Schlagwort: Harburg

  • HR032 – Framespotting

    HR032 – Framespotting

    Ein ganz besonderer Stadtrundgang durch Harburg

    Über ein Jahr Pandemie liegt hinter uns und ihr habt lange nichts von uns gehört. Heute haben wir endlich wieder jemanden vor dem Mikro und auf diesen Gesprächspartner haben wir uns besonders gefreut!

    Bierflasche aus Harburger Brauerei im Vordergrund - unscharf im Hintergrund Christoph mit Bild in der Hand
    Ein Bier aus einer hiesigen Brauerei darf nicht fehlen

    Die älteren Semester werden sich vielleicht erinnern, in den 1970er Jahren rief eine große Hamburger Tageszeitung zu einer Schnitzeljagd durch Hamburg auf. Die Leser*innen sollten den „Mann mit dem Koffer“ suchen und wer ihn als erster traf, durfte den Koffer, der mit einer gewissen Geldsumme gefüllt war, behalten. In der Zeitung fand man den einen oder anderen Hinweis zu dem Aufenthaltsort des „Manns mit dem Koffer“ und selbstverständlich waren es oftmals Orte, die den meisten Hamburger*innen bekannt waren. An diese Aktion fühlten wir uns sofort erinnert, als im Hamburg Journal des NDR das Projekt von Paul aka @framespotting_hh, so sein Instagram-Name, vorgestellt wurde.

    Im Tunnel unter der Buxtehuder Straße findet das erste Foto seinen Platz
    Im Tunnel unter der Buxtehuder Straße findet das erste Foto seinen Platz

    Paul ist Hobbyfotograf, der aus beruflichen Gründen in der Welt weit herumgekommen ist und auf seinen Reisen immer eine Kamera dabei hatte. Diese Fotos, zusammen mit den von ihm selbst entwickelten und gebauten Holzrahmen aus alten Pitchpine-Dielen, verteilt er auf langen Spaziergängen nicht nur in Hamburg, sondern auch auf seinen Reisen mit der Familie wie kürzlich ins Allgäu. So entstehen spontane Ausstellungen an zufälligen ausgewählten Orten im öffentlichen Raum und auf diese Weise hat Paul mittlerweile über 300 Fotos in die Welt getragen. Passanten, die diese Fotos in der Stadt finden und mit nach Hause nehmen möchten, sind dazu herzlich eingeladen.  Die einzige Gegenleistung, wenn man das überhaupt so bezeichnen darf, die der Fotograf Paul sich wünscht, ist, dass die neuen Besitzer*innen ihren Fund auf Instagram oder über seine Homepage (https://frame-spotting.com ) veröffentlichen.

    Bei bestem Wetter im Harburger Binnenhafen: auf der Zitadellen Brücke wird das zweite Foto angebracht
    Bei bestem Wetter im Harburger Binnenhafen: auf der Zitadellen Brücke wird das zweite Foto angebracht

    Seine Leidenschaft für die Fotografie und die Idee, die Fotos in die Stadt zu tragen, um sie dort zu verschenken, hat uns direkt angesprochen. Es ist Street Art der ganz besonderen Art, denn genau diese Idee, die analoge Kunst im städtischen Raum bereitzustellen und anschließend im, wenn man so will, digitalen Raum durch den Finder zu veröffentlichen, war für uns der Grund, Paul für einen Podcast zu gewinnen. Hinzu kommt, dass dieses Projekt noch einen spielerischen Aspekt hat, die die Finder*innen und Follower, davon gibt es mittlerweile einige, animiert, sich auf eine Art „Schnitzeljagd durch die Stadt“ einzulassen.

    Paul und Christoph von hinten su sehen - schauen auf die Brücke im Binnenhafen
    …und angespannt auf die Finder*innen gewartet!

