeschichte und Vorderasiatische Archäologie an der Universität des Saarlandes, von 1967 – 1983 als Kustos am Rheinischen Landesmuseum Trier und zuletzt von 1983 – 2003 als Professor am Institut für Ur-und Frühgeschichte der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel tätig.

    Links zu den Themen

    Kastel-Staadt, Klause KastelSaarburg, MartbergJohann von Böhmen (Der Blinde König), Karl Friedrich Schinkel, Römisches Theater, Ehrenfriedhof Kassel,

    Fotos: Isabel Venjakob
    Reinhard Schindler Zitat: Marie Venjakob

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    Christoph Haffner
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    Alfred Haffner
  • Vier keltische Ringwälle und ein römischer Grabhügel in zwei Tagen

    Vier keltische Ringwälle und ein römischer Grabhügel in zwei Tagen

    1995 bin ich mit meinem Vater und meinem Bruder zwei Tage durch den Hunsrück gewandert, von Otzenhausen über einen Höhenzug bis nach Kempfeld. Die Idee war, an diesen zwei Tagen insgesamt vier keltische Befestigungsanlagen, sogenannte Ringwälle, und einen rekonstruierten, römischen Grabhügel zu besuchen. Diese kleine Wandertour ist mir als eine wunderbare Kombination aus Naturerlebnis und archäologischen Denkmälern in Erinnerung geblieben, ganz abgesehen davon, dass es ein sehr schönes und, wie so oft, zu seltenes, intensives Verbringen gemeinsamer Zeit war.

    Im Mai 2015, gute zwanzig Jahre später, haben meine Frau und ich beschlossen, diese Wanderung zu wiederholen und zwei Tage lang den Hunsrück zu genießen. Die spannende archäologische Geschichte zu den Ringwällen und deren Erforschung habe ich in einem Gespräch mit meinem Vater im HR005 Podcast festgehalten – so kann sich jeder, der sich für keltische Kultur, Wallanlagen und Oppida interessiert, oder diese Route ebenfalls wandern möchte, mit umfangreichem Hintergrundwissen aus erster Hand versorgen.

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    Wie 1995 beginnen wir unsere Tour am Parkplatz des Hunnenrings von Otzenhausen, der im äußersten Nordosten des Saarlandes liegt. Von dort geht es über einen Höhenweg weiter Richtung Vorkastell bei Börfink. Der Höhenweg folgt einem alten Grenzweg und ist heute Teil der sehr schönen Saar-Hunsrück-Stieg Wanderroute. Vom Vorkastell geht es weiter nach Allenbach, wo wir im Hotel Steuer übernachten. Am zweiten Tag steigen wir auf zur dritten Burganlage auf dem Ringskopf nahe Allenbach und von dort hinunter Richtung Siesbach, wo wir einen rekonstruierten, römischen Grabhügel besuchen. Die letze Etappe führt dann über Kirschweiler und das tief eingeschnittene Tal des Idarbaches, durch eindrucksvolle Geröllfelder – im Volksmund „Steinrauschen“ genannt – hinauf zur Wildenburg bei Kempfeld, dem Ziel unserer Wanderung. Wenn man sich einen dritten Tag Zeit nimmt, kann man noch eine weitere keltische Befestigungsanlage einbeziehen, die Altburg bei Bundenbach.

    Hunsrück - Abschnittswall Hunnenring bei Otzenhausen
    Abschnittswall Hunnenring bei Otzenhausen

    Die Befestigungsanlagen liegen allesamt auf einem Höhenzug, der dem höheren und größeren Bergrücken des Hunsrücks, bestehend aus dem Hochwald und dem Idarwald, südöstlich vorgelagert ist. Auf diesem Höhenzug finden sich also nicht die höchsten Erhebungen mit dem Erbeskopf (816 m) und Idarkopf (745 m), aber er ist weit aus mehr zergliedert und weist immer wieder exponierte Kuppen und Gipfel auf. Diese eignen sich wegen meist mehrerer steil abfallender Hänge hervorragend für die Anlage einer Befestigung. Somit gestaltet sich die Wanderung auch in vielen Abschnitten sehr abwechslungsreich und lediglich zwischen dem Vorkastell und dem Ringskopf bei Allenbach galt es einige monotonere Abschnitte auf schnurgeraden Forstwegen zu überwinden.

