HR035 – Der mittelalterliche Markt im Loch Neß

Nu geit dat wieder los! Endlich gibt es eine neue Folge unseres Hafenradios. Dieses Mal dreht sich wieder alles um Archäologie, und zwar mitten aus der Hamburger Altstadt.

In der mittlerweile 35. Folge sprechen wir mit Dr. Martin Eckert, dem Grabungsleiter der Ausgrabung am Neß in Hamburg. Wir sind auf dem Gelände des ehemaligen Commerzbank-Areals am Neß 9, direkt im Zentrum des mittelalterlichen Hamburgs, nahe Nikolai-Fleet, Trostbrücke und den historischen Einrichtungen der Altstadt. Das Archäologische Museum Hamburg untersucht hier die mittelalterliche und neuzeitliche Bebauung. Schon beim ersten Blick auf die ungewöhnlich tiefe Grabung stand dank unseres bekanntlich brillanten Humors auch der Titel der Folge fest: Der mittelalterliche Markt im Loch Neß.

Der Grabungsleiter Dr. Martin Eckert.

Pumpen, Schläuche und nasser Boden bestimmen den Alltag auf dieser Grabung unweit des Fleets. Denn bevor überhaupt mit den archäologischen Arbeiten begonnen werden kann, muss die Grabungscrew das Wasser in den Griff bekommen. Grundwasser, Schichtenwasser, alte Leitungen – alles spielt auf dieser Grabung eine Rolle. Erst wenn die Fläche trocken genug ist, kann ausgegraben werden.

Burggrabenartig: damit auch das Oberflächenwasser ablaufen kann, wird um das Zelt ein Graben gelegt. (Simon Heitmann, David Bandixen)

Das Umfeld des Neß ist für die Geschichte Hamburgs besonders spannend, da es einmal eine Art Übergangsraum zwischen Altstadt und Neustadt gewesen sein könnte. Hier befanden sich wichtige Orte der Stadt: das Rathaus, die Börse, die Waage, das Zollhaus, die Ratsapotheke und später die Bank. Es gibt viele Hinweise darauf, dass sich hier über Jahrhunderte hinweg ein politisches und wirtschaftliches Zentrum Hamburgs entwickelt hat. 

Wer auf einer Ausgrabung arbeitet, muss auch handwerklich geschickt sein. Endersen Hoffmann und Andreas Rekowski sind dabei, ein Regal für die archäologischen Funde aufzubauen.

Das Team um Martin hat eine Pflasterung aus mittelalterlichen Klosterformatziegeln freigelegt. Möglicherweise handelt es sich hier um den Kellerboden des Kaiserhofs. Der 1619 als großbürgerliches Palais errichtete Bau diente ab 1726 als repräsentativer Gasthof und später als Hotel Kaisershof. Nach dem Abriss des Gebäudes im Jahr 1873 blieb die kunstvoll gestaltete Giebelfassade erhalten und wurde in das heutige Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg versetzt. Besonders spannend ist, dass hier bei der Ausgrabung Lederreste, Keramik, Knochen und Holz gefunden wurden. Zudem trat unter dem Pflaster eine dunkelbraune Schicht zutage. Diese Funde könnten darauf hindeuten, dass sich hier im Mittelalter ein Marktplatz befand. Nun hoffen die Archäolog*innen auf Funde, die wirklich sichere Hinweise auf einen mittelalterlichen Marktplatz liefern könnten. Genau solche offenen Fragen machen den Reiz dieser Grabung aus.

Vielleicht die Oberfläche des mittelalterlichen Marktes mit Ziegelpflasterung und Ablaufrinnen aus ehemaligen Viehtränken.
Die Dokumentation der Grabung ist fast vollständig digital: Felix Steckner und Anna Graf bei der photogrammetrischen Aufnahme der Befunde.

Im Podcast geht’s außerdem um den Alltag auf einer Stadtkerngrabung: Vermessung, Photogrammetrie, 3D-Doku, Fundbearbeitung, Teamwork – und um den ganz schön sportlichen Einsatz, den so eine Grabung mitten in Hamburg verlangt.

Nur fast vollständig digital: Ein Stehpult mit Kladde und Zeichenbrett haben wir dann doch noch gefunden. 

Das Team vom Loch Neß:

Simon Heitmann (Arbeiter)
Endersen Hoffmann (Arbeiter)
Andreas Rekowski (Arbeiter)
Andre Hamester (Arbeiter)
Nils Rüggen (Arbeiter)
Sara Colberg (Studentische Hilfskraft)
Viktor Roschke (Studentische Hilfskraft)
Felix Steckner (Techniker)
Anna Graf (Dokumentarin)
Dr. Martin Eckert (Leitung)
David Bandixen (Student Bodendenkmalpflege)

Links zum Thema
Commerzbank Ensemble Hamburg, Rathaus an der Trostbrücke, Hamburger Niedergericht, Trostbrücke, Haus der Patriotischen Gesellschaft, Nikolaifleet, Hotel Kaisershof,  Hamburger Börse, Mauerziegel (Klosterformat wird auch kurz erklärt), Photogrammetrie, Archäologisches Museum Hamburg



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