    Für die heutige Folge unseres Hafenradios haben wir übrigens mit Paul einen Rundgang durch Harburg gewagt und dabei über sein Projekt, unseren Spaß an der Fotografie und, wie sollte es anders sein, die Stadtgeschichte von Harburg gesprochen. Mit dem Mikro in der Hand starteten wir am AMH und gingen zum Harburger Rathaus, von dort ging es zunächst zum Marktplatz Am Sand, dann an der Lämmertwiete vorbei und durch die Schloßstraße zum Kanalplatz im Binnenhafen. Die Harburger unter euch werden diese Route sicher kennen und vielleicht hat der eine oder die andere auch eines der beiden Fotos entdeckt, die Paul während der Tour gehängt hat. Bei diesem Gang durch die Gemeinde hatten wir uns viel zu erzählen und Harburg steuerte seinen ganz eigenen Sound dazu bei.

    Zitat

    Er sagt selbst: „Framespotting ist meine Art, Menschen meine Bilder näher zu bringen. Vor allem aber verschenke ich mit Framespotting Freude. Meine Galerie ist die Straße und diese Galerie ist oft nur sehr kurz präsent, denn jeder, der mein Bild findet, darf dieses auch behalten. Ich möchte mit Framespotting erreichen, dass Menschen mit offenen Augen durch die Welt gehen, mehr aufeinander achten und sich wieder über die kleinen Dinge des Lebens freuen. Framespotting soll etwas sein, worüber man sich noch lange zu Hause freuen kann.“

    Links zu den Themen
    Framespotting auf Instagram, Framespotting Home Page, Bericht Hamburg Journal des NDR, Bericht SAT1 Regional, Beitrag kiekmo „Fünf kleine Streetart Freuden in Hamburg“, Harburger Binnenhafen, Lämmertwiete Harburg – Wikipedia

  • HR025 Lost Places

    HR025 Lost Places

     

    Das Hafenradio betritt mit seiner Folge 25 vergessenes Land. Diesmal geht es weder um Archäologie noch Museum oder um (Stadt-)Geschichte. Und unseren Gast Marcus Burzinski haben wir ebenfalls auf neue Art und Weise „shanghait“. Er wurde von Michael auf Instagram gefunden und kontaktiert, da er sich dort als Fotograf in einem besonderen Genre tummelt. Marcus aka razonimagelab, ein echter Hamburger Jung‘ aus „Finkwarder“, fotografiert mit Vorliebe sogenannte „Lost Places“. Schon deshalb ist unsere neue Folge anders als die anderen, sie beginnt als ein Mini-Instameet, natürlich in einem Lost Place.

    Unser Gast: Marcus Burzinski
    Unser Gast: Marcus Burzinski (Instagram @razonimagelab)

    Erstmal ist aber zu klären, was genau ein Lost Place ist. Wikipedia schreibt dazu: „Der Ausdruck Lost Place ist ein Pseudoanglizismus und bedeutet sinngemäß ‚vergessener Ort‘. (…) Meistens handelt es sich um Bauwerke aus der jüngeren Geschichte, die entweder noch nicht historisch aufgearbeitet (bzw. erfasst) worden sind oder aufgrund ihrer geringen Bedeutung kein allgemeines Interesse finden und daher nicht als besonders erwähnenswert gelten.(…)“.
    Kurz gesagt, geht es um verlassene Gebäude, oftmals stillgelegte Fabriken, die von der Natur zurückerobert und teilweise von der Graffitiszene eingenommen werden.

    Vogelperspektive: Eine verlassene Fabrikhalle mit einem Graffiti von Plotbot KEN
    Vogelperspektive: Eine verlassene Fabrikhalle mit einem Graffiti von Plotbot KEN (Instagram @ken_plotbot)

    Lost Places sind momentan übrigens sehr populär! Möbelhäuser verkaufen in ihren Dekoabteilungen aufwendig gerahmte Hochglanzdrucke von verlassenen Klöstern oder Herrenhäusern, Fotowettbewerbe auf den sozialen Plattformen und auch Ausstellungen widmen sich mittlerweile ebenfalls diesem Thema. Die Suche nach verlassenen Orten wird als „urban exploration“, kurz „urbex“, bezeichnet und ist längst Hobby einer recht großen, internationalen Community geworden. Allein das Wort „exploration“ (Erkundung) spiegelt den Abenteuergeist wider, der die Lostplacehunters antreibt.