    Der Hunnenring von Otzenhausen ist bestimmt die beeindruckenste Anlage, vor allem der noch heute über zehn Meter hohe Abschnittswall lässt die Größe der Befestigung erahnen. Am Fuße des Berges wird derzeit ein Freilichtmuseum aufgebaut, das einen guten und lebendigen Eindruck vermitteln soll, wie eine keltische Siedlung der späten Eisenzeit ausgesehen und funktioniert hat. Die ca. 17ha große Innenfläche wurde nach Süden, Westen und Osten durch ein doppeltes Mauersystem gesichert, nach Norden durch den noch heute mehr als 10m hohen Abschnittswall. Auf dem Hunnenring konnte eine spätkeltische Bebauung aus dem 2. und 1. Jahrhundert v. Chr. nachgewiesen werden. Aufgegeben wurde die Anlage um 50 v. Chr., etwa  zeitgleich mit dem Auftauchen eines römischen Militärlagers, das einige Kilometer entfernt mit einer Sichtverbindung errichtet wurde. Der Hunnenring kann wahrscheinlich als ein relativ kleines, sogenanntes Oppidum interpretiert werden. Oppida waren soziale, wirtschaftliche, religiöse und militärische Zentren in einer keltischen Stammesregion.

    Vom Hunnenring geht es über einen Höhenweg weiter über den Dollberg, den mit über 694m höchsten Berg des Saarlandes, in Richtung Vorkastell bei Börfink. Wir folgen hier einem alten Grenzweg, der heute ein Teil des Saar-Hunsrück-Stieg Wanderweges ist. Diesen verlassen wir bei Muhl, um von dort weiter nach Börfink zu kommen. Hier steigen wir in einem weiten Bogen hinauf zum Vorkastell auf dem über 620m hohen Buhlenberg. Diese Befestigungsanlage ist wilder und weniger erschlossen als der Hunnenring. Die Anlage wurde bis heute nicht systematisch archäologisch untersucht, konnte aber anhand von Einzel- und Streufunden in die Eisenzeit datiert werden. Von einem unbewaldeten Steilhang, an dem ein großes Geröllfeld aus der abgerutschten Befestigungsmauer entstanden ist, hat man einen großartigen Ausblick über das Trauntal.

    Hunsrück - Blick vom Vorkastell über das Trauntal
    Blick vom Vorkastell über das Trauntal

    Wir lassen das Vorkastell hinter uns und machen uns auf in Richtung Allenbach, dem Ziel des ersten Tages. Die Route führt hier weiter über den Höhenzug entlang langer, gerader Forstwege. Um etwas Abwechslung in die Strecke zu bringen, beschließen wir zunächst in das Tal zwischen den beiden Hunsrück-Höhenzügen abzubiegen. Das ist auch erst einmal die richtige Entscheidung, allerdings folgt dann ein über mehrere Kilometer schnurgerades Stück entlang einer kleinen Straße, die bis nach Hüttgeswasen ständig bergauf geht. Man sollte besser dem Höhenweg folgen, um dann später nach Norden abzubiegen, Richtung Allenbach.

    Nach insgesamt über 27 Kilometern erreichen wir am frühen Abend das Hotel Steuer in Allenbach, wo uns ein gutes Abendessen und ein gutes Bett erwarten. Am nächsten Morgen lassen wir Allenbach hinter uns und steigen auf zum Ringskopf, der dritten keltischen Befestigungsanlage auf unserer Route. Der Ringskopf wurde bereits Mitte der 1930er Jahre intensiv ausgegraben und wird in das 5/4 Jh. v. Chr. datiert. Noch heute gut sichtbar sind neben den typischen Steinwällen die Reste der Kammertoranlage, die bei den Ausgrabungen 1935/36 freigelegt wurde.