    Herrschaftlich: Entree eines Herrenhauses in Nordwestmecklenburg.
    Herrschaftlich: Entree eines Herrenhauses in Nordwestmecklenburg.

    Um in die richtige Stimmung zu kommen, haben wir uns mit Marcus zunächst in einem Lost Place in Harburg getroffen, ein wenig fotografiert und „Lost Place-Atmosphäre“ aufgenommen. Wie aus der Zeit gefallen wirken die Räume einer seit 2009 aufgegebenen Fabrik auf uns.

    Freiräume: Der Charme von verlassenen Fabrikräumen aus dem frühen 20. Jahrhundert.

    Freiräume: Der Charme von verlassenen Fabrikräumen aus dem frühen 20. Jahrhundert.

     

    Freiräume: Der Charme von verlassenen Fabrikräumen aus dem frühen 20. Jahrhundert.
    Freiräume: Der Charme von verlassenen Fabrikräumen aus dem frühen 20. Jahrhundert.

    Die Atmosphäre von einerseits Vergänglichkeit der Bauten und andererseits Kraft der Natur, die bei der ersten Gelegenheit auf Beton wieder Leben erschafft, nahmen uns vollkommen ein. Dass in diesen Gebäuden vor gar nicht allzu langer Zeit hunderte Menschen gearbeitet haben, ist in allen Räumen zu spüren.

    Durchblick: Toiletten und Waschraum einer „nachgenutzten“ Fabrik.
    Durchblick: Toiletten und Waschraum einer „nachgenutzten“ Fabrik.

    Die Toiletten in den heute weitgehend zerstörten Waschräumen, vergessene Unterlagen in einem Aktenordner auf der Fensterbank einer Maschinenhalle  oder die durchgetretenen Stufen der Treppen  – all das wirkt wie eine Zeitkapsel.

    Dokumentiert: Aktenordner mit Unterlagen zu verwendeten Inhaltsstoffen.
    Dokumentiert: Aktenordner mit Unterlagen zu verwendeten Inhaltsstoffen.

    Aufstieg: Treppenhaus mit Graffiti
    Aufstieg: Treppenhaus mit Graffiti

    Wie schnell der Verfall dieser teilweise bereits Anfang des 19. Jahrhunderts gebauten Gebäude einsetzt, ist deutlich zu sehen und zu fühlen: Wir treten auf zerbrochenes Glas, in den Kellern steht das Wasser und besonders eindrucksvoll ist eine kleine, leuchtendgrüne Farnpflanze, die ihre ökologische Nische auf dem vom Regen nassen Teppich eines ehemaligen Büros gefunden hat.

    Nature strikes back: Farn und Spraydose in einem ehemaligen Büro.
    Nature strikes back: Farn und Spraydose in einem ehemaligen Büro.

    Das Phänomen „der künstlerischen Nachnutzung“ durch Graffitisprayer begegnete uns ebenfalls in den meisten Räumen. Die vielfach eindrucksvollen Pieces gehen häufig auf die Architektur ein und geben der Ästhetik des Verfalls eine bunte, schmückende, fast tröstliche Note.

    Farbig: Streetart auf Kantinentür und im Labor der Fabrik.

    Farbig: Streetart auf Kantinentür und im Labor der Fabrik.
    Farbig: Streetart auf Kantinentür und im Labor der Fabrik.

    Unser anschließender Podcast zeigte, dass sich die Vorstellungen und Welten von Archäologen und Lost Place-Jägern kaum unterscheiden. Wir betreiben jeder auf seine Art eine Spurensuche, bei der wir uns nicht nur die die Frage stellen, wer an den von uns besuchten Orten gearbeitet oder gelebt hat, wir sind auch Dokumentierende dieser verlorenen Orte.

    Unberührt: Die Speisekammer eines verlassenen Bauerhauses.
    Unberührt: Die Speisekammer eines verlassenen Bauerhauses.

    Sicherlich haben wir verschiedene Ansprüche an die Art und Weise des Umgangs mit diesen Plätzen! Wie sich die Ansprüche von Urbexern und Archäologen unterscheiden, war auch Thema des Gesprächs mit Marcus.
    Und was machen nun Archäologen, die sich zum einen professionell mit oftmals vorgeschichtlichen Lost Places beschäftigen dürfen und gleichzeitig liebend gerne verlassene Orte fotografieren? Sie laden sich einen Urban Explorer ein und reden mit ihm darüber – seht und hört selbst.

     

    Links zu den Themen

    Lost Places, Urban Exploration, Graffiti, Hamburg Finkenwerder, razonimagelab auf Instagramm, razonimagelab Website, Zimmer eines französischen Soldaten von 1914 (spiegel-online), Publikation der Universität Hamburg zum Thema

     

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    Michael Merkel
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    Christoph Haffner
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    Marcus Burzinski

  • HR011 Wie die Skythen nach Hamburg kamen

    HR011 Wie die Skythen nach Hamburg kamen

     

    Das Hafenradio trifft im Archäologischen Museum Hamburg den ehemaligen Direktor des Hauses Dr. Ralf Busch. Das „Gold der Skythen“ – für Christoph und Michael ist es eine Reise in ihre studentische Vergangenheit, für unsere Zuhörer wird es ein besonders interessanter Ausflug in die eurasische Vergangenheit und wie es dazu kam, dass ein kleines Museum es schaffte, eine der ganz großen archäologischen Ausstellungen in Deutschland zu realisieren. Um das zu erreichen war es nötig, die Politik bis hin zum damaligen Bundeskanzler Helmut Kohl zu aktivieren.

    Katalog "Gold der Skythen" zur Ausstellung von 1993
    Das Gold der Skythen

    Dann geht die Reise weiter zurück in das Studentenleben der Nachwuchsarchäologen in den 1960er Jahren in Göttingen, Hamburg und Wien. Der Spannungsboden reicht vom so genannten „Schleswiger Kreis“ über das Römisch-Germanische-Zentralmuseum bis hin zur Zeitschrift „Mannus“. Die hoch politischen Themen jener Zeit, die bestimmt auch heute wieder sehr aktuell sind, können wir aber nur relativ kurz anreißen – somit bleibt das Thema einer immer wieder durch unterschiedliche Ideologien beeinflussten Archäologie mit einem großen Ausrufezeichen auf unserer Themenliste.

    Dr. Ralf Busch 2016 im Archäologischen Museum Hamburg - Gold der Skythen und Studieren in den 60er Jahren
    Dr. Ralf Busch 2016 im Archäologischen Museum Hamburg

     

    Prof. Dr. Ralf Busch wurde 1942 in Berlin geboren, 1945 kam er im Zuge der Kriegsereignisse nach Celle. Er studierte von 1965 bis 1974 an der Georg-August-Universität Göttingen die Fächer Ur- und Frühgeschichte, Kunstgeschichte und Deutsche Volkskunde und Anthropologie, während dieser Zeit verbrachte er zwei Semester an der Universität Wien. 1967 wurde er ehrenamtlicher Archivar und Ortheimatpfleger in Bovenden,  1970 freier Mitarbeiter des Städtischen Museum Göttingen, wo er die Schausammlung  der Ur- und Frühgeschichte Sammlung neu aufbaute.  Im Juli 1971 wurde Busch zum Bodendenkmalpfleger des Landkreises Göttingen ernannt. Im Dezember  1973 erfolgte seine Promotion, ab Januar 1974 war er als Kustos, dann Oberkustos der Abteilung Archäologie am Braunschweiger Landesmuseum tätig. 1987 wurde Prof. Busch Direktor des Hamburger Museums für Archäologie – Helms-Museums, welches er bis 2001 geleitet hat. Anschließend übernahm Herr Busch eine leitende Funktion in der Senatskanzlei der Freien und Hansestadt Hamburg. Seit dem Eintritt  in den Ruhestand betreut Herr Prof. Busch im Bomann-Museum Celle die Gemäldesammlung sowie zeichnet verantwortlich für verschiedene Ausstellungsprojekte.