    Hunsrück: Zeichnung der Toranlage des Ringskopf bei Allenbach nach W. Dehn, H. Eiden, W. Kimmig 1937
    Toranlage des Ringskopf bei Allenbach nach W. Dehn, H. Eiden, W. Kimmig 1937

    Wie auch das Vorkastell ist der Ringskopf eine beeindruckende Mischung aus Natur- und Kulturdenkmal mit steinernen Überresten der keltischen Kultur im Hunsrück und wildem, sich weitestgehend selbst überlassenem Wald. Vom sogenannten Felsenturm, der in die Befestigung integriert war, hat man einen wunderbaren Ausblick über Allenbach hinweg auf den nördlichen Höhenzug des Hunsrück mit Hoch- und Idarwald.

    Hunsrück - Der Felsenturm auf dem Ringskopf bei Allenbach
    Der Felsenturm auf dem Ringskopf bei Allenbach

    Von hier geht es wieder hinunter in Richtung Siesbach, wo wir uns den rekonstruierten römischen Grabhügel „Kipp“ aus dem 2. Jh. n. Chr. anschauen möchten, der uns eindrucksvoll vor Augen führt, wie die keltische Bevölkerung der Treverer im Hunsrück römische Sitten, Gebräuche und Kultur adaptierte. Diesen Prozess bezeichnet man auch als Romanisierung der keltischen Bevölkerung.

    Hunsrück - Römischer Grabhügel "Kipp" bei Siesbach
    Römischer Grabhügel „Kipp“ bei Siesbach

    Weiter geht es über eine alte Straße entlang an Misch- und Nadelwald, Feldern und einem Golfplatz nach Kirschweiler. Hier kommen wir wieder auf den Saar-Hunsrück-Stieg, der uns hinunter in das tief eingeschnittene Tal des Idarbaches führt und dann in Serpentinen durch große Geröllfelder, so genannte Steinrauschen, hinauf zur Wildenburg bei Kempfeld. Die Wildenburg ist wie das Vorkastell und der Ringskopf wahrscheinlich vor allem als Fluchtburg zum Schutz vor Feinden genutzt worden, und konnte durch archäologische Ausgrabungen in die Eisenzeit datiert werden. Befunde aus spätrömischer Zeit zeigen, dass während der Zeit der Germaneneinfälle die Anlage für Schutzsuchende wieder reaktiviert wurde. Im Mittelalter wurde hier eine kleine Burg errichtet, deren Name auf die Erbauer, die Wildgrafen von Kyrburg, zurückgeht. Hier wurde in jüngerer Zeit ein mittelalterlich anmutender Aussichtsturm errichtet, von dem aus man nahezu den gesamten Hunsrück überblicken kann. Innerhalb der Anlage konnten keltische Siedlungsreste aus dem 3. und 1. Jh. v. Chr. nachgewiesen werden.

    Hunsrück - Rekonstruierter "Murus Gallicus" auf der Wildenburg
    Rekonstruierter „Murus Gallicus“ auf der Wildenburg

    Zum Schluß besichtigen wir noch die rekonstruierten Befestigungsmauern, eine so genannte Pfostenschlitzmauer und ein Murus Gallicus, wie er von Julius Caesar beschrieben wurde. Diese Rekonstruktionen vermitteln am Ende der Wanderung noch einmal sehr plastisch, wie keltische Befestigungsmauern ursprünglich ausgesehen und funktioniert haben.
    In der Gaststätte in der unteren Burg kann man die Wanderung dann bei einem Bier und einem Abendessen in Ruhe ausklingen lassen, oder die mögliche, dritte Etappe zur Altburg planen.