     

    Links zu den Themen

    Archäologisches Museum HamburgEremitage, St. Petersburg, Helmut Kohl, Volker RüheSkythen, Gold der Skythen, LangobardenZeitschrift Mannus

     

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    Christoph Haffner
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    Ralf Busch

  • HR010 Ausgegraben – Ein Social Media Abend im Museum

    HR010 Ausgegraben – Ein Social Media Abend im Museum

     

    Das Hafenradio ist wieder einmal zu Besuch im Archäologischen Museum Hamburg. Ausgegraben auf der Harburger Schlossinsel im Süden der Hansestadt. Wir besuchen die zweite Social Media Veranstaltung im Museum. Mehr als 50 Twitterati und Blogger sind gekommen, um mit Bier und Brezeln von Kay-Peter Suchowa durch die Ausstellung „Ausgegraben. Harburg archäologisch“ geführt zu werden und das gesehene und gehörte direkt raus zu twittern. Wie schon in HR004 versteht Kay es spannend  zu vermitteln was Archäologie ausmacht.

    Kay Peter Suchowa startet die Führung durch die Ausstellung im Archäologischen Museum Hamburg
    Start der Führung durch die Ausstellung

    Die Führung lohnt sich obwohl – oder gerade weil – die Bilder nur im Kopf entstehen. In den hintersten Ecken der Ausstellung schwächest zwar die Funkübertragung von Kays Mikrofon, aber das Resultat lässt sich dennoch sehr gut hören. Das hervorragende Bier wurde von der Harburger Kreativbrauerei Kehrwieder bereitgestellt.

    Kronenkorken vom Kehrwidder Bier im Archäologischen Museum Hamburg
    Was vom Bier übrig bleibt.

     

    Kay-Peter Suchowa hat in den neunziger Jahren in Hamburg Ur-und Frühgeschichte und Ethnologie studiert. Nach verschiedenen archäologischen Stationen in Lübeck, Hameln und Hitzacker ist er nun wieder in seiner Heimatstadt Hamburg als Leiter verschiedener stadtarchäologischen Ausgrabungen tätig.

    Kay Peter Suchowa im Archäologischen Museum Hamburg
    Kay-Peter Suchowa

     

    Links zu den Themen

    Archäologisches Museum Hamburg, Kreativbrauerei Kehrwieder, #ausgegraben

     

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    Kay-Peter Suchowa

  • HR003 Mythos Hammaburg – Tweetup im Archäologischen Museum Hamburg

     

    Foto 09.02.15 20 37 34
    Ansgar (Gotisches Tafelbild)

    HR003 – hafenradio die Dritte! Heute geht es mit Sekt, Wein, Keksen und Smartphone ins Museum! Der Kurator der Ausstellung „Mythos Hammaburg“, Ingo Petri, und Michael Merkel haben Hamburger Twitterer – oder Twitterati – zu einem Tweetup in das Archäologische Museum Hamburg eingeladen. Ingo macht eine Führung durch die Ausstellung mit Schwerpunkt „Ansgar“ (dem Missionar und vermeintlich ersten Bischof von Hamburg), und die Twitterati… nun ja, sie lauschen und twittern.
    Und wir dachten uns, dass es ein spannendes Experiment sein kann zum einen die Führung durch eine Ausstellung mal als Podcast aufzunehmen und zum anderen mit den Tweeds zu #AMH_Mythos zu kombinieren, um dem Tweetup so eine Audiokomponente beizusteuern. Die Tweets könnt ihr unten auf dieser Seite verfolgen, bzw. nachlesen. Noch besser wäre es natürlich wenn wir die Tweets auch noch an die Timeline der Aufnahme anhängen könnten, also die Tweets synchron zur Aufnahme anzeigen.

    Foto 09.02.15 20 14 34 (1)
    Die einen twittern…

    Foto 09.02.15 21 06 48
    .. die anderen podcasten.

    Im zweiten Stock des Archäologischen Museums Hamburg ist das Reich von Ingo Petri, dem Kurator der Ausstellung „Mythos Hammaburg“: Auf den Tischen sind Grabungspläne und Zeichnungen von Profilen und Plana ausgebreitet. Bücher und Publikationen stapeln sich um ihn herum. Seit dem ersten September 2014 ist Diplom-Prähistoriker Ingo Petri (Jahrgang 1981) der neue Volontär des Museums. Zwei Jahre lang wird sich Ingo, der parallel über die Metallgewinnung und -verarbeitung in westslawischen Siedlungsgebieten promoviert, um die große Ausstellung des AMH »Mythos Hammaburg – Archäologische Entdeckungen zu den Anfängen Hamburgs« kümmern.

    Foto 09.02.15 18 32 58
    Ingo Petri

    Die angemessene Darstellung dieses komplexen Themenfeldes bedarf allerdings einer intensiven fachlichen Vorbereitung – und genau an dieser Stelle kommt Ingo Petri ins Spiel.
    Sein erstes großes Teamprojekt in diesem Rahmen war die Vorbereitung eines interdisziplinären Fachkolloquiums, welches das Museum zur Vorbereitung der geplanten Sonderausstellung im Dezember veranstaltet hat. Im Mittelpunkt des Kolloquiums stand die Neubewertung der bisherigen Interpretationen aller Grabungsergebnisse der vergangenen Jahrzehnte.

    Mittelalterliche Befestigungsanlagen haben ihn übrigens seit Beginn seines Studiums in Kiel besonders interessiert und deswegen hat er auch nicht lange gezögert, als das Angebot vom Archäologischen Museum kam. Für das Volontariat ist er extra nach Hamburg gezogen und hat eine Bleibe in Wilhelmsburg gefunden.

     

    Links zu den Themen

    Archäologisches Museum Hamburg, Karl der Große, Sachsenkriege, Blutgericht von VerdenAnsgar von Bremen, Kloster Corbie, RimbertLudwig der Fromme, Wikingerzeit, SlawenIrminsul, Synkretismen, Kiewer Eier

    Und der ganze TweetUp nochmal zum nachlesen…

     

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    Christoph Haffner
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    Ingo Petri

  • Eine Tour durch den Harburger Binnenhafen

    Eine Tour durch den Harburger Binnenhafen

    Nachdem wir vor einer Woche unsere Fundpunkte App einem eingehenden „Feldtest“ unterzogen haben, war heute die Binnenhafen App dran, und zwar die Android-Version. Um es gleich vorweg zu nehmen, das Konzept hat gut funktioniert – und technisch gab es auch keinerlei Aussetzer.

    Aber die positive Überraschung des Tages war nicht die App sondern der Harburger Binnenhafen. Bekanntermaßen zieht es ja nicht gerade viele Hamburger, die nördlich der Elbe leben, nach Harburg, ganz einfach weil Harburg der Ruf vorauseilt das dort nichts weiter los ist und es auch nix spannendes zu sehen und zu erleben gibt… ausserdem ist der Weg dorthin relativ lang und umständlich. Das mögen schnöde Vorurteile sein, Ignoranz oder vielleicht sogar ein Stück weit die Wahrheit… aber das Gebiet um den Hamburger Binnenhafen ist ganz sicher einen Besuch Wert – und langweilig ist es auf keinen Fall!

    Der Harburger Binnenhafen ist eines der Hafenareale Hamburgs, die durch den zunehmenden Rückgang hafengebundener Industriebetriebe einen tiefgreifenden, geplanten Strukturwandel durchleben. Bekanntestes Beispiel ist natürlich die Hafencity. Aber im Gegensatz zur Hafencity wurde nicht das gesamte Areal in relativ kurzer Zeit nahezu komplett abgerissen und neu bebaut. Im Harburger Binnenhafen vollzieht sich der Wandel vom Hafen- und Industriestandort hin zu einem Wohn- und Geschäftsviertel bereits seit den neunziger Jahren, und ist noch lange nicht abgeschlossen. Und genau das macht den Binnenhafen momentan zu einem Stadtviertel, wie man es sonst wohl nirgends in Hamburg findet. Die Kontraste könnten größer nicht sein. Moderne Gebäude und sanierter Altbestand wechseln sich mit großen Brachflächen, leerstehenden und verfallenen Gebäuden ab.

    Binnenhafen Harburg: App im Praxistest   
    Binnenhafen Harburg: Hilke Spirituosen LikörfabrikSpirituosen und Likörfabrik Hilke – steht seit den 80er Jahren leer.