    Fotos: Isabel Venjakob

  • HR005 Keltische Ringwälle im Hunsrück

    HR005 Keltische Ringwälle im Hunsrück

    Plan des Ringskopf bei Allenbachim Hunsrück
    Plan des Ringskopf bei Allenbachim Hunsrück

    Wie im HR001 unterhalte ich mich in Folge 5 wieder mit meinem Vater Alfred Haffner in Pulwig – Thema sind diesmal keltische Ringwälle, von denen es im Hunsrück einige gibt, die sich sehr schön in nur zwei Tagen „erwandern“ lassen. Über die Wanderung gibt es einen eigenen Blog-Beitrag im hafenradio. In dieser Folge des Hafenradios gibt es aber vorab schon viel spannendes, archäologisches Wissen zur Erforschung der keltischen Ringwälle „Hunnenring“ von Otzenhausen, „Vorkastell“ bei Börfink, dem Ringkopf bei Allenbach und der „Wildenburg“ bei Kempfeld, von den 1930er Jahren bis heute.

    Alfred Haffner in den 1960er Jahren
    Alfred Haffner in den 1960er Jahren

    Alfred hat Ur- und Frühgeschichte in Hamburg, München und Saarbrücken studiert. 1966 war er als wiss. Mitarbeiter am Institut für Vor-und Frühgeschichte und Vorderasiatische Archäologie an der Universität des Saarlandes, von 1967 – 1983 als Kustos am Rheinischen Landesmuseum Trier und zuletzt von 1983 – 2003 als Professor am Institut für Ur-und Frühgeschichte der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel tätig.

    Links zu den Themen

    Hunsrück, KeltenHunnenring Otzenhausen, Ringskopf Allenbach, Vorkastell Börfink, Römerlager bei Hermeskeil, Latènezeit

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    Christoph Haffner
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    Alfred Haffner
  • HR001 Kelten – Römer – Germanen und Archäologen

     

    In der ersten hafenradio-Folge bin ich, Christoph, zu Besuch bei meinem Vater – Alfred Haffner – in der Nähe von Trier. Es geht um ein ganzes Archäologenleben im Zeitraffer, ein ausschlaggebendes Seminar zum Pferd in der Urgeschichte, die Kelten und deren “Romanisierung” und ein besonderes Verhältnis zu Frankreich. Wir haben schon fast zu viele Themen angerissen – aber so bleiben noch einige übrig, denen man eine eigene Folge widmen könnte. Wir starten den Podcast also direkt mit einer Sendung, die nicht hamburgspezifisch ist. Hamburg wird aber in vieler Hinsicht eine gewisse Rolle spielen – die Verbindung zu unserer schönen Stadt ist also vorhanden.

    Wir starten das hafenradio mit der Idee, alles was wir aufnehmen so wie es ist, ungeschnitten zu veröffentlichen.

    Alfred_Haffner

     Alfred Haffner im Dezember 2014

    Alfred hat Ur- und Frühgeschichte in Hamburg, München und Saarbrücken studiert. 1966 war er als wiss. Mitarbeiter am Institut für Vor-und Frühgeschichte und Vorderasiatische Archäologie an der Universität des Saarlandes, von 1967 – 1983 als Kustos am Rheinischen Landesmuseum Trier und zuletzt von 1983 – 2003 als Professor am Institut für Ur-und Frühgeschichte der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel tätig.



    Links zu den Themen

    Vor- und FrühgeschichteLehrstuhl für Vor- und Frühgeschichte und Vorderasiatische Archäologie (Universität des Saarlandes), Rolf Hachmann (Archäologe), Tell Kamid el-Loz (Libanon), Rheinisches Landesmuseum TrierReinhard Schindler (Archäologe), Archäologiepark Belginum (Wederath/Hunsrück), Romanisierung, Kelten, Hunsrück-Eifel-KulturInstitut für Ur-und Frühgeschichte (Christian Albrechts Universität Kiel), Das Fürstinnengrab von Vix (Burgund/Frankreich), Musée du Pays Châtillonnais (Châtillon sur Seine/Burgund/Frankreich), Mont Beuvrai / Bibracte (Burgund/Frankreich), Francois Mitterand (ehem. französischer Präsident)

     

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