    Dazwischen findet man noch aktive Industrie- und Hafenbetriebe. Insgesamt ein mit viel Geschichte geladener Spannungsbogen zwischen einer zu Ende gehenden Epoche und der Zukunft – und zwischendrin immer wieder historische Orte und Gebäude, deren Geschichte zum Teil bis zu den Anfängen Harburgs zurückreicht. Alles hier wird durch die Kanäle und Hafenbecken – also Wasser –  zusammengehalten. Auf dem Wasser sieht es ebenfalls ganz anders aus als in der Hafencity. Auch hier liegen die Kontraste nah beieinander. Man sieht liebevoll restaurierte, historische Segler neben Sportbooten und alten Nußschalen, denen eine Generalüberholung oder Restaurierung noch bevorstehen. Aber auch „Arbeitsschiffe“, wie zum Beispiel Saugbagger oder Lastkähne, findet man noch in Betrieb.

    Binnenhafen Harburg - Baggerschiff   Binnenhafen Harburg: Schaufeln für Baggerschiffe
    Baggerschiff und große Baggerschaufeln

    Das Zentrum des Binnenhafens bildet die Schlossinsel, auf der noch ein Teil des alten Harburger Schlosses als Mietshaus steht, aber auch neue und sicher teure Wohnanlagen entstehen hier. Fast alles im Harburger Binnenhafen scheint noch unfertig und im Wandel.

    Binnenhafen Harburg: Binnenschiffe   Binnenhafen Harburg: Hafen-Trinkhalle
    Museums(reife) Schiffe und die Trinkhalle

    In dieser Gemengelage soll die Binnenhafen-App dem interessierten Besucher nun etwas Orientierung und Hintergrundinformation geben. Die App zeigt insgesamt 31, für die Geschichte des Harburger Binnenhafen wichtige Orte, die alle in der heutigen Topografie noch sichtbar oder erkennbar sind. Historische Gebäude, Kanäle und Hafenbecken, Brücken und Plätze. Um dem Benutzer die Erkundung des Viertels zu erleichtern, haben wir die interessantesten Orte in zwei Touren kombiniert – einer roten und einer blauen Tour. Ich habe mich heute für die blaue Tour entschieden, nicht zuletzt weil sie mich auch zum Harburger Schloss führt, das ich bis dato noch nicht gesehen habe. Ich starte die Tour am „Silo“ am Schellerdamm 16.

    Binnenhafen Harburg: App im Praxistest   Binnenhafen Harburg: Umgebautes Silo
    Das ehemalige Getreidesilo der Firma Andreas Hansen

    Das alte Getreidesilo wurde in ein 14-stöckiges Bürogebäude umgewandelt und ist neben dem Channel Tower und dem Kaispeicher eines der hohen Gebäude, die die Skyline des Binnenhafens dominieren. Die Tour führt dann weiter über den Kanalplatz an 16 Stationen entlang durch den westlichen Teil des Binnenhafens zur Schlossinsel bis zum „Wohnquartier „Marina auf der Schlossinsel“. Insgesamt bin ich über eine Stunde unterwegs.

    Binnenhafen Harburg: Harburger Schloß   Binnenhafen Harburg: Harburger Schloss
    Erhaltener Flügel des alten harburger Schlosses

    Was mir gefehlt hat ist ein einleitender Artikel, der die Geschichte des Binnenhafens kurz zusammenfasst – gewissermaßen als Startschuss für die Tour. Aber die Beschreibungen und historischen Bilder lassen den Benutzer tief in die Geschichte und Entwicklung dieses absolut spannenden Viertels schauen. Trotzdem – es gibt noch Verbesserungen für die Version 1.1!

    Ein Besuch des Harburger Binnenhafens lohnt sich also allemal – mit oder ohne App. Und für alle die den Besuch lieber mit App machen wollen: Die Binnenhafen App wird noch im Februar kostenlos im Apple App Store und bei Google Play zum Download bereitstehen – es dauert also nicht mehr lange!  Wir haben diese App gemeinsam mit dem Archäologischen Museum Hamburg – Stadtmuseum Harburg für das Bezirksamt Harburg entwickelt.